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Hitzetipps von Pflanzen? Richtig gelesen. Sie haben Methoden entwickelt, um die Hitzewellen zu überstehen.
Mir ist einfach nur noch heiß, und ich würde am liebsten irgendwohin gehen, wo ich endlich nicht mehr schwitzen muss. Ins Freibad zum Beispiel oder auf einen Gletscher. Kann ich aber nicht, weil ich arbeiten muss. Und in Wahrheit muss ich auch gar nicht vor der Hitze fliehen – genauso gut kann ich einfach nur in den Garten gehen und nachschauen, wie sich die Pflanzen vor ihr schützen. Ihre Methoden sind nämlich ausgeklügelt und mitunter einzigartig, denn ihre Ausgangslage ist eine andere als bei mir: Sie können ja nicht weglaufen, und hohe Temperaturen überleben sie nur dank der evolutionären Entwicklung.
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Wie zum Beispiel der Sonnenhut in meinem Blumenbeet. Die krautige Pflanze, deren goldgelbe oder rötliche bis lilafarbene Blüten mit der braunen, aufgewölbten Mitte an einen Hut erinnern, schafft es nicht nur dank ihrer tiefen, kräftigen Wurzeln durch den Sommer. Wird es zu heiß und der Boden zu trocken, drosselt der Sonnenhut seinen Stoffwechsel und stellt das Wachstum ein, um seinen Energieverbrauch auf die kühleren Morgen- und Abendstunden zu konzentrieren.
Hitzeschockproteine als Notfallsanitäter
Nicht nur der Sonnenhut, sondern nahezu alle Landpflanzen und auch wir Menschen produzieren zudem Hitzeschockproteine, um die Zellen vor hohen Temperaturen zu schützen. Sie sind quasi Notfallsanitäter und Sanierungsexperten zugleich und helfen, dass lebenswichtige Proteine wie Eiweiße ihre Form behalten und nicht verkleben und verklumpen. Sind die Proteine nicht mehr zu retten, werden sie entsorgt. Obwohl Hitzeschockproteine sowohl im Pflanzen- als auch Tierreich vorkommen, funktionieren sie zum Teil völlig anders und sind auf den jeweiligen Organismus spezialisiert.
Besonders beeindruckend finde ich aber die Sonnenblumen auf dem Feld nebenan und deren Umgang mit Trockenheit und Hitze. Vielleicht bist du auch schon öfter an immer denselben Blumen vorbeigegangen und hast deren Bewegungen bemerkt: Steht die Mittagssonne hoch am Himmel und strahlt unbarmherzig auf sie hinunter, lassen sie ihre Köpfe und Blätter hängen und richten diese erst wieder auf, wenn es schattiger und kühler wird. Das ist ein cleverer Schutzmechanismus, um der Sonne eine geringere Angriffsfläche zu bieten und dadurch weniger Wasser zu verdunsten.
Die dunkle Seite der Pflanze
Wie das funktioniert? Dahinter stecken Wasserdruck und Wachstum. Sinkt der Druck in den Zellen, weil mehr Wasser verdunstet als über die Wurzeln nachfließt, können die Stängel und Blattstiele das Gewicht der Blätter und des Kopfes nicht mehr halten, und sie neigen sich zu Boden. Was das Wachstum betrifft, so wachsen die Stängelseiten der jungen Sonnenblumen unterschiedlich schnell. Genetisch gesteuert wächst tagsüber die Ostseite des Stängels schneller (der Kopf neigt sich nach Westen) und nachts die Westseite (der Kopf schwenkt in Richtung Osten, wo in der Früh wieder die Sonne aufgehen wird).
Dafür verantwortlich ist das Wachstumshormon Auxin, das stets dorthin wandert, wo es schattig ist. Anders gesagt: Die dunkle Seite der Pflanze wächst dadurch schneller als die hell bestrahlte Seite. Wird es zu trocken, stoppt sie ihr Längenwachstum komplett, und die Blattfläche schrumpft. Stattdessen versucht sie, über eine tiefe Pfahlwurzel an Wasser zu gelangen.
Alleebäume wie Linden oder Pappeln wiederum drehen bei zu viel Sonnenlicht ihre hellen, weiß- oder grau-filzigen Blattunterseiten nach außen oder oben, um es zu reflektieren. Auch auf diese Art und Weise können sie verhindern, dass zu viel Wasser verdunstet, und sich vor Überhitzung schützen – der Mechanismus dahinter ist ähnlich wie bei der Sonnenblume.
Lavendel gegen den Stress
Einen ganz besonderen Joker spielt allerdings meine Lieblingsblume aus, was die Düfte des Sommers im Garten betrifft: der Lavendel. Er riecht herb und frisch, wirkt beruhigend und senkt nachweislich den Cortisolspiegel im Körper. Cortisol ist ein Stresshormon, das den Blutzucker und Blutdruck beeinflusst. Lavendel hilft somit dem Körper, die Belastung durch hohe Temperaturen besser zu überstehen.
Allerdings nicht nur durch seinen Duft. Denn die ätherischen Öle, die für diesen verantwortlich sind, haben eine weitere Wirkung: Echter Lavendel kühlt seine Blätter, indem er verdunstende ätherische Öle abgibt. Genau das könntest du ihm nachmachen, wenn du wieder einmal schwitzt und vor lauter Hitze nicht mehr weiterweißt. Vermischt mit Wasser und zum Beispiel auch einem Aloe-Vera-Gel kannst du das Öl auf deine Haut sprühen, damit dir nicht mehr so heiß ist. Ähnlich wirkt ein Fußbad in derselben Mischung oder aber auch ein Tuch, das du in dieser tränkst und in deinen Nacken legst. Positive Nebenwirkung: Du riechst danach gut.
Vielleicht wirkst du dann auf andere ebenfalls hitzesenkend. Was du dir ebenfalls von den Pflanzen abschauen könntest: Nimm dir die Linden und Pappeln als Vorbild und ziehe dir etwas Helles an, das das Sonnenlicht reflektiert – oder wende dich wie die Sonnenblume so gut es geht von der Sonne ab. Mein persönlich liebster Vorsatz für die Hitzewelle: Ich schraube meinen Energieverbrauch untertags herunter und werde erst wieder am Abend beziehungsweise in der Früh aktiv. Ist nur leider nicht immer umsetzbar.
Aktiv muss ich in der Früh aber auf jeden Fall werden, weil genau dann der Garten gegossen werden sollte. Und zwar ausgiebig und am besten mit Regenwasser, weil das keinen Kalk enthält. Zu dieser Tageszeit nimmt der Boden das Wasser gut auf, während er am Abend oft hart und trocken ist und dann die Staunässe das Wachstum schädlicher Pilze fördern kann. Denn ganz ohne Wasser können selbst die Pflanzen vor meiner Haustüre nicht überleben – genauso wenig wie ich.
Petra Tempfer nimmt dich alle zwei Wochen mit nach draußen in die Natur, in ihren Garten und zu allem, was da so lebt. Während sie sich müde und schwitzend Luft zufächelt, könnte es sein, dass ihr Garten zur Partyzone wird: Denn auch Tiere wie Schmetterlinge, Amseln, Wespen oder Eichhörnchen berauschen sich ganz bewusst, zum Beispiel mit gärendem Obst. Die Weibchen einiger Fruchtfliegenarten werden dann weniger wählerisch, während die Männchen erst dann zu trinken beginnen, wenn sie von potenziellen Partnerinnen zurückgewiesen wurden. Details dazu gibt es hier in zwei Wochen.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Hinter der Bezeichnung Sonnenhut verbergen sich zwei verschiedene Pflanzengattungen, die überwiegend gelb blühende Rudbeckia und die in Rottönen blühenden Echinacea-Arten. Die 15 wild wachsenden Rudbeckia-Arten und die zahlreichen Zuchtformen weisen alle einen Kranz von gelben Zungenblüten auf. Die Gattung Echinacea umfasst neun Arten, von denen der Purpur-Sonnenhut (E. purpurea) die bekannteste ist. Fast alle Echinacea-Arten enthalten entzündungshemmende Stoffe, die Bakterien bekämpfen und das Immunsystem stärken. (Naturschutzbund Deutschland)
- Wenige Jahrzehnte nachdem Christoph Kolumbus 1492 Amerika erreicht hatte, brachten spanische Seefahrer die ersten Sonnenblumen (Gattung Helianthus) nach Europa. Ab dem 19. Jahrhundert wurden sie in Europa großflächig zur Ölgewinnung angebaut. Die größten Anbaugebiete liegen heute in Osteuropa, Frankreich sowie in Nordamerika. Sonnenblumenkerne bestehen etwa zur Hälfte aus hochwertigem Öl, außerdem sind rund 15 Prozent Eiweiß enthalten, dazu unter anderem Lezithin und Vitamine. Sonnenblumenöl enthält zu zwei Drittel ungesättigte Fettsäuren, die der menschliche Körper zwar benötigt, aber nicht selbst herstellen kann. (Naturschutzbund Deutschland)
- Echter Lavendel (Lavandula angustifolia): Im Handel wird der Echte Lavendel in zwei Varianten unterschieden, nämlich „Lavendel fein“ und „Lavendel extra“. Bekanntestes Lavendel-Anbaugebiet ist die französische Provence. Er wird aber auch in Spanien, Südosteuropa und Russland kultiviert. Wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die beruhigende und entspannende Wirkung von Echtem Lavendel und Lavendelöl. Hauptbestandteil des Öls ist das Linalylacetat. Außerdem wirkt Lavendel entkrampfend, wundheilend, leicht antidepressiv, schmerzlindernd, entzündungshemmend und desinfizierend. (Naturschutzbund Deutschland)
- Hitze, Trockenheit oder Krankheitserreger sind nur einige der Stressfaktoren, mit denen Pflanzen zurechtkommen müssen. Belastende Bedingungen können Proteine zerstören, die sich dann in den Zellen ansammeln und lebenswichtige Prozesse aus dem Gleichgewicht bringen. Damit das nicht passiert, besitzen Pflanzen einen hochpräzisen „Reinigungsmechanismus“: die selektive Autophagie. Bei diesem Prozess werden Bestandteile der Zelle durch SARs (selektive Autophagie-Rezeptoren) markiert und abgebaut. Die SAR-Helferproteine erkennen, welche Zellkomponenten beschädigt oder unnötig sind, und leiten sie zur Entsorgung weiter. SARs kommen auch im Tierreich vor und sind dort bereits viel besser untersucht. Pflanzen haben ihre eigenen SAR-Versionen. Manche ähneln jenen der Tiere, andere sind völlig anders. (Österreichische Akademie der Wissenschaften)
- Unter Auxinen versteht man eine Gruppe natürlicher oder synthetischer Wachstumsregulatoren. Die natürlichen, in der Pflanze vorkommenden Auxine werden als Phytohormone, also als biochemisch wirkende, pflanzeneigene organische Verbindungen, bezeichnet. Das wichtigste und einzige pflanzeneigene Auxin ist die Indol-3-Essigsäure. Auxine haben zum Teil im Zusammenspiel mit anderen Phytohormonen eine Vielzahl an Wirkungen auf die Gesamtentwicklung der Pflanze. Unter dem „klassischen Auxineffekt“ zum Beispiel versteht man die Zellstreckung einer Pflanzenzelle. Außerdem beeinflusst das Wachstumshormon die Zellteilung und viele andere Prozesse im Wachstum der Pflanze. (Pflanzenforschung.de)
- Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon der Nebennierenrinde, das Blutzucker, Blutdruck und Entzündungen beeinflusst. Wenn wir Stress erleben, wird Cortisol ausgeschüttet, um den Körper zusammen mit anderen Hormonen wie Adrenalin in Alarmbereitschaft zu versetzen. So erhöht Cortisol zum Beispiel den Blutzuckerspiegel, um dem Körper rasch Energie bereitzustellen. Auch der Blutdruck steigt. Ist der Stress vorüber, sinkt der Cortisolspiegel wieder ab. Cortisol wird deshalb als Stresshormon bezeichnet. Cortisol wirkt außerdem entzündungshemmend. Die Vorstufe von Cortisol – Cortison oder Kortison genannt – wird häufig als antientzündliches oder antiallergisches Medikament eingesetzt. (Apotheken Umschau)
Quellen
- Wie Pflanzen schwitzen (Pflanzenforschung.de)
- Pieruschka at al. (2010): Control of transpiration by radiation. PNAS, doi: 10.1073/pnas.0913177107.
- Auch bei Regen strahlen Sonnenblumen nicht (dpa-Faktencheck)
- Sonnenblume (Landwirtschaftskammer Oberösterreich)
- Pflanzen bei Hitze und Trockenheit im Garten | Lavendel (ARDalpha.de)
- Richtiges Gießen in der Hitze (Die Umweltberatung)
Das Thema in der WZ
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Das Thema in anderen Medien
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