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Auf dem Handy tummeln sich zehnmal mehr Bakterien als auf der Toilette. Auch andere Dinge, die du ständig berührst – Tastaturen, Lichtschalter oder Putzschwämme – ziehen Bakterien magisch an. Warum das so ist und was du dagegen tun kannst.
Meistens schaffe ich es ganz gut, mich nicht zu sehr aufzuregen, wenn ich mich wieder einmal mit Kaffee anschütte oder meine Keksbrösel in die Computertastatur rieseln. Was mich aber rasend macht, ist, wenn der Bildschirm meines Handys pickt oder verschmiert ist. Dann wische ich ihn mit dem Finger ab, bis er wieder glänzt – aber sauber ist er dennoch nicht, denn: Auf dem Handy tummeln sich zehnmal mehr Bakterien als auf der Klobrille, wie eine Studie der University of Michigan ergeben hat. Der wahre Schmutz ist also unsichtbar.
- Kennst du schon?: Ich mach’ es wie der Sonnenhut
Und nicht nur auf dem Handy. Denn allein, wenn ich vom Schreibtisch zuhause in die Küche zum Kühlschrank gehe, auf dem Weg dorthin das Licht einschalte, mir ein Stück Käse auf einem Brett abschneide und danach den Teller mit dem Putzschwamm abwasche, begegne ich einem Keim-Hotspot nach dem anderen. Für einen der größten muss ich aber nicht einmal aufstehen, er befindet sich auf dem Schreibtisch direkt vor mir: meine Tastatur, auf der die Keksbrösel wohl das kleinste Problem sind.
Bakterien von Haut, Mund und Nase
Sogar 400-mal mehr Keime als auf der Klobrille befinden sich laut National Center for Health Research in Washington auf einer Tastatur – die Schreibtische von Frauen beherbergen demnach tendenziell mehr Bakterien als die von Männern. Wie die Bakterien dorthin gelangen, liegt auf der Hand, im wahrsten Sinne des Wortes: Die meisten leben ursprünglich auf mir, in meiner Haut, im Mund und in der Nase. Sobald ich mit meiner Hand diese Stellen berühre und anschließend die Tastatur, befördere ich sie dorthin. Benutzen auch andere Menschen die Tastatur, nimmt die Verbreitung der Keime ihren Lauf.
Dasselbe gilt für die Lichtschalter und Türschnallen auf meinem Weg in die Küche, wo auf dem Putzschwamm bis zu acht Millionen Bakterien leben. Darunter Darmbakterien wie Escherichia coli, die zeigen, dass der Schwamm durch Fäkalien verschmutzt ist, schreibt die Clamson University von South Carolina. Sie können Magen-Darm-Beschwerden auslösen.
Selbst Antibiotika helfen nicht immer
Welche Bakterien sind das nun genau, die mich hier überall umgeben – und warum bin ich nicht ständig krank? Die meisten Bakterien, mit denen ich auf meinem Schreibtisch und in jedem einzelnen Zimmer konfrontiert bin, sind harmlos und können nur unter bestimmten Bedingungen gefährlich werden. Es sind zum Beispiel natürliche Hautbakterien wie Staphylococcus- und Micrococcus-Arten. Staphylococcus epidermidis besiedelt die Haut und Schleimhäute, kommt aber auch auf Medizinprodukten wie Kathetern vor, wo sich Millionen von ihm zu einer widerstandsfähigen Gemeinschaft (Biofilm) vereinen. Gelangt er in den Körper eines immungeschwächten Menschen, kann er schwere Infektionen an Wunden bis hin zur Blutvergiftung auslösen. Diese sind besonders hartnäckig, weil Staphylococcus epidermidis meist gegen Antibiotika resistent ist. Bei Micrococcus-Arten verhält es sich ähnlich.
Staphylococcus aureus wiederum hat einen absoluten Lieblingsplatz im menschlichen Körper: die Nasenlöcher. Gerät er über den Finger zum Beispiel auf eine Türschnalle und dann weiter in eine kleine Wunde eines anderen Menschen, kann er eitrige Furunkel hervorrufen.
Endgegner: Kühlschrank
Sollte ich trotz all dieser Bakterien dennoch halbwegs gesund in meiner Küche angekommen sein, wartet hier jedoch mein Endgegner auf mich: mein Kühlschrank. Er gilt als Sammelbecken für Bakterien, die nicht nur von verdorbenen Lebensmitteln stammen. Ein Forschungsteam der Universität Wien hat vor Kurzem 45 Kühlschränke in Privathaushalten untersucht und bei 60 Prozent Keime gefunden, die krank machen können. Insgesamt hat das Team 2.184 unterschiedliche Arten an Bakterien, aber auch an Viren, Pilzen oder Schimmel in den Kühlschränken entdeckt. Darunter Listerien, also Bakterien, die auf Fleisch, Fisch, vorgeschnittenem Salat oder Kräutern vorkommen und die Krankheit Listeriose auslösen können. Diese kann für ältere Menschen oder ungeborene Kinder im Mutterleib tödlich enden. Sie äußert sich durch starkes Fieber, Übelkeit und Erbrechen bis hin zur Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung.
Ganz generell raten die Forscher:innen dazu, den Kühlschrank auf weniger als fünf Grad Celsius zu kühlen und alle drei bis vier Wochen zu reinigen, damit sich die Mikroorganismen nicht so schnell vermehren können. Essigessenz, Zitronensäure oder spezielle Hygiene-Sprays wirken antibakteriell – und wichtig ist auch, den Kühlschrank nach dem Reinigen immer trocken zu wischen, damit die Feuchtigkeit keinen neuen Nährboden für Bakterien bildet.
Das mit dem Reinigen ist überhaupt so eine Sache – und oft die Quelle allen Übels. Denn anders als die Klobrille reinigt und desinfiziert vermutlich nicht jede:r regelmäßig die Tastatur, die Lichtschalter und die Türschnallen oder wechselt den Geschirr-Putzschwamm oft genug gegen einen neuen aus. Der Hygieneleitfaden für Arztpraxen empfiehlt einen wöchentlichen Rhythmus – das Handy sollte sogar täglich geputzt werden. Ich persönlich würde jetzt am liebsten irgendwie gar nichts mehr angreifen, geschweige denn, mit dem Handy am Ohr telefonieren. Oder künftig nur noch Handschuhe tragen.
Petra Tempfer nimmt dich alle zwei Wochen mit nach draußen in die Natur, in ihren Garten und zu allem, was da so lebt. Den Kühlschrank putzt sie vor allem im Sommer gern, denn: Während der Hitzewellen verschafft ihr das willkommene Minuten der Abkühlung. Die Pflanzen in ihrem Garten haben da viel bessere Methoden entwickelt, von denen du dir vielleicht etwas abschauen kannst. Mehr dazu liest du hier in zwei Wochen.
Zu allen bereits erschienenen Kolumnen geht es hier.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Smartphones spiegeln das Mikrobiom ihrer Besitzer:innen recht zuverlässig wider. Zu 22 Prozent stimmen die Bakterien auf dem Display mit denen auf Daumen oder Zeigefinger überein. Für die häufigsten Bakterien der Hand wie Streptokokken und Staphylokokken decken sich die Muster sogar zu 82 Prozent. Smartphones lassen sich durch den mikrobiologischen Fingerabdruck somit ihren Besitzer:innen zuordnen – bei Frauen sogar noch besser als bei Männern. (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie)
- Das Bakterium Staphylococcus epidermidis kommt meist als harmlose Art auf der menschlichen Haut und in der Nase vor. Einige Stämme können jedoch schwer behandelbare Infektionen an Kathetern, künstlichen Gelenken und Herzklappen oder in der Blutbahn hervorrufen. Häufig sind sie zudem resistent gegen das besonders wirksame Antibiotikum Methicillin und zählen zu den gefürchteten Krankenhauskeimen. (Deutsches Zentrum für Infektionsforschung)
- Mikrokokken (Micrococcus-Arten) bilden einen Teil der normalen menschlichen Keimbesiedelung als sogenannte Standortflora. Bei immungeschwächten Personen können sie auch Infektionen auslösen. Ansonsten findet man sie im Erdboden und im Wasser. (DocCheck Flexicon)
- Escherichia coli ist ein natürlich vorkommender Keim (Kommensale) im Darm von Vögeln und warmblütigen Säugetieren – also auch des Menschen. Bestimmte Stämme von Escherichia coli können schwerwiegende Erkrankungen hervorrufen. Die Bedeutung von Escherichia coli als Verursacher von Infektionen des Menschen ist schon seit den 1920er Jahren bekannt. So spielen Escherichia coli als häufigste Verursacher von bakteriellen Harnwegsinfektionen eine wichtige Rolle. Zudem sind sie als Erreger von Blutvergiftungen und Krankenhausinfektionen gefürchtet. Die Keime bezeichnet man deswegen auch als sogenannte extraintestinal pathogene E. coli (ExPEC), das heißt als Erreger, die außerhalb des Darmes Krankheiten auslösen können. (Bundesinstitut für Risikobewertung)
- Staphylococcus aureus – Gefahr aus der Nase: Staphylokokken sind allgegenwärtig. Das gilt auch für das Bakterium Staphylococcus aureus. Wir tragen es auf der Haut spazieren, es lebt in unseren Atemwegen, und wir geben es über Händedruck und Niesattacken weiter. Etwa ein Drittel bis ein Viertel aller Menschen lebt mit diesem Keim – ohne etwas davon zu merken und ohne, dass er Probleme bereitet. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, wird aus dem unauffälligen Begleiter ein Krankheitserreger. Die Bandbreite der Infektionen reicht von Wundinfektionen über Muskelerkrankungen bis zur tödlichen Blutvergiftung. (Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung)
- Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch und Rohmilchprodukte sowie rohes Fleisch, aber auch Fleisch- und Fischprodukte wie aufgeschnittene, abgepackte Wurst und Räucherfisch können Listerien enthalten. Aus pasteurisierter Milch hergestellte Produkte wie Schmier- oder Weichkäse können während der Herstellung ebenfalls kontaminiert werden. Listerien sind Bakterien. Sie sind die Erreger der Listeriose, einer seltenen, hauptsächlich durch Lebensmittel übertragenen Erkrankung. Wird eine Listeriose diagnostiziert, liegt fast immer ein invasiver Krankheitsverlauf vor, das bedeutet, dass die Bakterien jenseits des Verdauungstraktes streuen. Die invasive Listeriose äußert sich durch heftige Kopfschmerzen, starkes Fieber, Übelkeit und Erbrechen. In der Folge kann es zu Hirn- bzw. Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung kommen, die häufig tödlich enden. Die Erreger können aber auch an anderen Körperstellen entzündliche Prozesse verursachen (wie Eiteransammlungen im Bereich der Wirbelsäule oder in Gelenken), diese Folgen werden aber selten beobachtet. Bei Schwangeren besteht die Gefahr einer Infektion des ungeborenen Kindes mit dem Risiko, dass es zu einer Früh- oder Totgeburt kommt. Beim infizierten Neugeborenen können sich eine Blutvergiftung und Hirnhautentzündung entwickeln. (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)
Quellen
- Sind „meine“ Bakterien auf dem Smartphone? (Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie)
- Your cell phone is 10 times dirtier than a toilet seat. Here's what to do about it (Institute for Healthcare Policy & Innovation, University of Michigan)
- Hygiene beim Einsatz von Computern und Geräten mit Touchscreen im Bereich der Patientenversorgung (Robert Koch Institut)
- Are There More Bacteria on Computer Keyboards Than Toilet Seats? (National Center for Health Research, Wasington)
- Kitchen Hygiene: Let’s talk about that Sponge! (Clemson University, South Carolina)
- Hygieneleitfaden für Arztpraxen
- Moritz Hartmann, Monika Dzieciol, Cameron R. Strachan, Narciso M. Quijada, Evelyne Selberherr, Cold storage, hot spots: Household refrigerators as under-recognized hubs of microbial diversity, LWT, Volume 243, 2026, 119119, ISSN 0023-6438
Das Thema in anderen Medien
- Rheinische Post: Diese Bakterien haften auf Ihrem Handy
- Süddeutsche Zeitung: Wie Japan Smartphones keimfrei bekommen will
- Welt: Womit und wie oft Sie Ihr Smartphone putzen müssen
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