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Kolumne: Noch bis 21. September kannst du online abstimmen, wie die nächste Generation von Euro-Geldscheinen aussehen soll.
Als Kind wollte ich ihn wenigstens einmal in der Hand halten: einen echten Mozart. Das war nämlich die damals höchste Banknote – der 5.000-Schilling-Schein mit dem Porträt des großen Komponisten. Dazu gekommen ist es allerdings nie, glaube ich. Denn im Jahr 2002 war er plötzlich weg, der Mozart. Zumindest der wertvolle, denn auf der österreichischen 1-Euro-Münze ist der Wolfgang Amadeus noch abgebildet (ein ziemliches Downgrade eigentlich). Die Geldscheine mit den Köpfen berühmter oder wichtiger Österreicher:innen wurden damals jedenfalls von Euro-Banknoten abgelöst. Ich schreibe bewusst „berühmt oder wichtig“, weil ich als junger Erwachsener natürlich den Psychoanalytiker Sigmund Freud (50 Schilling), den Architekten Otto Wagner und die Schriftstellerin Rosa Mayreder-Obermayer (beide 500 Schilling) sowie den Physiker Erwin Schrödinger (1.000 Schilling) den Namen nach kannte.
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Aber wer war bitte dieser Typ mit dem wilden Lockenkopf namens Moritz M. Daffinger auf dem 20-Schilling-Schein? Ich gebe ehrlich zu: Erst Google hat mir soeben verraten, dass es sich um einen der bedeutendsten Miniaturmaler und -bildhauer des 19. Jahrhunderts handelt. Und auch der Name des zweiten 1.000-Schilling-Kopfs, Karl Landsteiner, kam mir zwar als Jugendlicher bekannt vor. Dass er für die Einteilung der Blutgruppen in A, B und 0 den Nobelpreis bekommen hat, weiß ich aber erst heute. Und Eugen Ritter von Böhm-Bawerk (100 Schilling)? Wer kennt schon diesen Nationalökonomen, der die österreichische Kapitaltheorie begründet hat?
Fiktive Fenster, Türen und Brücken
2002 hatte ich dann plötzlich lauter bunte Geldscheine in der Hand, auf denen statt echter Köpfe fiktive Fenster, Türen und Brücken abgebildet waren, als Symbole für Offenheit und Verbundenheit. Ausgedacht hat sie sich der Österreicher Robert Kalina, der auch schon einige Schilling-Banknoten entworfen hatte. Nachbildungen der Brücken stehen heute in der niederländischen Stadt Spijkenisse. Die Europäische Zentralbank (EZB) wollte mit diesen abstrakten Motiven allen Ländern der Eurozone gerecht werden und keines bevorzugen.
Nach 25 Jahren gemeinsamer Währung hat sie nun beschlossen, dass es Zeit für neue Motive auf den Euro-Banknoten ist. Und diesmal darfst du mitreden, wie sie aussehen sollen. Ein bisschen zumindest. Aus den Bewerbungen von mehr als 1.200 Grafikdesigner:innen hat die EZB 25 ausgewählt, die ihre Gestaltungsvorschläge ausarbeiten durften. Dann bestimmten die 21 Notenbanken der Eurozone aus Bereichen wie Grafikdesign, Kommunikation, Neurowissenschaft oder Geschichte je ein Mitglied einer unabhängigen Fachjury, die schließlich zehn Entwürfe ausgesucht hat. Über diese können nun alle Bürger:innen der Eurozone noch bis 21. September direkt auf der EZB-Website abstimmen. Parallel dazu wird auch eine große Meinungsumfrage durchgeführt. Gegen Ende 2026 entscheidet dann der EZB-Rat auf dieser Basis über das endgültige Aussehen der neuen Banknoten, die dann ein paar Jahre später in Verkehr kommen sollen.
Die Namen fehlen
Zur Wahl stehen zwei verschiedene Motivserien in jeweils fünf unterschiedlichen Varianten: Die eine umfasst sechs verschiedene Vogelarten (Mauerläufer, Eisvogel, Bienenfresser, Storch, Säbelschnäbler und Basstölpel) auf der Vorderseite sowie wichtige EU-Gebäude (die Sitze von Parlament, Kommission, EZB, EuGH, Rat und Rechnungshof) auf der Rückseite. Die andere zeigt – so wie einst beim Schilling – bedeutende Persönlichkeiten der europäischen Geschichte: die Opernsängerin Maria Callas, den Komponisten Ludwig van Beethoven, die Physik- und Chemienobelpreisträgerin Marie Curie, den Schriftsteller Miguel de Cervantes, das Universalgenie Leonardo da Vinci und die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner (die übrigens schon in einer früheren Schilling-Serie abgebildet war, ehe sie Erwin Schrödinger Platz machen musste).
Nur: Diese Namen stehen in keinem der vorliegenden Entwürfe dabei. Und so kommt es, dass sich bereits pseudolustige Instagram-Komiker über das Aussehen von Marie Curie mokieren, denen offenbar nicht bewusst ist, dass die Dame die Elemente Polonium und Radium entdeckt hat, das Wort „radioaktiv“ geprägt hat und neben Linus Pauling die einzige Person in der Geschichte ist, die jemals Nobelpreise in zwei verschiedenen Fachgebieten bekommen hat. Vielleicht kommt aber noch rechtzeitig vor der Produktion jemand bei der EZB drauf, dass man der Bevölkerung doch besser verraten sollte, wen sie da auf den Geldscheinen hat – sofern sich nicht die Vögel durchsetzen.
Die höchste Banknote für eine Frau
Eines zumindest muss man den Verantwortlichen zugutehalten: Während beim Schilling am Ende Rosa Mayreder-Obermayer die einzige Frau unter lauter (meist alten) Männern war, herrscht beim Vorschlag für die neuen Euro-Banknoten jetzt 50:50-Geschlechtergerechtigkeit. Und mit Bertha von Suttner auf dem 500-Euro-Schein würde nicht nur diese Banknote, die seit 2019 nicht mehr ausgegeben wird, ein Comeback feiern, sondern es bekäme sogar eine Frau den höchsten Wert. Wenn das kein Signal der von einer Frau (EZB-Präsidentin Christine Lagarde) angeführten Notenbanker an die Politik ist . . .
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
Der Schilling wurde in Österreich zum ersten Mal 1925 und zum zweiten Mal 1945 (nach der NS-Zeit mit der Reichsmark) eingeführt.
Die vorletzte Schilling-Serie ab den 1980ern zeigte ausschließlich Männer. Ab 1997 gab die Oesterreichische Nationalbank die letzte Schilling-Serie aus, in der (nach der Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner und der Malerin Angelika Kauffmann Ende der 1960er) erst zum dritten Mal eine Frau abgebildet war: die Autorin Rosa Mayreder-Obermayer. Weitere Banknoten mit der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach und der Weltreisenden Ida Pfeiffer waren zwar geplant, fielen aber der Einführung des Euro zum Opfer.
Europas gemeinsame Währung kam am 1. Jänner 1999 als Buchgeld. Drei Jahre später, am 1. Jänner 2002 lösten dann in zwölf EU-Staaten (darunter auch Österreich) die neuen Euro-Banknoten und -Münzen die dortigen Währungen als Barzahlungsmittel ab. In Österreich betrug der Wechselkurs für 1 Euro exakt 13,7603 Schilling. Weil die Unsicherheit in der Bevölkerung in Bezug auf die Wertigkeit der neuen Währung (aus 100 Schilling wurden plötzlich rund 7 Euro) mitunter ausgenutzt wurde, um die Preise zu erhöhen, war bald die Rede vom „Teuro“.
Mittlerweile haben wir uns an die neue Gemeinschaftswährung gewöhnt, die auch die Reisefreiheit erhöht hat: Sie gilt nicht nur in den 21 Euroländern, sondern wird auch in den Kleinstaaten Andorra, Kosovo, Monaco, Montenegro, San Marino und Vatikan akzeptiert.
Quellen
- Abstimmung über die neuen Euro-Banknoten
- Der Weg zu den neuen Euro-Banknoten
- Alte Schilling-Banknoten
- Geschichte des Euro
- Geschichte des Schillings
Das Thema in der WZ
- 20 Jahre Euro – eine Währung für alle?
- 20 Jahre Euro – Erfolg in unruhigen Zeiten
- Europäer als Euro-Payer
- Der Vorteil des Euro-Währungsraumes
Das Thema in anderen Medien
- Der Standard: In diesen Nicht-EU-Ländern bezahlen die Menschen einfach mit Euro
- t3n: Neue Euro-Scheine: EZB lässt Bürger über Design abstimmen – bis September
- Kurier: Neue Euro-Scheine: Lesen Sie über Vogel-Motive und stimmen Sie ab
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