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Was kostet ein Kind?

3 Min
Eine Illustration zur Kolumne Ökonowie, mit einem Schnuller im Hintergrund.
Die Kinderarmut in Österreich hat sich verschärft.
© Illustration: WZ

Vor allem Familien und alleinerziehende Eltern kämpfen mit steigenden Kosten. Wer Kinder haben will, braucht ein höheres Einkommen, denn die sozialen Leistungen des Staates decken die Kinderkosten nicht ab.


Was kostet eigentlich ein Kind? Diese Frage wurde in Österreich bisher wenig ausführlich betrachtet. Die Statistik Austria veröffentlichte 2021 eine Kinderkostenstudie, die aktuellsten Daten davor stammten aus dem Jahr 1964. Laut der jüngsten Studie kostet ein Kind im Durchschnitt 500 Euro pro Monat.

Je älter, desto teurer

Im Detail ergeben sich allerdings starke Unterschiede je nach Alter und Anzahl der Kinder sowie Zwei-Eltern- oder Alleinerzieher:innen-Haushalte. Unter 14 Jahren liegen die Kosten in einem Haushalt mit zwei Erwachsenen bei 395 Euro im Monat, darüber bei 659. Bei Alleinerziehenden liegen diese Werte hingegen bei 727 und 1.384 Euro, über alle Altersgruppen hinweg bei rund 900 Euro. Diese große Differenz zwischen den Haushalten begründet die Statistik Austria damit, dass die Lebenshaltungskosten wie etwa Wohnen und Lebensmittel für jene, die sich diese Kosten nicht teilen können, höher sind.

Der Staat unterstützt die Familien mit diversen Sozialleistungen wie Kinderbeihilfe und Familienbonus Plus, diese decken aber nicht die gesamten Kosten ab. Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) errechnete, dass bei Zwei-Erwachsenen-Haushalten von den 494 Euro monatlich 328 Euro durch Familienleistungen abgedeckt werden. Bei einem Erwachsenen werden von den 900 Euro nur 321 Euro abgedeckt. Diese ungleiche Behandlung begründet das WIFO vor allem damit, dass Haushalte mit geringem Einkommen weniger vom Familienbonus Plus profitieren als höhere Einkommensgruppen.

Steigende Kosten führen zu Armutsgefährdung

Zwei Erwachsene mit einem Kind müssen laut Statistik Austria elf Prozent mehr Haushaltseinkommen einbringen, um das gleiche Wohlstandsniveau wie ein Paar ohne Kinder zu erreichen. Bei einem Erwachsenen sind es sogar 43 Prozent. Hält diese Entwicklung junge Menschen davon ab, Familien zu gründen? Dafür gebe es keinen wissenschaftlichen Beweis, sagt Sophie Achleitner, Ökonomin beim gewerkschaftsnahen Momentum Institut: „Frauen bekommen in Krisenzeiten tendenziell weniger Kinder, aber das wird danach nachgeholt.“ Die finanzielle Belastung für Familien hat laut der Volkswirtin aber durchaus Folgen: „30 Prozent der Familien mit drei Kindern sind armutsgefährdet.“ Die Situation habe sich besonders in den vergangenen zwei Jahren zugespitzt, weil die Erhöhung der Sozialleistungen nicht den Wertverlust durch die Teuerung abdeckt. „Die Kinderarmut hat sich verschärft und ist eine der sozialen Krisenfolgen”, verweist Achleitner auf eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien.

International gesehen stehe Österreich bei den Kinderkosten durchaus nicht schlecht da: „Der Sozialstaat schafft es gut, aus der Armut zu helfen. Aber die Sozialleistungen sind immer noch nicht armutsfest.“ Das zeigt auch eine Studie der OECD, die kürzlich veröffentlicht wurde: Demnach ist die soziale Lage von Kindern in Österreich im OECD-Vergleich stabil, dennoch: Die Kinderarmut kostet den Staat jährlich 17,2 Milliarden Euro. Diese Folgekosten entstehen etwa durch Arbeitslosigkeit und schlechterer Gesundheit aufgrund von Armut.

Kinder als Privileg?

Ökonomin Achleitner verweist darauf, dass es nicht nur eine Anpassung der Sozialleistungen brauche: „Wir haben noch immer keinen Umsetzungsplan für die Europäische Garantie für Kinder.“ Mit dieser 2021 beschlossenen Maßnahme will die Europäische Union die Chancengleichheit von Kindern fördern. Kann man sich Kinder heute noch leisten? „Das ist eine sehr individuelle Frage. Aber es darf kein Privileg der Wohlhabenden sein, wie viele Kinder man hat.“


Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.