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OpenClaw ist tot, lange lebe OpenClaw

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Der Gründer geht zu OpenAI, doch der KI-Agent OpenClaw wird andernorts weiterentwickelt. Verpasst Europa einmal mehr eine Chance?


    • OpenClaw wird von Nvidia-CEO Jensen Huang als "nächstes ChatGPT" bezeichnet und soll das Betriebssystem für persönliche KI werden.
    • Trotz des Weggangs von Peter Steinberger entwickelt sich OpenClaw weiter, insbesondere durch Engagement von Nvidia und chinesischen Technologiekonzernen.
    • In Europa gibt es bisher kaum vergleichbare Anwendungen, und die Stiftung zur Weiterentwicklung von OpenClaw befindet sich noch in der Findungsphase.
    • OpenClaw wurde Anfang 2024 veröffentlicht und von dem Österreicher Peter Steinberger gegründet.
    • Nvidia veröffentlichte "NemoClaw" als neues Tool auf OpenClaw-Basis.
    • OpenClaw wird in China bereits stärker genutzt als in den USA.
    • Baidu, Tencent und Alibaba bieten eigene OpenClaw-Produkte an.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Es ist definitiv das nächste ChatGPT“”, so spricht Nvidia-CEO Jensen Huang über OpenClaw. Die öffentliche KI-Software, die Anfang des Jahres rasch Bekanntheit erlangte, soll unendliches Potenzial haben: „Jeder Tischler kann zum Architekten werden“, so Huang weiter. Ähnlich wie Mac und Windows die Betriebssysteme des Personal Computers sind, soll OpenClaw das Betriebssystem für persönliche KI werden. Aber nicht nur der Chiphersteller Nvidia aus den USA setzt auf diese Technologie, sondern auch chinesische Konzerne.

Nvidia baut auf OpenClaw-Plattform

Dabei hat der österreichische Gründer Peter Steinberger nur wenige Monate nach der Veröffentlichung von OpenClaw ein Jobangebot von OpenAI angenommen. Der Entwickler erklärte, dass das Projekt in einer Stiftung weiterentwickelt werden solle. Der Abgang Steinbergers hat das Interesse an der Software, die komplexe Aufgaben eigenständig umsetzen soll, offenbar nicht eingebremst, ebenso wenig wie die technische Barriere. Denn während Anwendungen wie ChatGPT ohne große Vorkenntnisse benutzt werden können, muss OpenClaw auf einem Rechner installiert werden, was mehr Know-how erfordert. Erst dann können eigene KI-Agenten betrieben werden.

Nvidia hat deshalb vergangene Woche mit „NemoClaw“ ein neues Tool veröffentlicht, das auf der Open-Source-Plattform OpenClaw aufbaut, aber mehr Sicherheit und Schutz bieten soll. Damit könnte man beispielsweise die KI-gestützte Software-Entwicklung in Bereichen mit strengen Datenschutzanforderungen, wie dem Unternehmensumfeld, einsetzen.


Chinesische Konzerne mit OpenClaw-Agenten

Zudem entwickelt sich OpenClaw im Konflikt zwischen den USA und China zur neutralen Spielwiese. Während der Technologietransfer zwischen den beiden Wirtschaftsmächten stark reguliert wird – etwa bei Chip-Exporten von Nvidia –, sind chinesische Technologiekonzerne von OpenClaw ebenso angetan wie OpenAI oder Nvidia. Analysen zufolge wird die Plattform in China bereits stärker genutzt als in den USA. Ein weiterer Indikator für diesen Trend ist die steigende Nachfrage nach gebrauchten MacBooks in China, da Nutzer:innen OpenClaw aus Sicherheitsgründen nicht auf ihrem Hauptrechner installieren wollen.

Wie Nvidia haben auch chinesische Unternehmen bereits eigene OpenClaw-Produkte veröffentlicht: So bietet der Suchmaschinenbetreiber Baidu etwa Agenten an, die Videos bearbeiten, Kaffee bestellen oder Recherchen durchführen. Tencent wiederum integriert OpenClaw in den Messenger-Dienst WeChat. Die Steuerung des persönlichen KI-Agenten über einen Messenger war übrigens auch die ursprüngliche Idee des Gründers Steinberger. Ähnlich wie Nvidia hat Alibaba eine Lösung entwickelt, die es ermöglicht, OpenClaw einfach auf dem eigenen Gerät zu betreiben, ohne die komplette Installation durchführen zu müssen.

Noch kein Hype in Europa

Als Peter Steinberger sich entschloss, einen Job in den USA anzunehmen und seine Erfindung nicht in Europa weiterzuentwickeln, war die Aufregung in Österreich groß. Hat man einmal mehr die Chance verpasst, Talente im eigenen Land zu fördern? Davon ist einen Monat später jedoch wenig zu hören und zu sehen. Ein ähnliches Anwendungsbeispiel wie die Produkte der Technologiekonzerne aus China und den USA lässt in Europa nämlich noch auf sich warten.

OpenClaw lebt auch ohne seinen Gründer weiter, die dafür vorgesehene Stiftung dürfte noch in der Findungsphase sein. Auf der dafür vorgesehenen Website sind jedenfalls noch keine Informationen zu finden. Damit die Software wirklich unabhängig und frei zugänglich bleibt, wie von Steinberger vorgesehen, braucht es jedenfalls eine starke Organisation im Hintergrund. So könnte OpenClaw auch die in Europa offenbar noch vorherrschende Scheu und Sicherheitsbedenken abbauen.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnet das vom Österreicher Peter Steinberger entwickelte KI-Tool OpenClaw als das nächste ChatGPT.
  • Neben Nvidia haben vor allem chinesische Technologieunternehmen mit OpenClaw neue Produkte entwickelt.
  • OpenClaw soll künftig als Stiftung organisiert werden und weiter frei zugänglich bleiben.

Quellen

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