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Der Startup-Gründer Peter Steinberger erhält für sein Spaßprojekt die Aufmerksamkeit von Investor:innen, aber auch von Sicherheitsexpert:innen.
„Du bist eine Legende. Ich bin dankbar für alles, was du mit OpenClaw geschaffen hast, und für die positive Energie, die dadurch in der Welt entstanden ist.“ Diese Worte richtet Dave Morin, einer der ersten Facebook-Mitarbeiter und einer der bestvernetzten Investoren im Silicon Valley, an Peter Steinberger. Der österreichische Entwickler sorgt mit seinem KI-Tool seit Beginn des Jahres für Aufregung in der Tech-Szene. Doch was steckt hinter dem Hype um OpenClaw?
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Über WhatsApp KI-Agenten steuern
„Die KI, die tatsächlich Dinge erledigt“, so lautet der Slogan von OpenClaw. Es handelt sich dabei um sogenannte Agentic AI: KI-Agenten nutzen unterschiedliche Tools und Modelle, um eigenständig Aufgaben zu erfüllen. Diese Methode haben Chatbots wie ChatGPT bereits integriert, zudem gibt es Tools wie Zapier und N8n, die verschiedene Plattformen vereinen und Workflows daraus bauen. Was OpenClaw von diesen Beispielen unterscheidet, ist, dass es als unabhängiges Projekt Ende des vergangenen Jahres entstand und die Entwickler:innen-Community innerhalb weniger Wochen darauf aufsprang. Das Tool lässt sich über Messenger wie Telegram oder Whatsapp steuern. Der OpenClaw-Gründer nutzt die Anwendung etwa, um Geräte zu steuern oder sein Essen zu tracken und seinen Ernährungsplan entsprechend anzupassen.
Steinberger ist in der Tech-Szene kein Unbekannter: 2013 gründete er mit PSPDFKit ein Startup, das Softwarelösungen zur Dokumentenverarbeitung anbietet. Das Unternehmen bekam 2021 ein Investment in Höhe von 100 Millionen Euro, der Gründer zog sich daraufhin aus dem operativen Geschäft zurück. Als Spaßprojekt begann er, sich mit KI-Agenten zu beschäftigen. Daraus entstand Clawdbot, das wenige Wochen später aufgrund der namentlichen Nähe zu OpenAIs KI-Tool Claude zuerst in Moltbot und später in OpenClaw umbenannt wurde.
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OpenClaw verfolgt Non-Profit-Strategie
Anders als bei großen Anbietern wie OpenAI wird OpenClaw als Open-Source-Software nicht auf externen Servern betrieben, sondern muss auf dem eigenen Rechner installiert werden. Das erfordert technische Kenntnisse, weshalb OpenClaw zumindest zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht so massentauglich ist wie etwa ChatGPT. In einem Interview mit dem TBPN-Podcast Ende Jänner erklärte der Gründer, dass das Tool kostenlos und frei zugänglich bleiben soll. Ähnlich wie OpenAI bei der Gründung im Jahr 2015 könnte OpenClaw eine nicht profitorientierte Organisation werden. Damit erteilt Steinberger Investoren wie Dave Morin erst einmal indirekt eine Absage.
Wie viele Nutzer:innen OpenClaw bereits hat, ist nicht bekannt. Die OpenClaw-Gruppe auf der Diskussionsplattform Discord hat aktuell mehr als 12.000 Mitglieder. Auf der Entwickler-Plattform Github hat das Tool mehr als 178.000 Stars, die vergleichbar mit Likes oder Bookmarks sind. Für das erste Community-Event „ClawCon“ Anfang Februar in San Francisco waren mehr als 1.000 Teilnehmer:innen angemeldet. Viele von ihnen möchten ihre eigenen Apps für OpenClaw entwickeln.
Gründer warnt vor Sicherheitsrisiken
Der Community- und Spaßfaktor birgt aber auch Risiken, wie Steinberger selbst betont. Er habe bei der Entwicklung auf Vertrauen, aber nicht auf Sicherheit geachtet, grundlegende Probleme müssten erst gelöst werden. Das könnte auch der Grund sein, warum die großen KI-Unternehmen bisher kein ähnliches Tool wie OpenClaw veröffentlicht haben. Mittlerweile hat sich Steinberger Unterstützung von Googles Sicherheitstool Virustotal geholt.
Auch wenn OpenClaw noch nicht für den Massenmarkt bereit ist, zeigt es die Entwicklung der künstlichen Intelligenz von einfachen Chatbots hin zu Agenten, die komplexe Aufgaben ohne manuelle Unterstützung erledigen können. Die Konsequenz daraus: „Viele Apps werden einfach verschwinden“, prognostiziert Steinberger, „dieses Jahr ist das Jahr der persönlichen Assistenten.“
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Der Österreicher Peter Steinberger begann im November 2025 mit der Entwicklung eines KI-Agenten, der sich über Messenger steuern lässt.
- Innerhalb weniger Wochen etablierte sich das Tool, das damals noch Clawdbot hieß, in der Entwickler:innen-Community.
- Aus rechtlichen Gründen wurde das Projekt zuerst in Moltbot und schließlich in OpenClaw umbenannt.
- Steinberger will OpenClaw als Stiftung oder Non-Profit-Organisation aufbauen, die Anwendung soll kostenlos nutzbar sein.
Quellen
- openclaws.io: OpenClaw
- github.com: OpenClaw auf Github
- discord.com: OpenClaw auf Discord
- luma.com: ClawCon San Francisco
- Brutkasten: Wiener Startup PSPDFkit holt erstes Investment
- Youtube: TBPN: Clawdbot’s Peter Steinberger Makes First Public Appearance Since Launch
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