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PinkPantheress: Die erste Frau aller Zeiten

4 Min
Der Aufstieg von PinkPantheress zeigt, dass das Internet nicht nur erweitert hat, wer Content produzieren kann, sondern auch, wer Musik produzieren kann.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser

PinkPantheress ist Sängerin, Performerin und Producerin – und stellt uns vor eine große Frage: Warum zur Hölle gibt es eigentlich so wenige nicht-männliche Produzent:innen?


    • Victoria Beverley Walker alias PinkPantheress gewann als erste Frau und jüngste Person den BRIT Award als „Best Producer“.
    • Frauen sind in der Musikproduktion weiterhin stark unterrepräsentiert, nur 5,9 Prozent der Production Credits 2024 stammen von Frauen.
    • PinkPantheress’ Erfolg zeigt, dass Musikproduktion heute auch ohne teures Equipment und männliche Kontakte möglich ist.
    • PinkPantheress gewann als erste Frau und jüngste Person den BRIT Award „Best Producer“.
    • Nur 5,9 % der Production Credits in den Billboard Hot 100 2024 stammen von Frauen.
    • PinkPantheress heißt bürgerlich Victoria Beverley Walker.
    • Ihr Remix mit Zara Larsson erreichte Platz 1 der Billboard Global 200 Charts.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„PinkPantheress makes history as the first woman and youngest person ever“: Ja, ihr habt richtig gelesen, und nein, ihr müsst euch keine Sorgen machen, dass ihr hier versehentlich in der Brainrot-Ecke des Internets gelandet seid. Das eingangs zitierte Meme ist zwar Blödsinn, weil PinkPantheress wohl eher nicht die erste Frau und jüngste Person ist, die es je gab. Aber wie heißt es so schön: Jedem Meme wohnt ein Fünkchen Wahrheit inne.

Denn: Besagtes Nonsens-Zitat begann zu kursieren, nachdem PinkPantheress, die bürgerlich Victoria Beverley Walker heißt, als erste Frau und jüngste Person den BRIT Award in der Kategorie „Best Producer“ gewann und somit Geschichte schrieb. Vor ihr war nur Kate Bush überhaupt nominiert für die Auszeichnung.

Ein MacBook und ein Traum

Auf Social Media spricht PinkPantheress immer wieder darüber, wie ihre Musik entsteht und wie ihre Anfänge aussahen. Ihren Hit „Tonight“ kreierte sie zum Beispiel erstmal auf ihrem MacBook mit stinknormalen Programmen wie GarageBand oder Logic. Am liebsten machte sie all das in ihren eigenen vier Wänden, dort experimentierte sie herum und stellte sich die Frage, wohin diese durchaus begrenzten Möglichkeiten sie bringen würden.

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Die Antwort kennen wir jetzt: Sie brachten sie sehr weit. Neben dem BRIT gab es für Pink, wie sie sich abgekürzt nennt, Grammy-Nominierungen und erst kürzlich einen Nummer-Eins-Hit in den Billboard Global 200 Charts. Ihr „Stateside“-Remix mit Zara Larsson katapultierte sie endgültig auf den Radar derer, die die Veröffentlichung ihres Mixtapes „Fancy That“ verpasst hatten. Auf dem Coachella-Festival legte sie einen der spannendsten Auftritte hin und zeigte, dass sie nicht nur hinter dem Bildschirm genial ist, sondern auch eine begnadete Performerin. Und bitte, welcher Producer kann das schon von sich behaupten?

Wo sind die Frauen?

Dass PinkPantheress’ bloße Existenz als Producerin immer wieder für Begeisterung und offene Münder sorgt, ist auch ein bisschen traurig. Immerhin prägen Produzent:innen Sound und Trends, haben oft eine deutliche Handschrift. Denkt man an große Producer, schießen einem erstmal Taylor-Kollaborateur Jack Antonoff oder Koryphäe Mark Ronson in den Kopf. Wo aber sind die Frauen? In den Credits der 2024er Billboard Hot 100 Jahrescharts findet man jedenfalls nicht viele von ihnen. Nur 5,9 Prozent der Production Credits enthielten Frauen.

Sie sind aber zum Beispiel auf Addison Raes tollem Debütalbum, das sie mit Luka Kloser und Elvira Anderfjärd schrieb und produzierte. Die beiden hatten zuvor schon mit Ariana Grande und Tate McRae gearbeitet und halfen Addison, ihre Vision umzusetzen. „Ich glaube, die Atmosphäre in einem Raum voller Frauen war einfach ganz anders als das, was wir alle gewohnt sind. So etwas kommt nicht oft vor“, erzählt Addison gegenüber Billboard über die Arbeit mit den beiden Songwriterinnen und Produzentinnen. Die gemeinsame Arbeit sei „magisch“ gewesen, sagt sie. Das ist nicht immer so, wie Kloser erzählt: Sie habe bei anderen Projekten jedes Mal erneut das Gefühl, sie müsse beweisen, dass sie wirklich produzieren könne. Niemand stelle hingegen infrage, ob ein Mann wirklich ein Producer sei, der seinen Job beherrsche.

Das tolle Gefühl, jemanden gewinnen zu sehen

Der Aufstieg von PinkPantheress zeigt, dass das Internet nicht nur erweitert hat, wer Content produzieren kann, sondern auch, wer Musik produzieren kann. Es ist heute viel einfacher, mit seinem Uni-Laptop Musik zu produzieren, man braucht erstmal kein teures Equipment, und – folgt man dem Beispiel von Pink – auch erstmal keine wichtigen Männer-Kontakte, die sich erbarmen und einen wahrnehmen.

Musikerin Clairo, die ihre Songs auch selbst produziert, sagt in einem Gespräch im Interview Magazine zu PinkPantheress: „Wir erschaffen die Songs von Grund auf. Deshalb ist es so inspirierend, dich diesen Preis gewinnen zu sehen. So viele Mädchen haben das schon so lange in ihren Zimmern gemacht, und es ist ein tolles Gefühl, jemanden gewinnen zu sehen.“

Die freie Journalistin, Autorin und Popkultur-Expertin Verena Bogner schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne für die WZ.


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