)
Der Bieterstreit um Warner Bros. Discovery macht deutlich, wie stark der Einfluss der Tech-Branche und der Politik in der Unterhaltungsbranche ist.
Friends, Games of Thrones und Harry Potter: Einige der bekanntesten TV- und Filmproduktionen gehören zum Entertainment-Konzern Warner Bros. Bald könnten sie jemand anderem gehören, denn um das Hollywood-Studio ist ein Machtkampf ausgebrochen.
- Für dich interessant: Wenn dein Idol in den Epstein-Files auftaucht
Warner Bros. steht zum Verkauf
Die US-amerikanische Unterhaltungs- und Filmbranche befindet sich seit einigen Jahren in einer Konsolidierungsphase. So übernahm Amazon im Jahr 2022 das Filmstudio MGM für 8,5 Milliarden US-Dollar. Vor wenigen Jahr fusionierte Paramount Pictures mit dem Kinobetreiber National Amusements und der Filmproduktion Skydance zu Paramount Skydance. Finanziert wurde diese Fusion durch Larry Ellison, Gründer des Software-Konzerns Oracle. Dieser spielt auch im jüngsten Deal in der Branche eine tragende Rolle. Es kriselt in Hollywood, während die Tech-Branche genug Cash hat, um ihr Unterhaltungsangebot zu erweitern und deshalb die wichtigen Player am Markt kauft.
Denn mit Warner Bros. Discovery ist das nächste Filmstudio auf der Suche nach einem Käufer. Neben Paramount Skydance soll auch Apple an einer Übernahme interessiert gewesen sein, um sein Streaming-Angebot zu erweitern. Anfang Dezember verkündete Netflix dann, sich mit Warner Bros. auf eine Übernahme zu einem Wert von 82,7 Milliarden US-Dollar geeinigt zu haben. Nicht inkludiert sind die TV-Sender des Konzerns, sondern nur das Studio- und Streaming-Geschäft inklusive HBO Max. „Diese Übernahme wird die Studio-Kapazitäten von Netflix erweitern, sodass das Unternehmen seine Produktionskapazitäten in den USA erheblich ausbauen und langfristig weiter in Originalinhalte investieren kann, was Arbeitsplätze schaffen und die Unterhaltungsindustrie stärken wird“, argumentieren die beiden Partner in einer Aussendung.
Paramount will Netflix überbieten
Diese Übernahme wäre nicht nur die bisher größte für Netflix, sondern auch ein Fall für die Kartellbehörden – sowohl in den USA als auch in Europa. US-Präsident Donald Trump äußerte sich skeptisch, die Übernahme könnte aufgrund des Marktanteils ein Problem werden. Kurz darauf wurden die Karten neu gemischt. Denn drei Tage nach Netflix machte Paramount Skydance ein sogenanntes feindliches Übernahmeangebot. Dabei handelt es sich um ein Angebot gegen den Willen des Vorstands und des Aufsichtsrats, die das Angebot von Netflix offenbar akzeptiert haben.
Paramount bietet mit 108 Milliarden US-Dollar mehr als der andere Interessent und will damit auch die TV-Sender von Warner Bros. übernehmen. Paramount argumentiert in einer Aussendung, mit der Übernahme einen „bedeutenden Konkurrenten zum etablierten Marktführer Netflix und den Branchenriesen Amazon und Disney“ zu schaffen.
Lust auf gute Nachrichten? Du findest sie hier:
)
Na gut
Der Newsletter mit den guten Nachrichten: Kleine Geschichten über Fortschritte und Erfolg.
Der Schritt von Paramount bringt die Warner-Übernahme auf eine politische Ebene. Denn Larry Ellison gilt als Vertrauter Trumps, und auch die Familie des Präsidenten ist involviert. Sein Schwager Jared Kushner beteiligt sich mit seiner Investmentfirma Affinity Partners an dem Angebot. Wenn die Übernahme von Paramount durchgeht – was auch vom grünen Licht der Trump-Regierung abhängt –, gehört der Trump-Familie also ein Teil des Medienkonzerns. Damit hätte die Politik nicht nur Einfluss auf das Unterhaltungsangebot, sondern auch auf das journalistische Angebot von Warner Bros., etwa beim TV-Sender CNN.
Entscheidung in den nächsten Wochen
Wie geht es nun weiter? Das Angebot von Paramount gilt vorerst 20 Werktage, der Interessent könnte es noch einmal verlängern. Warner Bros. Discovery hat zehn Tage Zeit, darauf zu reagieren. Weder Netflix noch Warner haben sich bisher zum Übernahmeangebot von Paramount geäußert. Nehmen die Aktionär:innen die feindliche Übernahme an, so hat Netflix Anspruch auf eine Aufhebungsgebühr in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar.
Der Machtkampf um einen Unterhaltungskonzern macht deutlich, wie sehr sich die Branche in den vergangenen zehn Jahren gewandelt hat. Streaming-Dienste haben das Verhalten der Konsument:innen nachhaltig verändert. Mit ausbleibenden Einnahmen durch die Kinos steigt der wirtschaftliche Druck. Tech-Konzerne wie Amazon, Apple und Netflix haben sich damit ein weiteres Geschäftsfeld angeeignet und somit noch mehr Einfluss in Wirtschaft und Politik gewonnen – und umgekehrt.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.
Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Netflix kündigte am 5. Dezember 2025 die Übernahme des Hollywood- und Streaming-Geschäfts von Warner Bros. Discovery für rund 82,7 Milliarden US-Dollar an.
- Am 8. Dezember machte Paramount Skydance ein feindliches Übernahmeangebot, für 108 Milliarden Dollar würde der Konzern alle Geschäfte von Warner Bros. übernehmen.
- Die Geldgeber hinter dem Paramount-Angebot haben Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump.
- Egal welches Angebot angenommen wird, der Deal wird die Kartellbehörden in den USA und Europa beschäftigen.
Quellen
- Netflix: Netflix to Acquire Warner Bros.
- Paramount: Paramount Launches All-Cash Tender Offer to Acquire Warner Bros. Discovery
- AP News: Netflix deal to buy Warner Bros. ‘could be a problem’ because of size of market share, Trump says
- Axios: Jared Kushner is part of Paramount’s hostile bid for Warner Bros. Discovery



)
)
)
)