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Religionen schüren den Nahostkonflikt 

Genese 

In den sozialen Medien wird verstärkt ein Zusammenhang von Religion und Nahostkonflikt konstruiert. Dabei werden die Begriffe religiös aufgeladen („das Heilige Land“ als Synonym für den Staat Israel), mit dem Ergebnis, dass in den Köpfen von Zuschauer:innen und/oder Zuhörer:innen der Eindruck entstehen kann, es handle sich um einen Konflikt zwischen Judentum und Islam. Edwin Baumgartner versucht in seiner Analyse zu differenzieren, was der tatsächliche Konflikt ist und welche Rolle dabei die Religionen spielen.

Daten und Fakten 

  • Charedim (auch Haredim und charedische/haredische Juden) sind Anhänger eines orthodoxen Judentums. Der Begriff bedeutet im Deutschen „Gottesfürchtiger“, „vor Gott Zitternder“, abgeleitet von charada/harada für Furcht. Rund die Hälfte der charedischen jüdischen Männer geht keiner geregelten Arbeit nach, sondern widmet sich ausschließlich dem Studium religiöser Schriften, speziell des Tanach und des Talmud. Sie sind vom Wehrdienst befreit. Charedim fordern einen Staat, der auf den alttestamentarischen Gesetzen beruht; ein großer Teil der Charedim lehnt obendrein den Staat Israel als politisches Gebilde ab, da nach biblischer Auffassung allein der in Zukunft zu erwartende Messias (das bedeutet: der Gesalbte) die Juden in einem Staat vereinen kann. 

  • Ultraorthodoxe Juden (Haredim = Gottesfürchtige) sind der am schnellsten wachsende Bevölkerungsteil der jüdischen Israelis. Laut einer aktuellen Statistik haben sie sechs bis sieben Kinder; durchschnittliche Israelis ein bis zwei. 2060 werden die Haredim etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Vergleiche dazu: „The Times of Israel“: Haredim are fastest-growing population, will be 16% of Israelis by decade’s end 

  • Der Tanach ist die jüdische Bibel. Er besteht aus der Tora (das sind die fünf Bücher Mose) sowie den prophetischen Schriften und den poetischen Schriften (entspricht etwa den Psalmen). Im Prinzip entspricht der Tanach dem Alten Testament der christlichen Bibel. 

  • Der Talmud, bestehend aus der älteren Mischna und der jüngeren Gemara, ist eine Sammlung von Auslegungen des Tanach und zeigt, wie dessen Gesetze im Alltag anzuwenden sind.

  • Der Begriff „treif” (auch „trefe”) bedeutet „unrein” gemäß der Kaschrut, wie die Sammlung der jüdischen Speisegesetze heißt. Gegessen werden darf nur, was im Einklang mit den Speisegesetzen „koscher” (das bedeutet „rein”) ist. Unter „treif” fällt beispielsweise der Genuss von Schweinefleisch oder Fischen ohne Schuppen (z. B. Aal) oder Blut (etwa Blutwurst); ebenso darf kein Fleisch eines von Raubtieren erlegten Tiers gegessen werden. 

  • Elasar Menachem Man Schach (1898-2001) war ein talmudischer Gelehrter und gilt ultraorthodoxen Juden bis in die Gegenwart als wegweisender Rabbi in Israel. 1940 wanderte der gebürtige Litauer mit seiner Familie in Israel ein. Schach war 1988 maßgeblich an der Gründung der Degel-haTora-Partei beteiligt. Er verachtete säkulare Israelis und bezeichnete die Demokratie als „Krebsgeschwür“. Allerdings bezog er gegen den israelischen Siedlungsbau im Westjordanland Stellung: Er meinte, dieser sei eine Provokation der internationalen Gemeinschaft.

  • Eretz Israel bedeutet Großisrael, ein Staat, der deckungsgleich mit dem „verheißenen Land“ des Alten Testaments der Bibel ist. Eretz Israel bedeutet ein ungeteiltes Israel mit Souveränität über das gesamte Gebiet zwischen Mittelmeer und dem Fluss Jordan, je nach Interpretation der Bibel zusätzlich mit Ausdehnung auf Gebiete in Jordanien, des Libanon, Syriens und Ägyptens. 

  • Dschihad ist ein Konzept des Islam. Das Wort bedeutet „Anstrengung“ und „Kampf“. Schiitische Theologen unterscheiden zwischen einem größeren Dschihad, der als Kampf gegen eigene Unvollkommenheiten zu verstehen ist, und einem kleineren Dschihad, der als kriegerische Kampfhandlung zu verstehen ist. Die meisten islamischen Theologen begreifen den Dschihad indessen als militärischen Begriff, wobei freilich zwischen einem aggressiven Kampf gegen Nicht-Muslime und einer Verteidigung gegen Nicht-Muslime unterschieden werden kann. 

  • PLO (abgekürzt für Palestine Liberation Organization, deutsch: Palästinensische Befreiungsorganisation) ist eine Dachorganisation verschiedener Fraktionen von Vertretungen aller Palästinenser:innen, auch derer im Exil. Die weitaus stärkste Fraktion ist die Fatah, deren Oberhaupt Mahmoud Abbas seit 11. November 2004 ist. Die „Palästinensische Nationalcharta“ der PLO sieht, wie die Gründungscharta der Hamas, eine Zerstörung Israels vor. Diese Passagen hat der ehemalige PLO-Führer Jassir Arafat (1929-2004) in Briefen an den ehemaligen israelischen Präsidenten Jitzchak Rabin (1922-1995) und den ehemaligen Präsidenten der USA, Bill Clinton, zurückgenommen. Der Zentralrat der PLO bestätigte die Briefe. Allerdings wurde der Wortlaut der Charta nicht verändert. Die PLO bzw. die Fatah scheint dessen ungeachtet eine politische Lösung des Nahost-Konflikts anzustreben, bei der die Frage der Religion, wenn überhaupt, eine untergeordnete Rolle spielt.

Quellen 

Das Thema in der WZ 

Das Thema in anderen Medien