Zum Hauptinhalt springen

Wirtschaft am Limit: Können Start-ups liefern?

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Die Regierung will im Rahmen ihres neuen Konjunkturpaketes mehr Geld für Start-ups und wachsende Jungunternehmen mobilisieren. Dadurch sollen mehr Arbeitsplätze geschaffen und die Wirtschaft wieder angekurbelt werden.


    • Die österreichische Regierung plant einen Standortfonds, um Start-ups und Scale-ups mit privatem Kapital und steuerlichen Anreizen zu fördern.
    • Elisabeth Zehetner sieht den Dachfonds als Lösung für das Finanzierungsproblem und zur Verhinderung der Abwanderung von Gründer:innen.
    • Trotz Investitionsbereitschaft leiden Start-ups unter der Wirtschaftskrise, Insolvenzen und fehlenden Exit-Optionen für Investor:innen.
    • Inflation in Österreich weiterhin hoch, Arbeitslosigkeit im 2. Quartal gestiegen
    • 2024: 225 Mio. Euro sollen in Start-ups investiert werden
    • Magic, ein KI-Startup, sammelte 320 Mio. US-Dollar in den USA ein
    • Scale-up-Fonds mit Wunschsumme von 500 Mio. Euro geplant
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Um Österreichs Wirtschaft steht es bekanntlich nicht gut: Die Inflation ist immer noch hoch, die Arbeitslosigkeit ist im zweiten Quartal spürbar angestiegen und die Wirtschaftsleistung geht weiterhin zurück. Die Regierung hat sich Anfang September deshalb auf ein Konjunkturpaket geeinigt. Die Maßnahmen greifen manchen zu weit und manchen nicht weit genug, aber eine Randnotiz daraus stimmt zumindest eine Branche positiv: Start-ups. Denn Teil des Pakets ist ein sogenannter Standortfonds, der heimische Start-ups und Jungunternehmen in Wachstumsphasen (Scale-up) fördern soll – und damit auch die Wirtschaft ankurbeln.

Pensionskassen als Start-up-Investor:innen

Die Idee eines staatlich initiierten Dachfonds wird seit Jahren in der Politik diskutiert und von heimischen Investor:innen unterstützt. Das vorgesehene Modell wird als „Fund-of-Funds“ bezeichnet. Es handelt sich dabei nicht um einen staatlichen Fördertopf wie die Forschungsförderungsgesellschaft oder das Austria Wirtschaftsservice, die beide öffentliche Gelder für Unternehmen bereitstellen.

Der Dachfonds für Start-ups und Scale-ups soll vielmehr privates Kapital mobilisieren, indem beispielsweise steuerliche Anreize für Investor:innen geschaffen werden. Auch Pensionskassen und Versicherungen sollen zu Beteiligungen an Start-ups bewegt werden. Elisabeth Zehetner, die für Start-ups verantwortliche Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, will damit die Abwanderung von Gründer:innen verhindern und die Wertschöpfung in Österreich fördern.

Risikokapital vorhanden

Geld für innovative Geschäftsideen ist in diesem Land offenbar verfügbar: Laut dem aktuellen Austrian Investing Reports der Interessensvertretung invest.austria wollen heimische Investor:innen dieses Jahr 225 Millionen Euro in Start-ups investieren. Zehetner rechnet mit 206.000 Arbeitsplätzen, die von Start-ups und Scale-ups geschaffen werden könnten. Niki Futter, Präsident von invest.austria, erklärt das Problem der Geldgeber:innen: „Nur wenn Kapital rückgeführt werden kann, bleibt der Investitionszyklus in Bewegung. In den letzten zwei Jahren aber hat sich die Zahl attraktiver Exit-Optionen merklich verringert. Die Folge: weniger Neuinvestments, mehr Vorsicht, längere Bewertungszyklen.“

Damit sich Start-up-Investments bezahlt machen, müssen die Unternehmen entweder profitabel werden, an größere Unternehmen verkauft werden oder an die Börse gehen. Für dieses Wachstum wird in Österreich laut den Expert:innen noch zu wenig Kapital mobilisiert. Sowohl Staatssekretärin Zehetner als auch die Branchenvertretung sehen den Dachfonds als Lösung für dieses Finanzierungsproblem.

Auch bei Start-ups kriselt es

Der Dachfonds, den die Regierung als „Scale-up-Fonds“ bezeichnet, ist nur ein Teilbereich eines Standortfonds, der noch andere Investitionsmaßnahmen bringen soll. Wie diese Finanzierungsinstrumente im Detail aussehen werden, ist noch unklar. Zehetner spricht in einem Brutkasten-Interview von einer Wunschsumme in Höhe von einer halben Milliarde Euro. Wie viel davon staatliches Geld sein wird, kann sie noch nicht sagen. Die Basis für die konkrete Ausarbeitung soll eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria sein, die in Kürze veröffentlicht werden soll.

Auch wenn es so klingt, als seien die Start-ups die neuen Hoffnungsträger der Wirtschaft: Sie sind von der Wirtschaftskrise nicht verschont geblieben und von der Insolvenzwelle betroffen. Eine der bekanntesten Pleiten war im ersten Halbjahr Markta, ein digitaler und physischer Marktplatz für nachhaltige Lebensmittel. Ein nennenswertes Beispiel für die Abwanderung von Innovation ist Magic. Dieses KI-Startup wurde von zwei Österreichern gegründet, für die Finanzierung ihrer Technologie zogen sie nach San Francisco und sammelten 320 Millionen US-Dollar von US-Investor:innen ein. Im Sommer 2024 war das Unternehmen bereits 1,5 Milliarden Dollar wert.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • 79 Prozent der österreichischen Start-ups wollen dieses Jahr laut dem Austrian Startup Monitor Arbeitsplätze aufbauen.
  • Österreichische Investor:innen wollen ihre Finanzierungssummen dieses Jahr um rund 10 Prozent erhöhen, sie erhoffen sich laut dem Austrian Investing Report 2024 Unterstützung durch einen Dachfonds.
  • Wie der von der Regierung beschlossene Dachfonds aussehen wird, soll nächstes Jahr finalisiert werden.

Quellen

Ähnliche Inhalte