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Satelliten zeigen: So sehr erhitzt sich deine Hauptstadt

7 Min
Bei Lufttemperaturen bis zu 40 Grad wird die Bodentemperatur schnell um weitere 10 Grad heißer.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser. Bildquelle: Adobe Stock.

Mit Temperaturen über 40 Grad wälzt sich gerade eine zweite Hitzewelle über Österreich. Asphaltflächen in der Innenstadt erhitzen sich dabei besonders stark. Satellitenbilder zeigen, an welchen Stellen die Landeshauptstädte besonders heiß werden.


    • Satellitenaufnahmen zeigen, dass sich in allen neun österreichischen Landeshauptstädten versiegelte Flächen wie Asphalt und Beton weit stärker aufheizen als die Umgebungsluft – teils um über 15 Grad.
    • Städte mit viel Industrie, Bahnhofsarealen und wenig Grünflächen (z. B. Linz, Salzburg, Innsbruck, St. Pölten) sind besonders betroffen, während Wälder, Flussufer und Parks messbar kühlend wirken.
    • Graz und Klagenfurt reagieren bereits mit Flugzeug-Thermalmessungen, um Hitzeinseln genauer zu kartieren und gezielte Kühlungsmaßnahmen zu planen.
    • In Salzburgs Altstadt wurde Ende Juni eine Bodentemperatur von fast 51 Grad gemessen – über 13 Grad mehr als die Lufttemperatur.
    • Bei der Voestalpine in Linz erreichte der Boden fast 49 Grad, bei einer Lufttemperatur von 32 Grad.
    • In Graz gibt es keinen einzigen Zählsprengel, der sich weniger erhitzt als die Umgebungsluft – die Stadt hat damit stadtweit ein Hitzeproblem.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Für Anfang August sagen die Wetterprognosen für Österreich erneut Temperaturen jenseits der 40 Grad Celsius an. Die Verschnaufpause der vergangenen Wochen dürfte damit endgültig vorbei sein. Gerade über den Osten des Landes wälzt sich gerade die Hitze.

Damit wird es besonders in den Städten erneut zur flächendeckenden Dauerhitze kommen. Denn Beton, Stein und Asphalt speichern die einfallenden Sonnenstrahlen besonders gut als Wärme. Sogenannte Hitzeinseln entstehen. Sie sind im Schnitt um zehn Grad wärmer als die Lufttemperaturen in ihrer Umgebung.

Für die Stadtplanung sind gerade diese Hitzeinseln besonders relevant. Denn sie geben einen Eindruck davon, wie stark sich die innerstädtische Hitze anfühlt – und wo sie sich besonders staut.

Messbar werden die Hitzeinseln beispielsweise durch Satelliten. Aus dem Weltraum tasten sie die Erdoberfläche mithilfe von Infrarotsensoren ab. Auch in Österreich zeigen ihre Aufnahmen, wie heiß es mancherorts wirklich wird. Die WZ hat die Satellitenbilder von Ende Juni dieses Jahres angeschaut und ausgewertet. Das Ergebnis ist eine umfangreiche Analyse der neun Landeshauptstädte – gegliedert in die jeweiligen Zählsprengel. Das ist das kleinste Gebiet in der österreichischen Statistik, für das vor allem Daten zur Wohnbevölkerung erfasst werden. Im gesamten Land gibt es fast 9.000 davon.

Wir beginnen mit der größten Stadt Österreichs: In Wien zeigt sich, dass sich die stark asphaltierten Flächen der Inneren Stadt und entlang des Gürtels stark erhitzen. Den stärksten Temperaturanstieg jedoch gibt es im Süden, wo sich die Industrie sammelt und auch der Wind abnimmt. Denn dieser ist maßgeblich dafür verantwortlich, die Hitze aus der Stadt zu tragen.

Relativ betrachtet bleibt es in Wien vor allem im Westen kühler, wo der Wienerwald die Temperaturen um rund 3 Grad senkt. Auch in den Baumalleen Döblings, im Villenviertel der Diplomaten, wird es weniger heiß. Entlang der Donau und auf der Insel bleibt es ebenfalls kühler. Stromabwärts Richtung Lobau war der Boden teilweise um 5 Grad kälter als die Umgebungsluft.

Ein richtiges Hitzeproblem hat Graz. In der steirischen Hauptstadt gibt es keinen einzigen Zählsprengel, das sich weniger erhitzt, als die Umgebungsluft. Die Stadt dürfte das Problem kennen und hat darauf bereits reagiert: An den letzten beiden Julitagen dieses Jahres umkreist ein Kleinflugzeug die Stadt, welches weitaus detailliertere Ergebnisse liefern soll. Seine Aufgabe ist es, die Hitzeinseln der Innenstadt ausfindig zu machen. Denn oft gibt es bereits bei wenigen Metern Abstand starke Temperaturunterschiede – beispielsweise zwischen Parkplätzen und Grünflächen.

„Im Flugzeug sind insgesamt drei Sensoren verbaut, Thermal-Infrarotkameras, die Thermalbilder aufnehmen, und eine RGB-Kamera, die RGB-Bilder anfertigt – also im Endeffekt ein Farbfoto“, erklärte Matthias Rosenkranz vom Stadtvermessungsamt im Gespräch mit ORF Steiermark. „Daraus kann man für die ganze Stadt eine Karte mit den Oberflächentemperaturen erstellen“, so Rosenkranz. Die Ergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet.

Linz ist neben seiner historischen Altstadt auch für seine Industrie bekannt. Im Südosten der Stadt ziert der Stahlkonzern Voestalpine seit 80 Jahren das Stadtbild. Dass es im Industriegebiet wenig Begrünung gibt, ist wenig überraschend. Dass die Bodentemperaturen dort um knapp 17 Grad heißer sind als die Luft, vielleicht schon eher.

Fast 49 Grad messen die Satellitendaten im Bereich der Voestalpine – bei einer Lufttemperatur von 32 Grad. Auch in der historischen Innenstadt stiegen die Bodentemperaturen auf unerträgliche 47 Grad Celsius.

Auch die Stadt Salzburg hat ein Problem mit der Kühlung. Wie die WZ-Auswertung der Satellitenbilder zeigt, kann sogar der namensgebende Fluss Salzach die Temperaturen innerhalb der Stadt nicht wirklich reduzieren. Fast 51 Grad heiß war die Bodentemperatur Ende Juni dieses Jahres in der Altstadt – das sind mehr als 13 Grad über der Temperatur der Umgebungsluft. Im Bahnhofsviertel stieg die Temperatur ebenfalls auf über 50 Grad. Kühler wird es erst, wenn man die Stadt Richtung Osten verlässt.

Ein richtiger Hitzekessel ist Innsbruck, die Landeshauptstadt von Tirol. Kaum sonst wo konnten derartige Unterschiede in der Boden- und Lufttemperatur festgestellt werden. Vor allem in der Innenstadt, in der Nähe des Bahnhofs, war der Boden um über 14 Grad höher als die Lufttemperatur.

Entlang des Inn, welcher die Stadt nördlich von der Nordkette trennt, erhitzt sich der Boden durchschnittlich etwas weniger – wenn auch nicht viel. Richtig kühl wird es kaum irgendwo. Erst in Richtung Berge wird die Temperatur langsam niedriger, rund um den Stadtkern jedoch nur um knapp 2 Grad.

In der südlichsten Hauptstadt Österreichs, in Klagenfurt, wurden Ende Juni in der Luft 35 Grad Celius gemessen. In der Innenstadt hingegen erreichte der Boden eine Temperatur von über 50 Grad. Gerade im Bereich der Messehallen wird es besonders heiß.

Ähnlich wie Graz reagierte Klagenfurt bereits 2024 auf die Hitzeinseln. Damals vermaß ein mit Thermalsensoren ausgestattetes Flugzeug im Auftrag von Klagenfurt die Hitzepole der Stadt. Zusätzlich fand ein Nachtflug statt, um zu untersuchen, in welchen Bereichen es zur Abkühlung kommt.

„Da wird man dann auch die Zusammenhänge eigentlich sehr gut sehen, wie Grünraum und Versiegelung sich da entsprechend über den 24-Stunden-Temperaturverlauf auswirken“, sagte der Abteilungsleiter Günter Koren damals im Gespräch mit ORF Kärnten. Heute findet sich eine weitaus detailliertere Karte der Stadt Klagenfurt hier.

Es geht nach St. Pölten, Niederösterreich. Gemessen am Alter der Bevölkerung ist das die „älteste Hauptstadt“ Österreichs – ein Viertel der 60.000 Einwohner:innen ist älter als 65 Jahre, was in Anbetracht der Hitze besonders fatal ist. Denn Menschen über 65 Jahre gehören neben Kleinkindern zur besonderen Risikogruppe bei Hitze.

Was sich auch in St. Pölten zeigt, ist die besondere Hitzeansammlung um den Bahnhof herum. Am südlichen Bahnhofsplatz stieg die Bodentemperatur mit Ende Juni auf über 51 Grad Celsius. Erst wenn man aus der stark asphaltierten Stadt hinausfährt, nehmen die Temperaturunterschiede langsam ab.

In Bregenz, der westlichsten Hauptstadt Österreichs, war es Ende Juni verhältnismäßig besonders heiß. 34 Grad zeigte das Luftthermometer am 26. Juni. Aufgrund der Größe und Lage haben wir uns in unserer Analyse auch weite Teile des Bezirks Bregenz angeschaut.

Die Satellitenaufnahmen zeigen, dass es sich vor allem im Stadtgebiet Bregenz stark aufheizt. Dort war der Boden um 13 Grad heißer als die Umgebungsluft. Auch die Orte Lauterach und Hard erhitzten sich verhältnismäßig stark, während die Gebiete um den Bodensee kühler blieben. Wenig überraschend blieb es auch im Osten, also Richtung Berge, kälter. Wobei hier 32 Grad Celsius immer noch als überdurchschnittlich heiß gelten.

Wir kommen zur kleinsten Hauptstadt Österreichs, dem burgenländischen Eisenstadt. Mit 16.000 Einwohner:innen wohnen dort weniger Menschen als in so mancher Bezirkshauptstadt.

Doch auch hier zeigt sich ein Bild, das sich bisher durch alle Städte zieht. Wo vorrangig Asphalt und Beton aufzufinden ist, staut sich die Hitze im Boden – innerorts ist hier die Temperatur um über 9 Grad höher als in der Umgebungsluft. Besonders spannend hingegen bleibt der Süden. Denn im Industriegebiet und auch auf den für den Ackerbau genutzten Feldern staut sich die Hitze in Rekordhöhe.

Einzig im bewaldeten Norden war die Temperatur niedriger – im Falle Eisenstadts sogar um mehr als 2 Grad Celsius. Ein Bild, das sich durch sämtliche Landeshauptstädte zieht: Nur dort, wo viele Bäume stehen und Grünflächen vorhanden sind, reduziert sich die Temperatur nachhaltig.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die Satellitenbilder stammen aus dem Portal des USGS EarthExplorer, einer webbasierten Plattform des United States Geological Survey, welche den Zugriff auf ein Archiv an Satellitenbildern, Luftaufnahmen und Höhendaten ermöglicht.
  • Für die Analyse wurden die Satellitenbilder von Landsat 8-9 Operational Land Imager / Thermal Infrared Sensor Level-2, Collection 2 verwendet.
  • Aufnahmezeitpunkt war jeweils um den 29. Juni 2026 herum. Wir versuchten jeweils, den heißesten Tag des Monats auszuwählen, aufgrund der Bewölkung war das jedoch nicht immer möglich. Die Analyse funktioniert bei wolkenlosem Himmel am zuverlässigsten.
  • Die Aufnahmen weisen ein Raster von 30 mal 30 Metern auf, das auf die Zählsprengel Österreichs zugeschnitten wurde. Für jeden Zählsprengel wurde die durchschnittliche Temperatur bestimmt.
  • Als besonders gefährdet gelten ältere Menschen ab 65 Jahren, Säuglinge und Kleinkinder sowie Personen mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen.
  • Dass sich Hitze auf die Sterblichkeit auswirkt, zeigen auch Statistiken. Wie Statistik Austria meldete, starben in der Woche vom 29. Juni bis 5. Juli 2026 (KW27) 1.817 Personen. Im Vergleich zum Dreijahresdurchschnitt derselben Woche der Jahre 2023 bis 2025 entspricht das einem Plus von 18,8 Prozent.

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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