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Bürgermeister Christian Margreiter will die Täter:innen nach dem islamfeindlichen Vorfall in Hall in Tirol unbedingt finden. Er setzt sogar eine Belohnung aus.
In der Tiroler Gemeinde Hall bei Innsbruck gab es zum Ende des islamischen Monats Ramadan einen islamfeindlichen Vorfall. Bürgermeister Christian Margreiter der unabhängigen Bürgerliste Für Hall war schockiert – und will nun unbedingt die Täter:innen finden. Belohnung: 10.000 Euro.
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Besonders leid taten mir die kleinen Kinder der betroffenen Familie.Bürgermeister Christian Margreiter
Auch in Hall sind wir einfach „näher beinander“. Es gibt viele persönliche Beziehungen, und das führt zu einem positiveren Klima. Natürlich gibt es leider auch bei uns ausländerfeindliche Äußerungen verschiedener Art und Weise. Es gibt hier und dort mal Schmierereien. Aber all das hält sich in Grenzen und ist nicht so extrem. Auch deshalb ist der Schweinekopfvorfall so schockierend. Ich dachte mir zuerst nur: Das kann es doch nicht bei uns geben! Besonders leid taten mir die kleinen Kinder der betroffenen Familie. Ich habe selber fünf Kinder und sieben Enkelkinder und kann mir gut vorstellen, was für Ängste das auslöst.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
Christian Margreiter ist seit 2022 Bürgermeister der Stadt Hall (Bundesland Tirol, Österreich). Er wurde in einer Stichwahl mit rund 57,5 Prozent der Stimmen gewählt und setzte sich damit gegen den bisherigen politischen Block durch. Er gehört der unabhängigen Bürgerliste „Für Hall“ an und engagiert sich besonders für kommunale Themen wie Stadtentwicklung, Verkehr, Digitalisierung, soziale Anliegen sowie Bürgerbeteiligung. Margreiter ist promovierter Jurist und politisch vor allem auf Gemeindeebene aktiv, wo er als Bürgermeister die Stadtverwaltung und lokale Politik leitet.
Daten und Fakten
- Migration hat in Hall eine lange Geschichte. Die Stadt wurde – wie viele Orte in Tirol – seit den 1960er-/70er-Jahren durch sogenannte Gastarbeiter geprägt, vor allem aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien, die für Industrie und Bauwirtschaft angeworben wurden. Heute ist Migration ein fester Bestandteil der Stadtgesellschaft: Mehr als 20 Prozent der Bevölkerung haben eine ausländische Staatsbürgerschaft. Dabei hat sich die Zusammensetzung verändert – neben klassischen Arbeitsmigrant:innen gibt es auch EU-Zuwanderung, Familiennachzug sowie Geflüchtete. Im Zusammenhang mit Islam spielt vor allem die türkischstämmige Community eine Rolle; es gibt in Hall auch entsprechende religiöse Vereine und Strukturen. Insgesamt zeigt sich, dass Migration in Hall kein neues Phänomen ist, sondern historisch gewachsen und eng mit Wirtschaft und gesellschaftlicher Entwicklung verbunden ist.
- Antimuslimischer Rassismus: Der 15. März wurde von den Vereinten Nationen als Internationaler Tag zur Bekämpfung von Islamophobie eingeführt, in Erinnerung an den Anschlag von Christchurch. Ziel ist es, auf Diskriminierung und Gewalt gegenüber Menschen aufmerksam zu machen, die als muslimisch wahrgenommen werden. Antimuslimischer Rassismus zeigt sich in unterschiedlichen Formen – von Hassrede und Beleidigungen über Benachteiligung im Alltag (z. B. bei Jobs oder Wohnungen) bis hin zu Angriffen auf Personen oder religiöse Einrichtungen. Besonders häufig betroffen sind Frauen mit sichtbaren religiösen Symbolen wie dem Kopftuch.
- In Österreich betrifft das Thema eine relevante Minderheit, da rund 8 bis 9 Prozent der Bevölkerung muslimischen Glaubens sind. Laut der Dokumentations- und Beratungsstelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus werden jährlich mehrere hundert bis über tausend Vorfälle gemeldet, ein großer Teil davon online, aber auch im öffentlichen Raum. Obwohl rechtlich Religionsfreiheit und Gleichbehandlung garantiert sind, bleibt antimuslimischer Rassismus ein gesellschaftliches Thema, das eng mit Debatten über Migration, Integration und Sicherheit verknüpft ist.
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