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Besonders lukrativ ist es in der Regel nicht.
„Besonders lukrativ ist es in der Regel nicht“, sagt Hanno Sauer, Philosophieprofessor in Utrecht, bei der re:publica 2026 im Rahmen einer Podiumsdiskussion zum Thema Klasse. Mit „es“ meint er Bücher schreiben, und wie die meisten Autorinnen konnte ich der Aussage aus eigener Erfahrung nur zustimmen. Auch der Folgesatz „als finanzielle Entscheidung ist es jetzt nicht das Klügste“ ließ mich als freie Autorin, wie vermutlich andere soloselbstständige Frauen, müde nicken. Daraufhin schlug Mareice Kaiser vor, „Vorschüsse zu vergleichen“.
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Vorschüsse und Honorare
An der Stelle ein kleiner Einblick ins Bücherschreiben für alle Leser:innen, die nicht selbst müde Autorinnen sind. Vorschüsse sind Beträge, die Verlage an Autor:innen ausbezahlen, meist in zwei Hälften geteilt: einen Teil im Vorfeld, damit Autor:innen an Büchern arbeiten können, und den zweiten Teil bei Abgabe des Manuskripts. Ein Vorschuss ist auch kein Honorar im klassischen Sinne, denn der Betrag wird, sobald das Buch erschienen ist, mit den Buchverkäufen gegengerechnet. Von den Buchverkäufen erhalten Autor:innen, je nach Vertrag, als Honorar in der Regel 7-10 Prozent des Verkaufspreises.
Kostet ein Buch 20 Euro und erhält die Autorin 10 Prozent, bekommt sie also 2 Euro von diesem Verkauf. Hat eine Autorin 4000 Euro Vorschuss erhalten – das ist die übliche Vorschusssumme, die Autor:innen in Österreich für Sachbücher angeboten wird –, müssen sich also 2000 Stück dieses Buches verkaufen, damit die 4000 Euro wieder reingespielt und die Autorin ein Verkaufshonorar erhält. Autor:innen müssen den Vorschuss also indirekt „zurückzahlen“, indem er über die Buchverkäufe einbehalten wird. Nur der Betrag, der darüber hinausgeht, wird als Verkaufshonorar ausbezahlt. Viele Autor:innen erhalten deshalb auch nie einen Cent Honorar, denn mehr als 2000 Stück verkaufen sich von den allerwenigsten Büchern. Schon gar nicht in einem kleinen Markt wie Österreich.
In Deutschland ist das etwas anders, dort ist der Markt etwa zehnmal so groß, weswegen sowohl Vorschüsse als auch Verkaufszahlen dort in der Regel wesentlich höher sind. Und: Während Bücher von deutschen Verlagen sich auch in Österreich gut verkaufen, ist das umgekehrt so gut wie nie der Fall. Als österreichische Autorin in Deutschland überhaupt bemerkt zu werden ist ein absoluter Ausnahmefall.
Dass von den üblichen 4000 Euro Vorschuss nach Steuer und Sozialversicherung nur etwa 2000 übrigbleiben und dass ein Buch oft mehrere Jahre Arbeit bedeutet und niemand lange von 2000 Euro leben kann, sollte vielleicht an der Stelle auch angemerkt werden.
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160.000 vs. 15.000
Sauer hat also durchaus Recht: Bücher schreiben ist selten lukrativ. Außer man ist ein Mann wie Sauer, dann ist es das offenbar schon. Denn auf Kaisers Vorschlag, Vorschüsse zu vergleichen, antwortet dieser: „Also ich habe 160.000 dafür bekommen.“ Und Mareice Kaiser? „Ich 15.000“, und nach einer kurzen Pause: „Ich hab’ noch nie in meinem ganzen Leben 160.000 für irgendwas bekommen, noch nie in meinem ganzen Leben.“ Darauf Sauer: „Ich schon des Öfteren.“ (Später übrigens korrigierte er, dass die 160.000 ein kombinierter Vorschuss für zwei Bücher waren.)
Dass männliche Autoren ein Vielfaches dessen erhalten, was weibliche Autorinnen erhalten, ist in der Buchbranche ein altbekanntes Problem. Nun kann man argumentieren, dass die Vorschusshöhe für einen Buchvertrag eine rein ökonomische Entscheidung ist: Je mehr Erfolg sich ein Verlag erwartet, desto höher wird der Vorschuss ausfallen. Das beantwortet aber einerseits nicht die Frage, warum einem Buch von einem männlichen Autor automatisch mehr Erfolg zugetraut wird als dem Buch einer Frau.
Andererseits ist die Höhe des Vorschusses auch eine selbsterfüllende Prophezeiung: Je höher der Vorschuss ist, desto mehr sind Verlage unter Zugzwang, in PR und Pressearbeit zu investieren – schließlich muss die vorausbezahlte Kohle wieder reingespielt werden. Und je mehr und je bessere PR und Pressearbeit, desto wahrscheinlicher wird auch der Erfolg eines Buches. In anderen Worten: Ein hoher Vorschuss zeigt also nicht nur Vertrauen in ein Buchprojekt, sondern er erhöht die Erfolgschancen signifikant.
Wenn Autorinnen also geringere Vorschüsse erhalten, werden sie dadurch doppelt sabotiert: Sie verdienen, wie das für Frauen meist so ist, nicht nur kaum etwas in Form von Vorschüssen, sondern auch in Form von Honoraren nicht, weil sie eben nicht Teil von teuren und prestigeträchtigen Buchprojekten sind, deren hohe Vorschüsse eingespielt werden müssen.
Selbstständige Frauen
Autorinnen sind dabei auch keine Ausnahme. Signifikant unterschiedliche Honorare für Frauen und Männer sind für viele Selbstständige leider normal. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage: „Wir können für den Vortrag leider nur 300 Euro zahlen“ ist vor allem dann ein enttäuschender Satz, wenn man im Nachhinein erfährt, dass der männliche Kollege für dieselbe Arbeit 7000 Euro erhalten hat.
Der ohnehin schon hohe Gender Pay Gap unter unselbstständig Beschäftigten wirkt lächerlich klein, wenn man ihm mit dem Gender Pay Gap unter selbstständig Beschäftigten vergleicht. Am 11. Februar war in Österreich Equal Pay Day – also jener Tag, bis zu dem Frauen heuer unbezahlt arbeiten. Denn in Österreich besteht bei unselbstständig Beschäftigten zwar nach wie vor eine Lohnschere von 11,6 Prozent, und das ist im Übrigen auch nur das Ergebnis, das Vollzeit-Erwerbstätige vergleicht. Nach EU-Methodik berechnet liegt der Gap bei über 18 Prozent. Selbstständige Frauen in Österreich verdienen jedoch im Vergleich dazu etwa 59 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen – also nicht 18 Prozent weniger, sondern mehr als die Hälfte weniger.
Selbstständig beschäftigte Frauen werden so signifikant schlechter bezahlt, dass der Unterschied keine Subtraktion, sondern eine Division braucht. In Verträgen für Selbstständige gibt es keinen Diskriminierungsschutz, keine Einkommenstransparenz – ganz im Gegenteil, oft wird noch festgehalten, dass man über die Inhalte von Verträgen nicht sprechen darf. Niemandem droht irgendeine Strafe, wenn ein Mann ein Vielfaches dessen erhält, was eine Frau für dieselbe Arbeit erhält. Und obwohl Solo-Selbstständige immer mehr werden, und obwohl gerade prekär Selbstständige oft Frauen sind und diese Frauen fast so sicher wie das Amen im Gebet in der Altersarmut landen, scheinen diese Umstände politisch nicht von Interesse. Falls Entscheidungsträger:innen mitlesen und nach einer neuen Aufgabe suchen: Hier wäre eine – eine relativ dringende.
Beatrice Frasl schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Feminismus. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Zur Autorin
Beatrice Frasl war schon Feministin, bevor sie wusste, was eine Feministin ist. Das wiederum tut sie, seit sie 14 ist. Seitdem beschäftigt sie sich intensiv mit feministischer Theorie und Praxis – zuerst aktivistisch, dann wissenschaftlich, dann journalistisch. Mit ihrem preisgekrönten Podcast „Große Töchter“ wurde sie in den letzten Jahren zu einer der wichtigsten feministischen Stimmen des Landes.
Im Herbst 2022 erschien ihr erstes Buch mit dem Titel „Patriarchale Belastungsstörung. Geschlecht, Klasse und Psyche“ im Haymon Verlag. Als @fraufrasl ist sie auf Social Media unterwegs. Ihre Schwerpunktthemen sind Feminismus und Frauenpolitik auf der einen und psychische Gesundheit auf der anderen Seite. Seit 1. Juli 2023 schreibt sie als freie Autorin alle zwei Wochen eine Kolumne für die WZ.
Quellen
- Youtube: re:publica 26: Unsichtbare Ordnung? Was Klasse heute bedeutet
- Equal Pay Day 2026 am 11. Februar!
- Grüne Wirtschaft: 30. Mai ist Equal Pay Day für Unternehmerinnen
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