Zum Hauptinhalt springen

So könnte die Pension der Zukunft aussehen

3 Min
In den USA und Deutschland beginnt die Pensionsvorsorge nun schon im Kindesalter.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Fehlt dem Staat das Geld für die Pensionen, könnte der Kapitalmarkt die Finanzierungslücke schließen. Andere Länder setzen bereits auf kapitalmarktgedeckte Altersvorsorge.


    • In den USA und Deutschland werden kapitalmarktgebundene Altersvorsorgekonten für Kinder eingeführt, mit staatlichen Startbeiträgen und steuerlichen Vorteilen.
    • Deutschland plant eine verpflichtende kapitalgedeckte Rente: 2 Prozent des Bruttogehalts fließen künftig in ein Kapitalmarktkonto bei der gesetzlichen Rentenversicherung.
    • Das Pensionsantrittsalter in Deutschland soll künftig an die steigende Lebenserwartung angepasst werden, Österreich diskutiert ähnliche Reformen.
    • In den USA erhalten Kinder, die zwischen 2025 und 2028 geboren sind, einen staatlichen Zuschuss von 1.000 US-Dollar.
    • In Deutschland zahlt der Staat monatlich 10 Euro für Kinder bis zum 18. Lebensjahr ein.
    • Ab 2028 sollen 2 % des Bruttogehalts in ein Kapitalmarktkonto der GRV fließen.
    • Das Pensionsantrittsalter in Deutschland steigt von 2031 bis 2041 auf 67,5 Jahre.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Der amerikanische Traum startet jetzt“: So bewirbt die US-Regierung ihre neue finanzielle Vorsorge für Kinder, die „Trump-Accounts“. Seit Anfang Juli haben Erziehungsberechtigte die Möglichkeit, ein solches Konto für Kinder zu eröffnen. Für US-Bürger:innen, die zwischen 2025 und 2028 geboren sind oder werden, trägt der Staat 1.000 US-Dollar dazu bei. Ab dem 18. Lebensjahr wird den Kindern das Konto übertragen, darauf eingezahlt werden kann auch schon davor.

Es wird wie ein in den USA übliches „Individual Retirement Account“ (IRA), also ein individuelles Altersvorsorgekonto, behandelt: Das Guthaben wird am Kapitalmarkt angelegt und ist steuerlich begünstigt. Die „Trump-Accounts“ werden beim Neo-Broker Robinhood geführt, der mit europäischen Anbietern wie Trade Republic vergleichbar ist.

Kapitalmarktgebundene Altersvorsorge für Kinder

Für die börsenaffinen US-Bürger:innen ist dieses Modell nicht ungewöhnlich – die IRAs sind ein essenzieller Bestandteil des dortigen Pensionssystems. Neu ist jedoch, dass der Staat diese Konten jetzt schon ab der Geburt eröffnen lässt und einen Startbeitrag dazu leistet. Ein ähnliches Modell ist aber auch in Deutschland geplant, wo gerade eine umfassende Rentenreform beschlossen wurde.

„Frühstart-Rente für Kinder“ ist der im Vergleich zu den USA bescheidenere Name dafür. Kinder ab sechs Jahren sollen ein Altersvorsorgedepot erhalten, in das der Staat bis zum 18. Lebensjahr monatlich 10 Euro einzahlt. Im Gegensatz zum „Trump-Account“ kann das Vorsorgekonto bei unterschiedlichen Anbietern eröffnet werden, aber auch hier können weitere Zahlungen zusätzlich zum staatlichen Beitrag geleistet werden. Einen Unterschied gibt es noch: In den USA muss das Konto aktiv beantragt werden. In Deutschland wird das Geld auf einem Konto geparkt und dann im Erwachsenenalter übertragen, falls die Erziehungsberechtigten das Konto nie eingerichtet haben. Das sorgt für mehr soziale Fairness als das „Trump-Konto“.

2 Prozent in den Kapitalmarkt

Neben dieser neuen finanziellen Beihilfe für Kinder stützt sich Deutschland auch bei der klassischen Rente künftig auf die Börsen. Die Rentenkommission legte im Juni ihre Empfehlungen vor, und die Bundesregierung will alle davon umsetzen. Eine dieser Empfehlungen ist die Einführung einer kapitalgedeckten Rente: Langfristig sollen 2 Prozent des Bruttogehalts in ein Kapitalmarktkonto bei der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) fließen. Ein öffentlicher Fonds soll dieses Guthaben breit gestreut anlegen und Risiken ausgleichen. Die Versicherten sollen außerdem die Möglichkeit erhalten, das Geld stattdessen in einen zertifizierten privaten Anlagefonds zu investieren. Das angesparte Kapital soll als lebenslange Rente ausbezahlt werden. Die kapitalmarktgedeckte Komponente des Rentensystems könnte ab 2028 schrittweise eingeführt werden. Mit der Riester-Rente gibt es bereits eine geförderte private Vorsorge in Deutschland. Neu an der Empfehlung der Rentenkommission ist der verpflichtende Beitrag zur GRV.

Pensionsantrittsalter und Lebenserwartung

Die deutsche Rentenreform sieht außerdem die Anpassung des Pensionsantrittsalters an die Lebenserwartung vor. Das Statistische Bundesamt geht aktuell davon aus, dass die Lebenserwartung alle zehn Jahre um sechs Monate steigt. Demnach könnte das Antrittsalter von 2031 bis 2041 von 67 auf 67,5 Jahre angehoben werden.

Die geplanten Änderungen in Deutschland beleben auch die Diskussion um eine Pensionsreform in Österreich. Während die Neos und die Industriellenvereinigung eine Anhebung des Antrittsalters begrüßen würden, lehnen die SPÖ und der Gewerkschaftsbund diese ab. Obwohl Ökonom:innen seit Jahren davor warnen, dass das System nicht mehr nachhaltig sei, ist eine umfassende Reform bisher ausgeblieben. Während die dritte Säule des Pensionssystems – also die private Vorsorge durch Sparen und Geldanlage – im Gegensatz zu Deutschland und den USA in Österreich noch kaum diskutiert und nicht gefördert wird, beschäftigt sich die Bundesregierung zumindest mit einer Stärkung der zweiten Säule: den Beiträgen der Arbeitgeber:innen. Für die betriebliche Altersvorsorge, in die Unternehmen einzahlen, soll es künftig eine stärker am Kapitalmarkt orientierte Option geben. Wer sich unabhängig von der Pensionsreform oder den Arbeitgeber:innen um die Altersvorsorge kümmern will, muss dies also weiterhin ohne staatliche Förderung eines Wertpapierdepots tun.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Ähnliche Inhalte