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In Österreich werden soziale Medien vor allem bei unter 25-Jährigen immer kürzer und immer weniger für ihre sozialen Aspekte benutzt. Das zeigen Daten, die der WZ exklusiv von der US-amerikanischen Analysefirma GWI zur Verfügung gestellt wurden.
Beiträge liken, Reels schauen und endloses Doomscrolling. Schnell ist das Handy gezückt und schon sind wieder ein paar Minuten um. Auf den Tag summiert ergibt das rund 3,5 Stunden, die Österreichs 16- bis 24-Jährigen am Smartphone verbringen – knapp 2,5 Stunden davon allein in sozialen Netzwerken.
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Doch während die Verweildauer am Smartphone kontinuierlich zunimmt, bleibt die in den sozialen Medien seit der Corona-Pandemie 2020 nahezu gleich – seit vergangenem Jahr ist sie sogar rückläufig. Das zeigen Daten der US-amerikanischen Analysefirma GWI, welche der WZ exklusiv zur Verfügung gestellt wurden.
Der Sättigungspunkt der sozialen Medien ist offenbar erreicht. Denn neben der Verweildauer schrumpft auch die soziale Komponente hinter Social Media: Fotos aus dem eigenen Leben posten, neue Kontakte knüpfen oder Gleichgesinnte finden. Heute geht es mehr darum, Influencer:innen und Sport zu folgen oder Memes zu schauen.
Junge Menschen sind sich der Risiken stärker bewusst
Der Rückgang von Social Media selbst lässt sich laut GWI-Analystin Shauna Moran auf die Reife der jüngeren Generation zurückführen. „Die jüngeren Nutzer:innen von Social Media sind digital müde. Sie sind sich der Nachteile, wie der Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, bewusster und versuchen, ihre Mediengewohnheiten zu reduzieren. Dass sich vor allem jüngere Menschen zurückziehen, deutet auch darauf hin, dass sich Social Media ihrer natürlichen Obergrenze nähert“, sagt Moran gegenüber der WZ.
Der Trend des Rückgangs unterscheidet sich deutlich nach Altersgruppen. In Österreich reduzierte sich die Nutzung sozialer Medien bei den 16- bis 34-Jährigen am stärksten, während sie bei den 35- bis 54-Jährigen weiter zunimmt.
Die durchschnittliche Nutzungszeit über alle Altersgruppen hinweg bleibt mit mehr als einer Stunde pro Tag hoch. Soziale Medien werden also nicht aufgegeben, sie werden bewusster konsumiert.
Was die Daten ebenfalls zeigen: die Zeit am Smartphone steigt weiterhin an. Denn heutzutage wird weitaus mehr Alltägliches und Berufliches am Handy erledigt – wie das Schreiben von E-Mails, von Notizen oder die Organisation des Kalenders.
Netzwerke verändern sich
Der Rückgang in der Nutzung sozialer Medien zeigt, wie sich Social-Media-Plattformen verändert haben. Das schnelle Wachstum von videobasierten Apps wie TikTok und Instagram Reels führte dazu, dass kurze Inhalte zur Norm wurden – und dadurch auch die Verweildauer. Der Fokus liegt mehr auf Kurzvideos und Communities.
Was in der Grafik nicht hervorgeht, ergänzt GWI-Analystin Moran: „Über ein Viertel der Österreicher:innen nutzt wöchentlich TikTok, und der Anteil der Nutzer von Instagram Reels hat sich seit 2020 mehr als verdoppelt (von 15 auf 32 Prozent)“, sagt die Expertin.
Gaben vor acht Jahren noch knapp zwei Drittel der Österreicher:innen an, Facebook zu nutzen, sank die Zahl heuer um 13 Prozent. Die Trends darauf hin, dass sich die Rolle der sozialen Medien weg vom öffentlichen Teilen und hin zur On-Demand-Unterhaltung verlagert.
User:innen sind gesättigt
Es bleibt die Frage, ob soziale Medien weiterhin stagnieren, oder ob sie sich gar abschaffen.
Laut Moran wird sich die Nutzungsdauer jedoch stabilisieren. Wachstum wird sich auf neue Zielgruppen verlagern und die Art der Interaktion wird sich zu selektivem Konsum entwickeln. „Ein Tag hat nur eine begrenzte Anzahl von Stunden und die Menschen teilen ihre Zeit heute anders ein als noch zur Pandemie. Vor allem die sozialen Aktivitäten vor Ort rücken wieder ins Zentrum“, sagt Moran.
Auch der veränderte Algorithmus spielt beim Interesse der User:innen mit. Denn wenn vor ein paar Jahren noch die Fotos und Beiträge von Freunden aus dem „Real Life“ im Zentrum von Instagram standen, spielt der Algorithmus mittlerweile eher das aus, was Meta selbst für sehenswert hält.
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Infos und Quellen
Gesprächspartnerin
Shauna Moran, Analystin GWI
Daten und Fakten
- Die im Artikel verwendeten Daten wurden der WZ exklusiv von der US-amerikanischen Firma GWI zur Verfügung gestellt.
- GWI fragt seit 2012 über ein Onlinepanel 250.000 Menschen weltweit, wie sie soziale Medien nutzen und wie viel Zeit sie täglich am Smartphone verbringen.
- Die US-amerikanischen Ergebnisse wurden von der Financial Times veröffentlicht, in Deutschland gibt es eine Analyse von Zeit Online.
- Die von der GWI erhobenen Daten sind von den Nutzer:innen selbsteingeschätzt.
Quellen
- Umfragedaten von GWI
Das Thema in der WZ
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Das Thema in anderen Medien
- Financial Times: „Have we passed peak social media?“
- Der Standard: https://www.derstandard.at/story/3000000213211/die-goldenen-zeiten-von-social-media-sind-vorbei „Die goldenen Zeiten von Social Media sind vorbei“
- Krautreporter: Die Zukunft von Facebook: Mutanten-Fernsehen
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