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Du kannst trotz Urlaub, Sonne und Nichtstun nicht entspannen? Das könnte an deinem Handy liegen, das dich bis zum einsamsten Strand begleitet.
Du liegst am feinen Sandstrand, vor dir das blau glitzernde Meer, auf das in weiter Ferne die Sonne strahlt. Aber nicht für dich: Du siehst nur dein Handy-Display, wo du von einem Reel zum nächsten scrollst. Statt unendlicher Weite infinite scroll. Denn es ist ja dein Urlaub, denkst du, und du möchtest so richtig entspannen – aber kannst du das mit dem Handy in der Hand überhaupt?
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Psychologin Roswitha Wernig sagt: Nein. Sie rät dazu, das Handy gerade im Urlaub wegzulegen. Na gut, das haben wir schon oft gehört. Aber eine vor Kurzem veröffentlichte Studie der Universität für Weiterbildung in Krems liefert nun die Zahlen dazu, was mit dir passiert, wenn du dein Handy öfter einmal in der Tasche lässt: Demnach hat eine Reduktion der Nutzung auf unter zwei Stunden pro Tag zu einer signifikanten Verbesserung der psychischen Gesundheit unter den Testpersonen geführt.
Bereits nach drei Wochen gingen depressive Symptome um 27 Prozent zurück, der Stress nahm um 16 Prozent ab. Gleichzeitig stieg die Schlafqualität um 18 Prozent und das allgemeine Wohlbefinden um 14 Prozent.
Wo ist das Raubtier?
Zu einem ähnlichen Ergebnis kam ein Experiment des ORF unter rund 46.000 Schüler:innen in Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz, die ihr Smartphone drei Wochen lang ausgeschaltet ließen. Denn: Seit es den Menschen gibt, sei sein Gehirn darauf getrimmt, sämtliche Reize wahrzunehmen, um zum Beispiel hungrige Raubtiere rechtzeitig zu sehen und zu überleben, sagt Wernig. Ein Zuviel an Reizen durch die schnelle Abfolge der Kurzinformationen auf Instagram oder TikTok sei daher das genaue Gegenteil von Entspannung.
Das Handy einfach ausgeschaltet zu lassen, ist allerdings leichter gesagt als getan. Denn während du es in die Tasche gleiten lässt und bewusst versuchst, das Meer zu betrachten und an nichts mehr zu denken, ist dein digital fokussiertes Ich in ständiger Alarmbereitschaft und sendet dir Signale wie: „Diese Aussicht muss ich fotografieren; ich wollte mir ja noch ein neues Shirt bestellen; ich muss schauen, wie das Wetter morgen wird“, oder: „Hat mir vielleicht jemand geschrieben?“
Zurück im Alltag
„Es reicht, sich bewusst auf eine Tätigkeit zu konzentrieren und zum Beispiel einen Kaffee am Strand zu trinken, ohne gleichzeitig am Handy zu sein oder Musik zu hören“, meint dazu Wernig. „Dann wird diese Fähigkeit, achtsam im Hier und Jetzt zu leben, geschärft.“ Du merkst es, indem du intensiver erlebst, was rund um dich herum passiert und zum Beispiel Gerüche und Geräusche besser wahrnimmst. Und wer weiß: Vielleicht kannst du Techniken wie diese nach dem Urlaub sogar in deinen Alltag integrieren.
Das Problem dabei: Der Algorithmus hält dich immer weiter am Handy-Scrollen, wenn du einmal damit angefangen hast. Und: Das ist immerhin besser als Langeweile, denkst du vielleicht. Dabei sei diese gar nichts Negatives, meint Wernig. Ganz im Gegenteil: Es gehe genau darum, das Nichtstun zuzulassen – und darin, im Blick auf das Meer, die Sonne und die Ferne ein Stückchen von sich selbst zu finden.
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Infos und Quellen
Gesprächspartnerin
Roswitha Wernig ist Klinische und Gesundheitspsychologin in Graz. Der Fokus ihrer Arbeit liegt vor allem auf Kindern ab drei Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen.
Daten und Fakten
- Eine Reduktion der Smartphone-Nutzung auf unter zwei Stunden pro Tag kann zu einer signifikanten Verbesserung der psychischen Gesundheit führen: Eine vor Kurzem veröffentlichte Studie der Universität für Weiterbildung in Krems hat ergeben, dass nach drei Wochen depressive Symptome um 27 Prozent zurückgingen und der Stress um 16 Prozent abnahm. Gleichzeitig stieg die Schlafqualität um 18 und das allgemeine Wohlbefinden um 14 Prozent. Die positiven Effekte der Reduktion hielten jedoch nicht an: Nach der Interventionsphase stieg die Bildschirmzeit wieder und die psychischen Symptome verschlechterten sich. „Die Herausforderung liegt nicht nur in der Reduktion, sondern auch in der nachhaltigen Veränderung des Nutzungsverhaltens“, erklärt Studienleiter Christoph Pieh.
- Mehr als 72.000 Jugendliche aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und Südtirol hatten sich für „Das große Dok-1-Handyexperiment“ angemeldet – die 75-minütige Ausgabe mit Host Lisa Gadenstätter war am Mittwoch, dem 27. Mai 2026, in ORF 1 und auf ORF ON zu sehen. Gezählt werden konnten nur jene Personen, die anonymisiert an den wissenschaftlichen Befragungen teilgenommen hatten. Knapp 46.000 (45.656) hatten diese wissenschaftlichen Befragungen ausgefüllt. Etwa 32.000 davon in der Versuchsgruppe (kompletter Entzug, Light-Variante) und ca. 14.000 in der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse: Bei der ersten Befragung hatten 58 Prozent angegeben, leichte bis mittelgradige Symptome einer Depression zu verspüren. Acht Prozent mittelgradig schwere und drei Prozent schwere Symptome einer Depression. Nach drei Wochen ist der Anteil jener, die keine Depressionen haben, um etwa 15 Prozent gestiegen. Die leichten bis mittelgradigen Symptome einer Depression sind um rund zehn Prozent gesunken. Und auch bei den schweren Depressionen hat es einen Rückgang von 2,9 auf 1,7 Prozent gegeben. Die Ein- und Durchschlafstörungen haben sich um mehr als 20 Prozent verringert. (der.ORF.at)
Quellen
- Pieh, C., Humer, E., Hoenigl, A. et al. Smartphone screen time reduction improves mental health: a randomized controlled trial. BMC Med 23, 107 (2025).
- Weniger Zeit am Smartphone verbessert die psychische Gesundheit
- Dok 1: Das große Handyexperiment - ORF ON
- Handyexperiment.at
- Pausen von digitalen Medien können Wohlbefinden fördern (Johannes Gutenberg Universität Mainz)



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