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SpaceZ statt SpaceX: Was der Weltraum jungen Menschen bringt

4 Min
"Wissen wissen" ist eine Kolumne von Eva Stanzl. Darin ordnet sie aktuelle Themen aus Wissenschaft und Gesundheit ein.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Adobe Stock

Startet Europa bald eigenständig ins All? EU-Investitionen in die Raumforschung steigen und das ist gut. Es macht unabhängig und schafft zukunftsweisende Jobs für junge Menschen. Denn der Weltraum gehört nicht nur Milliardär Elon Musk, sondern allen.


Der Weltraum sollte nicht einzig und allein dem reichsten Mann der Welt überlassen sein. Derzeit hat Elon Musk mit 470 Milliarden US-Dollar das weltgrößte Vermögen und eine Poleposition im All: Sein Unternehmen SpaceX verfügt über die leistungsfähigste Trägerrakete in den Weltraum, fliegt Astronaut:innen in die Erdumlaufbahn bis zur Internationalen Raumstation ISS und plant den größten Börsengang der Welt. Mit Starlink betreibt SpaceX auch ein Satelliten-Internet.

Vor diesem Hintergrund hat die EU beschlossen, dass der Weltraum nicht mehr nur ein Geschäft für Milliardäre sein soll, sondern für alle. Das nächste Budget der Europäischen Raumfahrtagentur ESA für die Jahre 2026 bis 2028 wird daher von aktuell 17 Milliarden auf rund 22,1 Milliarden Euro angehoben, wobei der österreichische Beitrag von 260 Millionen auf 340 Millionen Euro steigt. Diese Investitionen mögen im Vergleich zu Musks Vermögen zwar verschwindend gering erscheinen. Sie ermöglichen jedoch eine zielgerichtete Umsetzung fortschrittlicher Technologien nicht nur im All, sondern auch auf dem Boden, mit denen Europa und auch Österreich Marktführerschaft erreichen und damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit ankurbeln könnten. Insbesondere der GenZ soll das qualifizierte Arbeitsplätze in Europa bringen.

Kosmische Bedeutung für die Gesamtwirtschaft

Weltraumtechnologien entfalten ihre Wirkung in der gesamten Wirtschaft mit Anwendungen zahlreichen Sektoren, von Antriebstechnik, Transport, Schifffahrt und Luftfahrt über Meteorologie, neue Materialien, Energie und Telekommunikation bis hin zu Stadtentwicklung, Versicherungen und praktischen Bereichen wie Beschichtungen für Küchenpfannen, isolierenden Textilien oder Kugelschreibern. Geplant ist in Europa alles, was für Space Travel nötig ist, von Raketen über Satelliten bis hin zu Geodaten aus dem All, und all diese Bereiche könnten zu neuen Alltagsanwendungen führen.

„Jeder Euro, den wir in den Weltraumsektor investieren, führt zu einer Wertschöpfung von sechs Euro. Investitionen kommen in Form von Aufträgen, die im Wettbewerb vergeben werden, wieder nach Österreich zurück und sichern hier Arbeitsplätze“, sagte Infrastrukturminister Peter Hanke kürzlich im Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen. Grundsätzlich bedeutet ein höherer ESA-Beitrag auch höhere Rückflüsse in Form von Aufträgen anWie die Unternehmen und Österreich will sich insbesondere auf Chips, KI und Quantentechnologien konzentrieren.

Weltraumtauglicher Quantencomputer aus Wien

Was heißt das jetzt konkret für uns? Ein Schwerpunkt ist in Österreich ist die Quantentechnologie und insbesondere die cybersichere, satellitenbasierte Quantenkommunikation. In der Quantenwelt scheinen Teilchen an mehreren Orten zugleich zu existieren und diese Eigenschaft ermöglicht eine besonders sichere Kommunikation und die Speicherung großer Datenmengen. Vergangenen Sommer hat die Uni Wien einen weltraumtauglichen Quantencomputer präsentiert, der so groß ist wie eine Schuhschachtel und extremen Weltraumbedingungen standhält. Weiters spezialisiert sich das Wiener Unternehmen qtlabs auf weltraumbasierte Quantenkryptographie und Quantensatelliten.

Der Hintergrund für den Bedarf an Quantenkryptographie-Lösungen sind immer leistungsfähigere Quantencomputer, die bisher sichere Verschlüsselungstechniken in Sekundenschnelle knacken können. Der Markt ist groß und jede:r will mitwirken, zumal auch Banken, Serviceprovider und Unternehmen der kritischen Infrastruktur neue, abhörsichere Lösungen benötigen werden. Und da alles, was ins All soll, unter widrigsten Bedingungen funktionieren muss, stehen Weltraumtechnologien an der Speerspitze dieser neuen Entwicklungen.

Reisen ins All auf Augenhöre mit den USA

Ein wichtiges Projekt ist auch die Satellitennavigation. Morgen, Mittwoch, um 6.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit, soll die europäische Trägerrakete Ariane 6 vom Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana starten, um zwei weitere Galileo-Satelliten ins All zu bringen. Galileo ist das Navigationssystem der EU und der Europäischen Weltraumorganisation ESA, das eine hochpräzise und zuverlässige Positionsbestimmung für zivile Anwendungen ermöglicht. Es bietet eine Alternative zum amerikanischen System GPS. Insbesondere in Krisensituationen ist sind eigene Systeme zur Positionsbestimmung wichtig. Die Satellitensignale sollen möglichst sicher bei uns ankommen.

„Wir wollen einen eigenen europäischen Zugang zum Weltraum haben, und auch im All unabhängig agieren können. Deswegen ist es wichtig, eigene Fähigkeiten zu fördern“, sagte Jens Franzeck, CIO der Ariane Group, die die Trägerraketen baut, kürzlich anlässlich des Ariane-Starts zum ZDF-Morgenmagazin. Denn auch im All werden zunehmend Machtkämpfe ausgetragen. Der Krieg in der Ukraine verhindert, dass Europa die russischen Sojus-Raketen weiterhin verwenden kann. Die US-Politik fordert die EU dazu auf, selbstständiger zu sein und in Verteidigung und Technologieentwicklung zu investieren. Investitionen in ein europäisches Raketenprogramm im Rahmen der europäischen Artemis-Mission sollen daher ermöglichen, dass wir nicht mehr nur per Anhalter mit SpaceX ins All fliegen, sondern auf Augenhöhe mit den USA agieren, damit nicht nur SpaceX, sondern auch die Generation Z einmal etwas davon haben wird.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner

Peter Hanke, geboren 1964 in Wien, ist Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (SPÖ). Er studierte Betriebswirtschaft an der WU in Wien, war Leiter des Rechnungswesens, Betriebsratsvorsitzender und Geschäftsführer der Wien Holding und von 2018 bis März 2025 Finanzstadtrat in Landesregierung Wien.

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