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Sparen für den Schulstart

3 Min
Eine Illustration mit einem gezeichneten Buch, einem Stift und einem Apfel.
Der Schulbeginn ist für Eltern teuer, für viele zu teuer. Manche nehmen sogar Sofortkredite für Schulmaterialien auf.
© Illustration: WZ

Der Beginn des neuen Schuljahres stellt viele Familien in Österreich vor finanzielle Herausforderungen. Der Staat reagiert mit einer Ausweitung finanzieller Hilfen, die jedoch nicht immer reichen.


Was die Schulbildung kostet, zeigt die Schulkostenstudie der Arbeiterkammer: Im Schuljahr 2020/21 gaben Österreichs Familien für den Schulbesuch pro Kind durchschnittlich 1.468 Euro aus, um 325 Euro mehr als im Schuljahr 2015/16. Den Anstieg erklären sich die Studienautor:innen unter anderem mit der Beschaffung von elektronischen Geräten und einer Internetverbindung, die es für den Unterricht im Lockdown brauchte. Zu den Ausgaben zählen Fixkosten wie Verpflegung, Nachmittagsbetreuung oder Privatschulen, laufende und unerwartete Kosten im Schulalltag sowie die Ausgaben vor dem Schulstart. Wie hoch die Schulkosten für das Schuljahr 2023/24 sind, ermittelt die Arbeiterkammer aktuell in der neuen Auflage der Schulkostenstudie. 

Gutschein für den Schuleinkauf

Die finanzielle Belastung durch den Schulbesuch dürfte angesichts der Inflation in den vergangenen zwei Jahren weiter gestiegen sein. Die Preise für Schulartikel sind laut dem Preismonitor der Arbeiterkammer Wien um rund zehn Prozent höher als vor einem Jahr. „Viele Familien sparen monatelang für den Schulstart, da es den Familien ein großes Anliegen ist, ihre Kinder gut auszurüsten“, berichtet Romana Bartl, Pressesprecherin der Volkshilfe Österreich. Die Organisation betreut die Aktion „Schulstartklar“ des Sozialministeriums. Dabei erhalten Familien, die Mindestsicherung oder Sozialhilfe beziehen, Gutscheine für Anschaffungen für das neue Schuljahr. 

Für das kommende Semester erhalten 49.000 Kinder und Jugendliche diese finanzielle Unterstützung, der Wert des Gutscheins wurde von 120 Euro im Jahr 2022 auf 150 angehoben. Bisher wurde der Schulstart-Gutschein nur einmal im Jahr ausgegeben, ab diesem Schuljahr zweimal. Der Großteil der Bezieher:innen, rund 70 Prozent, lebt in Wien.

Schulstartgeld heuer früher ausbezahlt

Und noch eine Neuerung gibt es dieses Jahr: Das allgemeine Schulstartgeld für Kinder von sechs bis 15 Jahren, das üblicherweise im September kommt, wurde laut Bundeskanzleramt heuer schon im August ausbezahlt. Der Betrag wurde inflationsangepasst, 900.000 Kinder erhielten jeweils 105,80 Euro.

 Volkshilfe-Sprecherin Bartl betont, dass die „Schulstartklar“-Aktion eine wichtige Unterstützung für die betroffenen Familien sei. Aber nicht immer würde der Gutschein, der bei ausgewählten Händler:innen eingelöst werden kann, die notwendigen Ausgaben decken. Der Wiener Samariterbund rechnet für ein komplettes Schulstartpaket mit 300 Euro – und sammelt deshalb Spenden für Familien, die nicht über genug finanzielle Mittel verfügen. Die Caritas bietet indes in den Sozialmärkten Startpakete ab 35 Euro an.

Finanzielle Notsituation

Die finanzielle Belastung ist nicht nur bei den Hilfsorganisationen bemerkbar, sondern auch anderswo: Cashy, eine App für Pfandleihkredite, merkt eigenen Angaben zufolge ein höheres Kreditvolumen in den Sommermonaten – bis zu 80 Prozent mehr als im Vorjahr. In einer Umfrage unter den Nutzer:innen gaben 16 Prozent an, finanzielle Unterstützung im Bereich Schule und Bildung zu benötigen. Dies betrifft laut Geschäftsführer Patrick Scheucher überwiegend Frauen und die Bundesländer Wien, Niederösterreich und Oberösterreich. Im Sommer werden deshalb verstärkt Smartphones, Laptops oder Schmuck beliehen. „In den meisten Fällen benötigen unsere Kund:innen kurzfristig für ein paar Wochen bis zwei Monate finanzielle Unterstützung. 92 Prozent des Kreditvolumens werden wieder ausgelöst und die eingesetzten Gegenstände gehen an ihre Besitzer:innen zurück”, erklärt Cashy-Chef Scheucher.  

Es gebe auch andere Lösungen, wie Bartl von der Volkshilfe erklärt: „Wir wünschen uns eine Schule ohne Rucksack, in der alle benötigten Materialen von der Schule für die Kinder bereitgestellt werden, wie das in Finnland bereits Realität ist.“


Elisabeth Oberndorfer schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.