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Die geplanten Einsparungen bei den Unis könnten dem Standort, dem wissenschaftlichen Nachwuchs und vor allem Studierenden schaden.
Studienanfänger:innen in Österreich könnten bald stärker auf sich gestellt sein, denn es könnte weniger Lehrende pro Student:in und damit weniger Betreuung geben. Der Grund: Die Universitäten könnten mit extremen Einsparungen konfrontiert sein. Das Bundesbudget 2027/2028, das bis zum 10. Juli stehen soll, könnte Kürzungen nach sich ziehen, die einen Personalabbau erzwingen. Das würde dem Wirtschafts- und Forschungsstandort, dem wissenschaftlichen Nachwuchs und vor allem den Studierenden schaden.
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Der Hintergrund: Österreichs 22 öffentliche Unis beziehen ihr Globalbudget vom Bund über sogenannte Leistungsvereinbarungen. In diesen öffentlich-rechtlichen Verträgen legen Wissenschaftsministerium und Hochschulen fest, wie viel Geld sie für Lehre, Forschung und Infrastruktur von der öffentlichen Hand bekommen und welche Leistungen sie im Gegenzug erbringen müssen. Eine Senkung der Mittel hätte zur Folge, dass die Leistungen schwerer zu schaffen wären.
Das Problem in Zahlen: In der laufenden Periode der Leistungsvereinbarungen für 2025-2027 stehen Österreichs Hochschulen insgesamt 16,2 Milliarden Euro für Forschung und Lehre zur Verfügung. Dieses Geld ist fix, unsicher wird es aber danach. Denn für die kommende Uni-Budgetperiode 2028-2030 könnte das Globalbudget trotz Inflation auf bis zu 15,5 Milliarden Euro sinken, wie Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner kürzlich gewarnt hatte. Laut Berechnungen der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko) wären jedoch für 2028-2030 insgesamt 18 Milliarden Euro nötig, um wenigstens die steigende Inflation abzugelten und den Hochschul-Betrieb auf dem derzeitigen Qualitätsniveau weiter betreiben zu können (siehe Infos und Quellen). Und das wiederum ergibt eine Kluft von 2,5 Milliarden Euro zwischen dem Vorhandenen und dem Benötigten. Uniko-Chefin Brigitte Hütter sprach von einem „Super-GAU“ für Unis, Wirtschaft und Gesellschaft. Das sei „in dieser Dimension beispiellos“.
Nachwuchsforscher:innen in der Warteschleife
In den vergangenen zehn Jahren waren die Uni-Mittel mit den Leistungsvereinbarungen laufend angehobenen worden, um den Universitätsstandort im Wettbewerb mit anderen innovativen Ländern zu stärken. Nun befürchten die Unis wegen der budgetären Sparzwänge längerfristig unterm Strich ein Minus. „Wir wollten in den Uni-Rankings besser werden, Forschende aus den USA nach Österreich bringen und uns über eine Tech-Strategie Gedanken machen, die in die Zukunft führt. Jetzt aber mussten wir einen Aufnahmestopp verhängen, da wir nicht wissen, wie die Lage nach Ende 2027 sein wird“, sagt Jens Schneider, Rektor der Technischen Universität (TU) Wien, zur WZ.
Er erklärt: Große Unis wie die TU Wien mit ihren 5500 Mitarbeiter:innen müssen langfristig planen. „Das Jahr 2028 ist für uns morgen“, sagt Schneider, denn: Die Mietverträge für Uni-Gebäude würden für 25 Jahre abgeschlossen. Die Energiekosten für die Hochleistungsrechner, die die TU für ihre Forschung benötigt, würden ungebrochen steigen. Und vom Ankauf neuer Infrastruktur könne man nur bedingt absehen, wenn man für Spitzenforscher:innen attraktiv bleiben wolle. Relativ schnell ließen sich einzig die Personalkosten senken, aber auch hier wiederum nicht bei pragmatisierten Professor:innen und unkündbaren Laufbahnstellen. Die Folge aus der Sicht der Rektor:innen: Die Unis können einzig befristete Arbeitsverhältnisse beenden. Womit wir bei jungen Menschen und dem wissenschaftlichen Nachwuchs wären.
In befristeten Arbeitsverträgen stehen in erster Linie junge Forscher:innen – also Pre-Doc und Post-Doc-Universitätsassistent:innen. Diese wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen an den Hochschulen, die ihre Stellen im Rahmen eines PhD- oder Doktoratsstudiums innehaben, sind Universitätsprofessor:innen zugeordnet. Sie arbeiten mit ihnen an Forschungsprojekten, unterstützen sie in der Lehre, halten Vorlesungen und vertiefen dabei ihre Ausbildung.
Wenn diese Nachwuchswissenschaftler:innen aber wegfallen, fällt ihre Leistung sowohl für Studierende als auch für den Forschungs- und Innovationsstandort weg und fehlt letztlich auch der Wirtschaft. Außerdem würde ihr Abbau das finanzielle Loch an vielen Unis nicht einmal zur Gänze stopfen: „Wir könnten gar nicht so viele Leute kündigen, wie wird Geld sparen müssten“, sagt TU-Rektor Schneider unter Berufung auf Berechnungen seiner Finanzabteilung. Der wissenschaftliche Nachwuchs wäre dann vorübergehend abschafft, aber das Problem nicht gelöst.
Reputation schneller verloren als aufgebaut
Der Mikrobiologe Michael Wagner von der Uni Wien, Leiter des Exzellenzclusters „Microbiomes Drive Planetary Health“, warnt auch vor internationalen Auswirkungen. „Bei starken Kürzungen und schlechteren Bedingungen für die Forschung sind die besten Forscher schnell weg, denn sie tun sich das nicht an. Und wenn die besten Köpfe das Land verlassen, verliert man auch die Reputation“, sagt Wagner zur WZ: „Man kann den Ruf, den man sich über Jahre aufgebaut hat, schnell kaputt machen.“
In den vergangenen Wochen protestierten Unis und Studierende landesweit gegen die drohenden Kürzungen. Darauf reagierte Wissenschaftsministerin Holzleitner diese Woche mit der Ankündigung, dass man trotz Sparzwängen versuchen wolle, wenigstens ein moderates Plus zu erwirken, und dass sie dabei auch auf Strukturmaßnahmen und Reformen setzen wolle. Etwa sollen sich, wie sie sagte, für akademische Mitarbeiter:innen ohne planmäßige Professuren die Arbeitsbedingungen durch die Abschaffung befristeter Verträge verbessern. Studierenden wiederum stellte sie die Möglichkeit von Teilzeit-Studien in Aussicht. Und die Ministerin will ,,Wissenschaftsregionen” durch gemeinsame Studienangebote schaffen. Parallelangebote des gleichen Fachs am selben Standort sollen demnach abgeschafft werden. Unklar war allerdings vorerst, wie solche Maßnahmen finanziert werden sollen, oder wie viel die Abschaffung von Parallelangeboten einsparen könnte.
Die Uni-Leistungsvereinbarungen für die Jahre 2028 bis 2030 müssen jedenfalls bis 31. Oktober feststehen. Die Regierung hat eine Entscheidung bei ihrer Klausur im Herbst angekündigt. Bisher hat sich dazu keiner der anderen für Bildung, Wissenschaft, Forschung, Innovation und Technologie zuständigen Kollegen öffentlich zum Thema zu Wort gemeldet. Weder Holzleitners SPÖ-Parteikollege, Innovationsminister Peter Hanke, noch NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr greifen auf, dass gerade ihre Fachbereiche keine derzeit budgetären Schwerpunkte sind. Dabei wäre es dringend erforderlich, dass sich alle betroffenen Entscheidungsträger:innen zusammensetzen, um eine Strategie für ein zukunftsfähiges Österreich zu beschließen. Ein Österreich, dass ohne Qualität in Bildung, Wissenschaft und Forschung keine Zukunft hat.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
- Florian Atzmüller, Sprecher des Bundesministeriums für Frauen, Wissenschaft und Forschung
- Jens Schneider, Rektor der Technischen Universität Wien
- Michael Wagner, Michael Wagner von der Uni Wien, Leiter des Exzellenzclusters „Microbiomes Drive Planetary Health“ und Mikrobiologe an der Universität Wien
Daten und Fakten
- Über die Leistungsvereinbarungen bekommen die Unis ein Globalbudget, über das sie grundsätzlich frei verfügen können. Der Großteil wird nach bestimmten Indikatoren oder Zielwerten – etwa bei Prüfungsaktivität, Betreuungsverhältnissen, Forschungsbasisleistung – vergeben. Zusätzlich muss jede Uni mit dem Ministerium vereinbarte inhaltliche Ziele etwa bei Personalentwicklung, Studierbarkeit oder Forschungsprofil erreichen. Neben diesen Mitteln besteht das Gesamtbudget der Unis noch aus „speziellen Zuweisungen“, zum Beispiel für Bauvorhaben oder den Klinischen Mehraufwand, der an den Uni-Kliniken die Mehrkosten durch Forschung und Lehre abdecken soll, oder einem Budget für Ärzt:innengehältern an Uni-Kliniken, die allerdings laut den Sparplänen künftig ebenfalls aus dem Globalbudget finanziert werden sollen.
- Mit dem Doppelbudget 2027/2028 setzt die Bundesregierung die Sanierung der öffentlichen Finanzen fort. Es soll bis 10. Juli beschlossen sein. Wie das Unibudget 2028 bis 2030 dann letztlich aussieht, wird erst am 31. Oktober feststehen. Dann läuft die gesetzliche Frist dafür ab.
Quellen
- Universität Wien: Budget – Unis rufen zu Demos gegen Kürzungen auf
- Österreichische Universitätenkonferenz: Factsheet zur Entwicklung der Universitätsbudgets
Das Thema in der WZ
Das Thema in anderen Medien
- science.orf.at: Unis befürchten „Super-GAU“
- orf.at: Holzleitner will Teilzeitstudium
- Der Standard: Unis beharren auf 18 Milliarden und machen Vorschläge für mehr Effizienz
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