Zum Hauptinhalt springen

Sportevents: Wir blenden die traurige Wahrheit aus

2 Min
Kommentar zu Sportveranstaltungen in politisch umstrittenen Ländern.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Während Kriege geführt werden und das Völkerrecht gebrochen wird, gehen große Sportveranstaltungen oft in autokraten und politisch umstrittenen Staaten über die Bühne. Diese nützen solche Events, um ein positives Bild an die Welt zu senden.


    • Die FIFA verlieh Donald Trump einen Friedenspreis und missachtete eigene Neutralitätsregeln.
    • Sportgroßereignisse werden oft in Ländern mit Menschenrechtsverletzungen ausgetragen, wobei Missstände während der Events ausgeblendet werden.
    • Militärischer Angriff der USA auf Venezuela: dutzende Todesopfer, Verstoß gegen Völkerrecht
    • Donald Trump erhielt im Dezember den neu geschaffenen FIFA-Friedenspreis
    • Fußball-WM 2026: USA, Kanada und Mexiko sind Gastgeber
    • 21 britische Abgeordnete forderten den WM-Ausschluss der USA
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Der militärische Angriff der USA auf Venezuela mit dutzenden Todesopfern verstieß gegen das Völkerrecht. Anfang Dezember erhielt US-Präsident Donald Trump den neu erschaffenen FIFA-Friedenspreis. Trump, der ohnehin den Friedensnobelpreis fordert, bekam damit eine Auszeichnung, für die keinerlei Kriterien erforderlich waren. Die FIFA verstieß damit auch gegen ihre eigenen Statuten, die vorsehen, dass der Weltfußballverband im Sinne der politischen Neutralität handeln muss. Eine schiefere Optik im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer – bei der die USA mit Kanada und Mexiko Gastgeber sind -– kann es wohl kaum geben.

Sportveranstaltungen von weltweitem Interesse wurden schon oft an autoritär geführte und auch militärisch umstrittene Staaten (die USA zählen – noch – nicht dazu) vergeben. Diese rühmten sich nach Ablauf der Events, die beste Veranstaltung aller Zeiten über die Bühne gebracht zu haben. Ein Blick zurück auf das Jahr 2022, als die Fußball-WM in Katar gespielt wurde: Viele Arbeitskräfte kamen im Zuge der Bauarbeiten für die Weltmeisterschaft durch katastrophale Arbeitsbedingungen ums Leben. Menschenrechte wurden in Katar stets unterdrückt. Trotz aller Widrigkeiten verfolgten rund um den Globus Millionen Menschen die WM. Solange während des Turniers alles ohne Zwischenfälle abläuft, ist das Interesse am Sport größer als das aktuelle, weltweit umstrittene Geschehen im jeweiligen Land. Seien es Aufrufe zum Boykott oder Friedensbotschaften im Vorfeld – mit Anpfiff werden die grausamen Taten vergessen und die Welt blickt auf den Sport.

21 Parlamentsabgeordnete Großbritanniens forderten inzwischen den Ausschluss der Vereinigten Staaten von der WM. Dies gilt aufgrund des Status als Gastgeberland sowie der zeitlichen Nähe zum Ereignis als unwahrscheinlich. Die anderen beiden Veranstalternationen sowie die FIFA selbst erscheinen den Drohungen Donald Trumps an weitere Länder gegenüber machtlos. Pierre de Coubertin, Begründer der modernen Olympischen Spiele, sah den Sport etwa immer im Zeichen der Völkerverbindung und Gleichberechtigung aller Menschen. „Sport has the power to change the world“, sagte Nelson Mandela einst. Der Sport hat wohl die Kraft, die Welt zu vereinen, aber scheinbar auch die traurige Wahrheit zumindest für die Dauer eines Großevents auszublenden.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Quellen:

Das Thema in anderen Medien:

Das Thema in der WZ:

Ähnliche Inhalte