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Am 11. Juli ist Srebrenica-Gedenktag. Der von bosnischen Serb:innen an Bosniaken verübte Genozid jährt sich zum 31. Mal. Hasan Nuhanović, ein Überlebender des Völkermords, erklärt im Interview, was für ihn Gerechtigkeit bedeutet.
Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien stuft die Tötungen von Bosniak:innen durch bosnische Serb:innen in Srebrenica im Juli 1995 als Völkermord ein. Hasan Nuhanović war damals vor Ort und überlebte den Völkermord nur, weil er als UN-Dolmetscher arbeitete und dadurch auf einem UNO-Stützpunkt bleiben konnte. Seine Eltern und sein Bruder wurden getötet. Seitdem setzt er sich für die Aufarbeitung der Geschehnisse ein.
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Manchmal fragen mich die Leute: „Glaubst du noch an die Vereinten Nationen, obwohl die UNO den Völkermord zugelassen hat?“ Ich sage: „Ja, das tue ich.“ Nur, weil die UNO in Srebrenica versagt hat, heißt das nicht, dass es die UNO nicht geben sollte. Sie sollte existieren – für andere Menschen an anderen Orten auf diesem Planeten und auch für uns. Damit die Welt vielleicht in der Zukunft, durch den Einfluss der Vereinten Nationen, anders handeln wird.
Wir sprechen hier nicht von Kämpfen. Wir sprechen von Kriegsverbrechen.
Aber Gerechtigkeit wird nicht ausschließlich vor Gericht hergestellt.
Sie haben meine gesamte Familie getötet. Ich bin der einzige Überlebende.
Wir können die Vergangenheit nicht vollständig hinter uns lassen
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
Hasan Nuhanović ist Autor, Aktivist und Dolmetscher. 1993 begann er während des Bosnienkrieges seine Arbeit als Übersetzer für niederländische UN-Truppen auf dem UN-Stützpunkt in Potočari. 1995 wurde der Stützpunkt durch serbische Truppen eingekesselt. Sein Vater, seine Mutter und sein Bruder mussten den Stützpunkt verlassen und wurden im Zuge des Genozids von Srebrenica ermordet. Aufgrund seiner Arbeit als Übersetzer durfte Nuhanović im Stützpunkt bleiben und ist somit einziger Überlebender seiner Familie. In der Folge verklagte er den Staat Niederlande und bekam 2013 Recht. Der Oberste Gerichtshof bestätigte, dass die Niederlande für die Ermordung seiner Eltern und seines Bruders mitverantwortlich waren.
Daten und Fakten
- Nach der Unabhängigkeitserklärung Bosnien und Herzegowinas von Jugoslawien 1992 brach der Bosnienkrieg aus. Die serbisch dominierte Jugoslawische Volksarmee begann daraufhin einen Angriffskrieg gegen Bosnien. Auch kroatische Soldaten griffen Bosnien zeitweise an. Zwischen 1992 und 1995 wurden mehr als 100.000 Menschen getötet und mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben.
- 1995 ermordeten bosnisch-serbische Soldaten über 8.000 Bosniak:innen. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien stuft dieses Massaker als Völkermord ein. Die Tötungen zielten hauptsächlich auf die männliche Bevölkerung ab. Trotzdem wurden auch Frauen ermordet. Dabei wurden keine Unterschiede zwischen Soldat:innen und Zivilist:innen oder Erwachsenen und Minderjährigen gemacht.
- 1995 wurde das Friedensabkommen von Dayton unterzeichnet. Heute ist Bosnien deswegen in zwei Entitäten unterteilt. Einer bosniakisch-kroatischen Entität und der Republika Srpska, der serbischen Entität. Außerdem gibt es die kleine Sonderverwaltungszone Brčko. In der Republika Srpska wird der Völkermord bis heute weitestgehend geleugnet. Das Leugnen des Völkermords von Srebrenica ist in Bosnien und Herzegowina zwar eine Straftat, der frühere Präsident des serbischen Landesteils, Milorad Dodik, tut es trotzdem. Er fordert zudem die Unabhängigkeit der Republika Srpska von Bosnien und Herzegowina.
Quellen
- Leibniz Institut für Europäische Geschichte: Zeitzeugengespräch mit Hasan Nuhanović: Der Völkermord von Srebrenica und seine Aufarbeitung
- Tagesschau: Ein Genozid, der bis heute nicht sein darf
- ORF: Vor 30 Jahren brach der Bosnien-Krieg aus
- Die Zeit: Der Krieg, der nicht vergeht
- SRF: Überlebende von Srebrenica: «Ich musste einfach zurückkehren»
Das Thema in der WZ
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