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Strom: Warum nicht jeden Monat zahlen, was man verbraucht?

Genese

Die Eltern von Hannah Kirchgasser haben sich im Frühjahr 2023 eine Photovoltaikanlage installieren lassen – so weit, so unspektakulär. Was ihnen aufgefallen ist: Obwohl sie viel Strom produziert und eingespeist hat, hat sich das nicht unmittelbar auf die Stromrechnung ausgewirkt. Diese ist sogar wegen der allgemein erhöhten Preise gestiegen. Bis sie das zu viel bezahlte Geld am Ende des Abrechnungsjahres (April 2024) zurückbekommen werden, wird fast ein Jahr vergangen sein. Kirchgasser hat sich gefragt: Wieso kann man nicht jeden Monat das zahlen, was man verbraucht? In der Recherche hat sich herausgestellt, dass das Problem ihrer Eltern – zu viel zu zahlen – das geringere Übel ist. Viel problematischer ist es, wenn Konsument:innen bei der Jahresabrechnung mit hohen Nachzahlungen konfrontiert sind.

Gesprächspartner:innen

  • Christian Zwittnig ist Pressesprecher bei Oesterreichs Energie, der Interessensvertretung der E-Wirtschaft. Hannah Kirchgasser sprach mit ihm, um die Sicht der Energieanbieter und Netzbetreiber besser zu verstehen und zu ergründen, warum Kund:innen nicht aktiv über die Möglichkeit einer monatlichen Abrechnung informiert werden.

  • Die Caritas stellte den Kontakt zu einer Mindestpensionistin her, die durch hohe Strom-Nachzahlungen in eine prekäre finanzielle Situation geraten ist. Die Pensionistin will anonym bleiben, im Text wird sie Frau Maier genannt.

  • Die beiden Studentinnen Carina Jagersberger und Vjollca Shabanaj erzählten in ihrer WG in Wien Margareten von ihrer hohen Strom-Nachzahlung.

  • Alfons Haber, Vorstand der E-Control, erklärt, wie die Smart-Meter-Portale der Netzbetreiber funktionieren und welche Informationen Verbraucher:innen dort einsehen können.

Daten und Fakten

  • Jeder Haushalt, der über einen Smart-Meter verfügt, hat das Recht auf eine monatliche Abrechnung. Im §81(6) des ElWOG (Elektrizitätswirtschafts- und -organisationsgesetz) steht: „Sind intelligente Messgeräte installiert, haben Endverbraucher das Wahlrecht zwischen einer monatlichen Rechnung und einer Jahresrechnung. Auf dieses sind sie bei Vertragsabschluss samt einer Information über die damit verbundenen Auswirkungen auf die Verrechnung hinzuweisen.“

  • Ein Smart-Meter ist ein digitaler Stromzähler. Während bei den mechanischen Stromzählern ein Ablesen vor Ort nötig ist, übermittelt ein Smart-Meter die Werte automatisch. Das geschieht in der Regel einmal täglich, mit Zustimmung können auch 15-Minuten-Werte ermittelt werden. Laut dem Smart-Meter-Bericht der E-Control verfügen mittlerweile 68,38 Prozent der Haushalte in Österreich über einen Smart-Meter. Ziel der Netzbetreiber ist es, bis Ende 2024 95 Prozent der Kund:innen mit einem Smart-Meter auszustatten. Bei der Installation eines Smart-Meters kommen keine zusätzlichen Kosten auf die Konsument:innen zu.

  • Laut dem deutschen Energieanbieter E.ON ist der Stromverbrauch von Haushalten im Winter um durchschnittlich 40 Prozent höher als in den Sommermonaten. Das liegt vor allem daran, dass Geräte wie Herd und Fernseher in den Abendstunden häufiger genutzt werden und die Beleuchtung aufgrund der Dunkelheit länger in Betrieb ist.

Quellen

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