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Trotz Autismus auf der Bühne

Genese

Vor kurzem erreichte die WZ-Redaktion ein E-Mail von einem knapp Zwanzigjährigen, der fragte, ob wir nicht im Rahmen der Berichterstattung über psychische Erkrankungen auch einmal über Autismus schreiben könnten. Er selbst lebt seit 2015 mit der Diagnose Asperger-Syndrom. Wir haben diese Anregung mit Freude aufgegriffen und nun mit Günther Paal alias Gunkl über sein Leben im Autismus-Spektrum gesprochen.

Gesprächspartner

Günther Paal wurde 1962 in Wien geboren und wuchs im 10. Bezirk auf. Seinen Künstlernamen Gunkl verdankt er seinem Bruder, der Günther nicht aussprechen konnte. Der gelernte Reprofotograf war zwölf Jahre als Kellner in Wiener Lokalen tätig, ehe er als Kabarettist hauptberuflich Fuß fasste. Zunächst als Saxofonist und Bassist in Alfred Dorfers Band, trat er bald auch alleine auf. Außerdem ist er ein Mitglied der Science Busters und steht – oder besser gesagt: sitzt – regelmäßig zu zweit mit Gerhard Walter in „Herz und Hirn“ auf der Bühne. Sein aktuelles, vierzehntes Soloprogramm „Nicht nur, sondern nur auch“ hatte im September 2023 Premiere.

Daten und Fakten

  • Autismus oder Autismus-Spektrum-Störung (ASS) Autismus wird im Allgemeinen als eine Störung der Gehirnentwicklung definiert. Diese äußert sich vor allem in Problemen bei der sozialen Interaktion mit anderen Menschen, Auffälligkeiten bei der verbalen und nonverbalen Kommunikation, stereotypen Verhaltensweisen und einseitigen Interessen. Der Begriff wurde geprägt vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler, der ihn 1911 zum ersten Mal im Rahmen seiner Studien zur Schizophrenie verwendete.
    Autismus wurde lang in Frühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom, High-Functioning-Autismus und Atypischer Autismus unterteilt. Heute sieht die Wissenschaft Autismus als Spektrum, da es in der Praxis oft nicht möglich ist, die verschiedenen Typen eindeutig zu unterscheiden. Und der Begriff Autismus-Spektrum zeigt, dass es zwar bestimmte gemeinsame Merkmale gibt, die Ausprägung aber nicht bei allen gleich ist. Betroffen ist davon schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung. Bei Buben tritt Autismus viermal häufiger auf als bei Mädchen.
    Viele Kinder mit Störungen im Autismus-Spektrum fallen durch ständige motorische Unruhe auf, sie sind impulsiv und können sich oft nur schwer konzentrieren (vergleichbar einer Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung). Angststörungen und Depressionen treten ebenfalls gehäuft auf, auch bei Jugendlichen und Erwachsenen.
    Auch wenn man landläufig Autismus mit einem Mathematik- oder Musik-Genie verbindet (dazu hat auch der Film „Rain Man“ mit Dustin Hoffman als Zahlen-Koryphäe beigetragen), reicht die intellektuelle Bandbreite von geistiger Behinderung über normal intelligent bis Inselbegabung (außergewöhnliche Fähigkeiten in einem speziellen Gebiet, in dem es nicht um soziales Verständnis geht).

  • Das Asperger-Syndrom zeigt sich besonders stark durch Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen – Blickkontakt wird vermieden, Körpersprache weder eingesetzt noch beim Gegenüber gelesen. Intellekt oder Sprache sind selten betroffen. Auch das Asperger-Syndrom tritt bei Buben häufiger als bei Mädchen auf. Bei Kindern findet man aber ebenso wie beim Autismus ADHS, Angststörungen oder Depressionen.
    Der Begriff bezieht sich auf den österreichischen Kinderarzt Johann Asperger, der das später nach ihm benannte Asperger-Syndrom als Erster beschrieben hat.
    Erwachsene mit Asperger-Syndrom leben oft als Einzelgänger, soziale Interaktion fällt ihnen schwer. Ängste, Panikattacken oder Depression kommen oft vor. Viele sind jedoch aufgrund ihrer Erfahrungen in der Lage, Mechanismen zu entwickeln, mit schwierigen Situationen gut zurechtzukommen.
    Autismus ist nicht heilbar, die Symptome können sich jedoch im Lauf der Zeit ändern.

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht nach ihren Diagnosekriterien Autismus nicht als Behinderung, sondern als psychische Störung. Es gibt allerdings Studien, die besagen, dass rund 70 Prozent der Menschen im Autismus-Spektrum auch eine geistige Behinderung haben. In Österreich gilt Autismus als Behinderung, wird jedoch in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Je nach Kategorie ist due Ausstellung eines Behindertenausweises möglich. Informationen und Hilfe gibt es unter anderem beim Dachverband Österreichische Autistenhilfe.

Quellen

Das Thema in der Wiener Zeitung

Das Thema in anderen Medien