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Österreichs Exporteure kämpfen mit den US-Strafzöllen. Auch deren Rückzahlung ist mühselig. Als Lösung setzen sie oft auf Produktion vor Ort.
Drei Tage. Mehr Zeit lag nicht zwischen der Ankündigung der „Liberation-Day“-Zölle durch US-Präsident Donald Trump am 2. April 2025 und dem Inkrafttreten des Basiszolls von 10 Prozent auf nahezu alle Importe in die USA am 5. April 2025. Wenige Tage später folgten weitere Zusatzzölle, die je nach Land noch höher waren. „Drei Tage sind für ein Geschäft, in dem ein Container von Europa nach Houston rund vier Wochen unterwegs ist und Maschinen oft Monate oder sogar Jahre vorher verkauft werden, praktisch keine Vorlaufzeit“, schildert Thomas Blechinger, CEO der US-Sparte des österreichischen Bahnbaumaschinenexporteurs Plasser & Theurer, die Problematik. „Auf einen Schlag waren Lieferungen betroffen, die längst auf hoher See waren: Maschinen, die wir zu kalkulierten Konditionen verkauft hatten und die dann mit einem entsprechenden Zollaufschlag in den USA ankamen.“
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Und das war erst der Anfang. Trump, der vor neun Jahren zum ersten Mal und voriges Jahr zum zweiten Mal angetreten ist, als Präsident „America great again“ zu machen, hat den Handelspartnern der USA – für Österreich sind sie der zweitwichtigste Exportmarkt nach Deutschland – seither immer wieder das Messer an die Brust gesetzt. Kein Mittel ist ihm zu heilig und keine Volte zu akrobatisch. Das vergangene Jahr glich einer Achterbahnfahrt, weil sich auch für österreichische Exporteure die Situation laufend änderte: Mehrfach wurden neue Zollsätze angekündigt, bestehende geändert, ausgesetzt oder von US-Gerichten für gesetzeswidrig erklärt, neu festgelegt, sektoriell ergänzt.
Wie soll die EU mit US-Präsident Donald Trump und seiner erratischen Politik umgehen?
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Und das Spiel ist noch lange nicht zu Ende gespielt. Zuletzt hat Trump am 1. Mai angekündigt, die US-Zölle auf Autos und Lkw aus der EU von 15 auf 25 Prozent anzuheben. Die EU ringt ihrerseits um eine gemeinsame Stimme im Zollstreit mit den USA; das nächste Treffen dazu ist am 19. Mai in Straßburg.
Unsicherheit ist fast noch schlimmer als Höhe der Zölle
Die Unsicherheit in Bezug auf die Zölle ist laut Blechinger fast belastender als deren Höhe, „weil man als Unternehmen nicht mehr planen kann“. Und im Tagesgeschäft tun die Folgekosten mindestens genauso weh. Denn das Geld, mit dem die Zollbeträge vorfinanziert werden müssen, fehlt dann an anderer Stelle im Unternehmen. Außerdem müssen bei jeder Zolländerung bestehende Verträge neu verhandelt werden, „weil niemand Zölle in dieser Größenordnung in den Angeboten kalkuliert hatte“. Und: Wie soll man überhaupt ein Angebot für eine Lieferung in der Zukunft legen, wenn man keine Ahnung hat, wie dann der Zoll aussehen wird?
Eine Zollerhöhung verändert die Wirtschaftlichkeit eines Geschäfts grundlegend.Thomas Blechinger, CEO von Plasser American
Dazu kommen Unklarheiten, welcher Zoll überhaupt anzuwenden ist. „Wir exportieren tausende verschiedene Produkte in die USA, auch aus Indien. Da haben wir es oft mit kumulierten Zöllen zu tun. Und die Interpretation, welcher Zoll wofür gilt, kann auf österreichischer Seite eine andere sein als auf amerikanischer“, erklärt Karlheinz Wex, Vorstandsvorsitzender der Plansee Group, die vor allem Werkzeuge aus Hartmetall und metallische Komponenten in die USA liefert und dort gut ein Viertel ihrer mehr als zwei Milliarden Euro Jahresumsatz erwirtschaftet. Wenn jede einzelne Sendung neu klassifiziert werden muss, kostet das nicht nur Geld, sondern bindet auch Personalressourcen. Vor allem, ergänzt Blechinger, verändert eine Zollerhöhung die Wirtschaftlichkeit eines Geschäfts grundlegend.
330.000 Unternehmen müssen 166 Milliarden Dollar zurückfordern
Spannend wird es auch, wenn so wie im Februar und Anfang Mai erneut ein Höchstgerichtsurteil dafür sorgt, dass die erhöhten Zölle zurückgezahlt werden müssen. Das erfolgt nämlich nicht automatisch, sondern jede einzelne Refundierung muss beantragt werden. „Auf dem Papier müssen rund 166 Milliarden Dollar an mehr als 330.000 Unternehmen rückerstattet werden“, sagt Blechinger. „In der Praxis ist das Verfahren nicht standardisiert, jeder Importeur muss Anträge über seine Customs Broker einreichen, und niemand kann seriös sagen, wie lange das dauert.“ Er spricht von „Verfahren, die bislang nie in dieser Dimension getestet wurden“. Und womöglich ist in manchen Fällen der Aufwand der Rückforderung größer als der Nutzen durch die Refundierung.
Es ist noch gar nicht klar, ob und in welchem Ausmaß wir Rückzahlungen erhalten.Andreas Klauser, CEO von Palfinger
Für Andreas Klauser, CEO des Kranherstellers Palfinger, ist jedenfalls noch gar nicht klar, „ob und in welchem Ausmaß wir tatsächlich Rückzahlungen erhalten werden“. Zumindest das Einmelden auf der entsprechenden Plattform hat laut Wex „zur Überraschung vieler besser funktioniert als erwartet. Aber es muss jeder einzelne Zollvorgang sauber eingegeben werden. Unser Glück ist, dass wir auf jeder unserer Rechnungen den Zoll transparent angeführt haben.“
Wer trägt am Ende die Kosten?
Das hilft auch bei einer weiteren Problematik im Zusammenhang mit Trumps Strafzöllen: Es geht nämlich immer auch um die Frage, wer am Ende die höheren Kosten trägt. Kann man sie auf den Kunden abwälzen? Oder muss man sie als Wettbewerber selbst übernehmen, damit man nicht gegenüber der Konkurrenz ins Hintertreffen gerät?
Beim Zoll geht es um jeden Cent.Karlheinz Wex, Vorstandsvorsitzender der Plansee Group
Und genau diese Frage wird nun auch bei den Rückzahlungen relevant. Denn je nachdem, ob der Exporteur oder der Importeur für den Zoll aufkommen musste, muss nun dieser oder jener schauen, dass er sein Geld zurückbekommt. „Wenn wir nun Zoll zurückfordern, meldet sich vielleicht nachher ein Kunde und sagt: ‚Hoppla, ich habe es bezahlt, ich will das Geld zurück.‘ Je transparenter das ausgewiesen wurde, desto einfacher ist es nachher“, betont Wex. Und er stellt fest: „Beim Zoll muss größte Sorgfalt an den Tag gelegt werden, da geht es um jeden Cent.“
Produktion möglichst gleich in den USA
Warum eigentlich der ganze Zirkus mit den Zöllen? Weil der US-Präsident überzeugt ist, dass unrentable Importe dafür sorgen, dass mehr in den USA erzeugte Güter gekauft werden und somit die Wertschöpfung im eigenen Land gesteigert wird. Das wiederum soll Produkte für die US-Bevölkerung billiger machen. Zumindest Teil eins des Plans, den Trump in seiner zweiten Amtszeit noch stärker verfolgt als in seiner ersten, scheint aufzugehen. Wie ein Rundruf der WZ unter den führenden österreichischen Exporteuren in die USA zeigt, suchen immer mehr ihr Heil im Prinzip „local for local“. Sie erzeugen also Güter für den US-Markt direkt in den USA.
Wenn sie es können. Die Produkte der Plansee Group zum Beispiel sind so hochwertig und speziell, dass der Konzern sie bisher ganz bewusst jeweils nur an einem der mehreren dutzend Standorte weltweit hergestellt hat. Aber mit zunehmendem Zolldruck werden nicht nur in den USA, sondern etwa auch in Indien eigene, teure Produktionsstätten aufgebaut. Palfinger-Chef Klauser gibt zu bedenken, dass es damit allein nicht getan ist, weil „neben bestimmten Fertigprodukten auch Komponenten und Zukaufteile importiert werden“, die wiederum von Zöllen betroffen sind.
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Trotzdem ist Blechinger froh, dass Plasser American schon seit 60 Jahren in den USA produziert und ab 2019 – während Trumps erster Präsidentschaft – sogar die dortigen Produktionskapazitäten verdoppelt hat. Die Strategie ist doppelt aufgegangen: Erstens ist dieser lokale Anteil gegen Zölle immun, zweitens konnte Plasser American mit der neuen Kapazität die massiven US-Infrastrukturinvestitionen ausnutzen.
Noch gehen durch „local for local“ in den USA offenbar nicht Jobs in Österreich im großen Stil verloren. Zumindest hat Nationalbank-Vizegouverneurin Edeltraud Stiftinger vergangenen Mittwoch bei der Präsentation der heimischen Außenhandelsbilanz Entwarnung gegeben: „Die Befürchtung, dass Firmen aufgrund der US-Zölle ins Ausland abwandern, ist bislang nicht eingetreten.“ Zuletzt hat Österreich mehr Güter exportiert als importiert.
Ein Schuss ins eigene Knie?
Trotzdem: Trump hat es mit seiner Zollpolitik geschafft, den Welthandel durcheinanderzubringen, die Handelspartner in Übersee zu frustrieren und neue Niederlassungen in den USA zu erzwingen. Ob er damit auch die versprochenen niedrigeren Verbraucherpreise erreicht hat, ist zweifelhaft. Palfinger-Chef Klauser jedenfalls sieht durch den Zollstreit für die USA insgesamt mehr Nachteile als Vorteile: „Die Zollpolitik der Trump-Administration hat unter US-Kunden für Unsicherheit und damit für reduzierte Nachfrage gesorgt. Der erhebliche Verwaltungs- und Kostenaufwand wiederum hat eine geringere Rentabilität zur Folge.“
Das Handelsdefizit der USA blieb 2025 fast unverändert.WU-Professor Harald Oberhofer
Wirtschaftsprofessor Harald Oberhofer von der WU Wien stellt dazu fest, dass die von Trump gewünschten Effekte durch dessen Zollpolitik nicht erzielt wurden: „Das Handelsbilanzdefizit der USA blieb im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 fast unverändert. Investitionen in den USA sind zwar angekündigt und auch teilweise in den Abkommen fixiert, jedoch können Staaten beziehungsweise Volkswirtschaften nicht für Unternehmen Investitionsentscheidungen treffen.“ Und gerade aufgrund der rechtlichen Auseinandersetzungen in Bezug auf die Zölle sind die handelspolitischen Rahmenbedingungen in den USA nach wie vor unsicher, „was wiederum Unternehmen im Moment noch eher zu einer abwarteten Position veranlasst.“
Damit dürfte das in Düsseldorf ansässige Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung rechtbehalten, das schon 2024 prognostiziert hat: Die Zölle würden den Handelspartnern wehtun, „die größten Einbußen sind aber in den USA selbst zu erwarten.“ Der Cowboy Trump könnte sich also letztlich damit ins eigene Knie schießen.
Nichtsdestotrotz hat er der EU eine Frist für die Erfüllung seiner jüngsten Zollforderungen gesetzt, passenderweise bis zum 4. Juli 2026, dem 250. Jahrestag der Unabhängigkeit der USA. Andernfalls droht der US-Präsident neue, noch höhere Zölle an. Die Chefs der österreichischen Großexporteure überrascht das nicht mehr wirklich. „Man muss in Zeiten wie diesen immer darauf vorbereitet sein, dass jederzeit wieder etwas passiert“, meint Plansee-Chef Wex.
Die Zölle waren absehbar – die Art und Weise der Umsetzung nicht
Er weist auch darauf hin, dass Trump nicht der erste US-Präsident ist, der das Handelsdefizit der USA reduzieren will. „Man hat vielleicht den Amerikanern in der Vergangenheit nicht gut zugehört. Schon unter Barack Obama und Joe Biden war das ein Thema. Das Risiko, dass hier früher oder später etwas passiert, musste man sehen.“ Auch für Blechinger von Plasser American waren Trumps Strafzölle absehbar. Allerdings: „Die Art und Weise, wie sie implementiert wurden, sowie die Unsicherheit über ihre Höhe waren nicht vorhersehbar.“
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
- Thomas Blechinger, CEO von Plasser American
- Andreas Klauser, CEO von Palfinger
- Harald Oberhofer, Professor am Institut für Internationale Wirtschaft der Wirtschaftsuniversität Wien
- Karlheinz Wex, Vorstandsvorsitzender der Plansee Group
Quellen
- WKO: Umgang mit US-Zöllen
- Hans Böckler Stiftung: Auswirkungen der US-Zölle
- Österreichs Außenhandel mit den USA
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Das Thema in anderen Medien
- Westdeutsche Zeitung: Zölle, Drohungen und neue Fristen – Was will Trump?
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- Der Standard: Das Chaos ist perfekt: US-Gericht hebt Trumps weltweites Zollpaket auf
- ORF: Trump setzt EU im Handelsstreit Ultimatum
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