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Dem Trockenrasen nachhelfen

11 Min
Nora Petermair entbuscht die Pfaffstättener Einöde.
© Gregor Kuntscher

Handfeste Eingriffe für die Artenvielfalt: Junge Freiwillige legen auf der Umweltbaustelle einen verbuschten Hang frei.


Rund zwanzig junge Menschen bahnen sich ihren Weg durch das Dickicht in der Pfaffstättener Einöde, um einen Trockenrasen zu schaffen. Ja, das Naturgebiet im Biosphärenpark nördlich von Baden bei Wien heißt wirklich so. Und ja, ein Trockenrasen ist etwas Gutes. Weil er seinen Namen zwar vom kargen Unterboden hat, aber dafür gedeihen darauf umso vielfältigere Pflanzenarten. Genau deshalb wird hier, im steilen Gelände, eine in den vergangenen Jahren freigeschlagene Lichtung eine Woche lang vergrößert. Nicht, weil die jungen Naturschützer:innen den Wald zerstören wollen, sondern im Gegenteil: Sie wollen den Urzustand herstellen, um den ursprünglichen Pflanzen- und Tierarten wieder Raum zum Gedeihen zu geben.

„Trockenrasen sind die ältesten Lebensräume, die wir in Österreich haben, sie gehen auf die Zeit vor 600.000 Jahren zurück“, erläutert die Biologin Irene Drozdowski im Gespräch mit der WZ. Andere Lebensräume wie etwa der Rothwald im Wildnisgebiet Dürrenstein, der als letzter Urwald Österreichs und als letztes unberührtes Fleckchen Natur in Mitteleuropa besonderen Schutzstatus hat, gehen hingegen auf das Ende der jüngsten Eiszeit vor rund 15.000 Jahren zurück. Die Trockenrasen sind deshalb nicht nur aus ökologischer Sicht enorm wichtig, „sondern sie haben rein durch ihre Geschichte, ihre Entstehung auch eine kulturhistorische Bedeutung“, meint Monika Kriechbaum, Professorin am Institut für Integrative Naturschutzforschung an der Boku Wien.

Es ist also ein uraltes Erbe, das hier verwaltet und reaktiviert wird. In Pfaffstätten ist es der Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken, der sich das zur Aufgabe gemacht und eine sogenannte Umweltbaustelle eingerichtet hat, die Drozdowski als Obfrau des Vereins leitet. Gemeinsam mit den Freiwilligen, von denen die meisten 20 bis 25 Jahre alt sind, schuftet sie eine Woche lang in einem Bereich des Naturgebietes und legt den Trockenrasen frei, der im Laufe der Zeit zugewuchert ist. Dabei waren diese Lebensräume früher offene Steppengebiete: In den Kaltzeiten war das Klima zu rau und trocken für Bäume. Hier grasten damals Mammut und Wollnashorn, später Wisent und Auerochse. Dann kam vor etwa 7.600 Jahren der Landwirtschaft betreibende Mensch. Er begann, die großen Pflanzenfresser in die Auwälder zu vertreiben, und nutzte die neu gewonnenen Weideflächen für sein domestiziertes Vieh. „Dem Trockenrasen war es egal, welche Tiere ihn abgegrast haben. Und das hat auch über mehrere Jahrtausende hinweg funktioniert“, sagt Felix Hohn vom Landschaftspflegeverein. „Aber die Industrielle Revolution hat die Landwirtschaft massiv verändert.“ Die Landschaft wurde nicht mehr beweidet und verbuschte. Es entstanden sogenannte Sekundärwälder, die sich weithin ausbreiten konnten. „Damit ist der Großteil an Trockenrasen verloren gegangen und damit eine enorme Artenvielfalt.“

„Hotspots der Biodiversität“

Boku-Professorin Kriechbaum bezeichnet Trockenwiesen als echte „Hotspots der Biodiversität“, weil sie zu den artenreichsten Lebensräumen in Mitteleuropa gehören, in denen man auch besonders seltene, spezialisierte Pflanzen findet, von denen wiederum bestimmte Insekten abhängen. Geprägt sind diese Lebensräume von einem nährstoffarmen Boden, der landwirtschaftlich schlecht genutzt werden kann. Genau deshalb seien sie so gefährdet, sagt Kriechbaum, „weil sie mit der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft an Bedeutung verloren haben.“ Dabei wäre das beste Mittel, um Trockenrasen nach der Entbuschung nachhaltig zu schützen, eine erneute Beweidung. Dazu bräuchte es auch rund um Wien wieder mehr Viehzucht. Allerdings ist das Gelände in Pfaffstätten für Rinder zu steil, die Fläche zu klein und das Gras zu wenig nahrhaft.

Naturschutz wird oft so verstanden, dass man einfach gar nichts tut und die Natur sich selbst überlässt. Das wäre beim Trockenrasen der falsche Weg.
Biologin Irene Drozdowski

Ideal für solche Trockenwiesen sind deshalb genügsame Tiere wie Schafe, Ziegen oder Lamas. Diese und sogar Zebus lässt ein örtlicher Züchter auf den Pfaffstättener Trockenwiesen weiden. Ohne Förderungen wäre diese Viehhaltung allerdings nicht rentabel, Biofleisch hin oder her, meint Drozdowski, während im Hintergrund eine Elektromotorsäge surrt: Die ehrenamtlichen Umweltschützer:innen rücken mit für ihre Verhältnisse schwerem Gerät an, denn es sind auch einige Bäume zu entfernen. Die meisten bleiben aber stehen. Erstens sorgen sie für Schatten, und zweitens gehören sie ökologisch hierher. Schließlich hat die Landschaft hier einst fast wie ein Park ausgesehen, mit vereinzelten Bäumen und dazwischen Gräser- und Kräutersteppe. Mit den Heuwiesen, die wir aus vielen ländlichen Gebieten kennen, hat der Trockenrasen also wenig gemein. „Diese Wiesen gibt es als riesige offene Flächen nur, weil dort der Traktor fährt und Bäume im Weg wären. Früher wurden die Wiesenflächen mit der Sense gemäht, da war die Landschaft viel strukturierter.“

Hier blüht fast immer etwas

Die heute stark verbreiteten Heuwiesen entstanden erst im Mittelalter, als in der sogenannten kleinen Eiszeit das Vieh in die Ställe kam und man Grünfutterflächen brauchte. Durch die häufige Mahd sind sie viel grasiger und damit wesentlich weniger artenreich als Trockenrasen. „Auf einer Silagewiese findet man auf einer Fläche von fünf mal fünf Metern vielleicht noch vier bis sechs Pflanzenarten – auf einem Trockenrasen sind es 80 bis 100“, rechnet die Biologin vor, „und das sind nur die Pflanzenarten. Wenn man bedenkt, dass auf jede Pflanzenart etwa zehn Insektenarten kommen, die auf diese spezialisiert sind, dann sind das rund 1.000 Insektenarten. Und das ist wahrscheinlich noch unterschätzt.“ So wurden auf den Trockenrasen alleine in Pfaffstätten in den 1960er Jahren etwa 1.200 Schmetterlingsarten (von insgesamt rund 4.000 in Österreich) nachgewiesen. „Das ist ein enormer Artenreichtum, der verloren geht, wenn man die Trockenrasen zuwachsen lässt. Denn diese Arten sind an offene Lebensräume gebunden.“

Foto eines Waldes
So sieht es vor dem Eingriff aus.
© Gregor Kuntscher

Eine typische Trockenrasenblume, die in Pfaffstätten wieder wächst, ist der Gelbe Lauch, der in seiner Zwiebel Feuchtigkeit speichern kann und deshalb auch im Sommer blüht. „Das ist ein Merkmal von Trockenrasen, dass dort vom Frühling bis in den Herbst hinein immer etwas blüht, sodass die Insekten hier Nahrung finden“, erklärt Drozdowski. In Pfaffstätten wurde die auf diese Pflanze spezialisierte, sehr seltene Lauch-Seidenbiene ebenfalls nachgewiesen. „Wenn der Gelbe Lauch nicht wächst, ist auch die Biene nicht da. Daran sieht man die starke Abhängigkeit.“

200 Jahre alte Karten geben Auskunft

Doch wie renaturiert man korrekt? Drozdowski weiß, wie die Landschaft hier aussehen sollte: „Vor rund 200 Jahren wurde im Franziszeischen Kataster festgehalten, wo Weiden, Weinberge, Wald waren, und zwar für die gesamte österreichisch-ungarische Monarchie.“ Das Motiv für dieses Kartenwerk waren freilich rein steuerliche Gründe. Der Kataster zeigt jedenfalls deutlich, wie offen diese Abhänge früher waren, und zwar vom Wiener Leopoldsberg bis nach Ternitz. Damals wurden Rinder, Schafe und Ziegen auf die Weiden getrieben, und „die Milch für die Stadt kam direkt aus der Umgebung“, sagt die Biologin. Vor allem waren die offenen Weiden und Wiesen durch Grünstreifen entlang der Wege verbunden. Durch diese Korridore gab es einen regen Austausch unter den Arten, der heute vielfach fehlt. Das Ziel der Naturschützer:innen ist, diese Trockenraseninseln wieder miteinander zu verbinden und so die offene Fläche zu vergrößern. Allerdings schützt das strenge österreichische Forstgesetz vor allem den Wald, stellt die Vereinsobfrau fest: „Was einmal Wald ist, soll aus Forstsicht auch Wald bleiben.“ Ausnahmen für Flächenrodungen zugunsten der Trockenrasen sind nur mit großem Aufwand zu bekommen.

Foto einer Waldlichtung
So soll irgendwann der ganze Bereich aussehen.
© Gregor Kuntscher

„Naturschutz wird oft so verstanden, dass man einfach gar nichts tut und die Natur sich selbst überlässt.“ Was etwa der Rothwald braucht, „wäre beim Trockenrasen der falsche Weg“, erklärt Biologin Drozdowski. Deshalb wird das Dickicht, das sich in den vergangenen Jahrzehnten zwischen den Bäumen festgesetzt hat, entfernt, und zwar von Hand. Büsche werden ausgerissen, störende Jungbäume mitsamt den Wurzeln ausgegraben. Im Schweiße ihres Angesichts tragen die Naturschützer:innen Kubikmeter um Kubikmeter an Stämmchen, Ästen und Laub zum Sammelplatz, auf dem sie dann in Ruhe verrotten dürfen.

Durch die Kinder die Eltern erreichen

Die Umweltbaustelle in Pfaffstätten wurde im Jahr 2018 eingerichtet und findet seither jeden Sommer statt. Sie geht auf eine Graswurzelbewegung im wahrsten Sinn des Wortes zurück. Am Anfang war der im Jahr 2000 gegründete Verein der Freunde der Perchtoldsdorfer Heide, den naturinteressierte Senior:innen bildeten, erzählt Drozdowski, die seit 2003 mit dabei ist. 2017 entstand daraus der Landschaftspflegeverein, der mittlerweile in 25 Gemeinden entlang der Thermenlinie aktiv ist. Für die Umweltbaustelle wurde der Alpenverein mit ins Boot geholt, um dessen Strukturen nutzen zu können. „Damit erreichen wir um ein Vielfaches mehr Interessierte. Vor allem versuchen wir aber, die Bevölkerung vor Ort zu motivieren und emotional an die Sache zu binden. Viele wissen ja gar nicht, was für wertvolle Naturflächen sie hier haben“, stellt die Vereinsobfrau fest. Auch dem Pfaffstättener Bürgermeister, der nun voll hinter dem Projekt steht, auch mit finanzieller Unterstützung, musste dessen Wert erst einmal erklärt werden. Drozdowski zieht einen Vergleich zu Kulturschätzen, um die Wertigkeit deutlich zu machen: „Da gibt es irgendwo eine kleine Dorfkirche, und es gibt den Stephansdom. Die Trockenrasen sind der Stephansdom und nicht die Dorfkirche.“

Frau mit Schutzkleidung und Helm die eine Motorsäge in der Hand hält und einen Baum beschneidet
Zwischendurch muss auch die Motorsäge ran.
© Gregor Kuntscher

Dank der Umweltbaustelle hat auch der regionale Landschaftspflegeverein Mitgliederzuwachs bekommen. Da ist zum Beispiel die Praktikantin Nora Petermair (20), die an der Boku Umwelt- und Bioressourcenmanagement studiert. Die Umweltbaustelle erinnert sie an ihre Volksschulzeit, als sie bei einem ähnlichen Projekt im Biosphärenpark mitmachte. Kinder sind auch in Pfaffstätten bald wieder im Einsatz, und zwar bei den sogenannten Pflegetagen im Oktober. Die Beteiligung der Schulklassen hat aus Sicht der Vereinsobfrau doppelten Wert: „Kinder sind Multiplikatoren. Wenn wir sie erreichen, erreichen wir auch die Erwachsenen.“

Mehr Wertschätzung für grüne Jobs

Für ihr Studium, meint Petermair, kann sie in der freien Natur einiges mitnehmen. „Ich würde mir mehr Praxis wünschen. An der Uni habe ich nicht so viel gelernt wie beim Landschaftspflegeverein, glaube ich.“ Auf die Frage, ob sie mit ihrem Studium konkrete Jobaussichten hat, gibt sie freimütig zu, dass auch viel Idealismus dabei ist. Denn Green Jobs sind zwar derzeit in aller Munde. Das bedeutet aber nicht, dass auch jene, die sie ausüben, etwas davon haben. Zumindest wenn es um richtig grüne Jobs – im wahrsten Sinn des Wortes – abseits von Photovoltaikmontage und Smarter Energietechnik geht, wie die als Selbständige tätige Biologin Drozdowski aus eigener Erfahrung berichten kann. „Wir leiden schon darunter, dass der Naturschutz unterfinanziert ist. Eigentlich sollte er als Leistung an der Gesellschaft betrachtet werden, die etwas wert ist – und deshalb auch entsprechend finanziert werden. Irgendwie wird oft davon ausgegangen, dass wir das eh gern machen und uns deshalb gratis engagieren.“

Wir leiden schon darunter, dass der Naturschutz unterfinanziert ist.
Irene Drozdowski

Dabei hat der Natur- und Artenschutz einen hohen Stellenwert in der österreichischen Bevölkerung, wie eine Umfrage aus dem Februar 2023 zeigt: Ganze 93 Prozent der von Marketagent in Kooperation mit der Arche Guntrams Befragten sehen es als Pflicht des Menschen, die Natur zu schützen. Mit 91 Prozent ist auch der Anteil jener sehr hoch, die der Ansicht sind, dass wir die Natur nur so nutzen dürfen, dass dies auch für kommende Generationen im gleichen Umfang möglich ist. Und auch die 57 Prozent, die meinen, dass es eine radikale Kehrtwende in unseren Lebensgewohnheiten und Ansprüchen braucht, stellen eine recht große Gruppe unter den 1.002 Befragten dar.

„Es macht etwas mit einem“

Dass sich etwas ändern muss, steht auch für die Teilnehmer:innen der Umweltbaustelle fest. Deshalb hat das Konzept die 21-jährige Rima Fischer aus St. Pölten sofort überzeugt: „Gerade junge Leute sind oft sehr überfordert mit der aktuellen Situation, da fühlt man sich sehr schnell wie gelähmt. Da ist es umso schöner, dass man hier mit anpacken und konkret etwas tun kann für eine bessere Zukunft. Und dass man mit eigentlich relativ wenig Arbeit sehr viel bewirken kann für die Artenvielfalt. Es macht etwas mit einem selbst, das zu erleben.“ Ein Faktor ist sicher auch die gemeinsame Unterbringung im nahen Jugendhotel, wo in der Freizeit neue Kontakte geknüpft werden.

Erste Telefonnummern hat Charlotte Toth schon ausgetauscht. DIe 24-Jährige ist eigens aus Budapest angereist und hat sich extra eine Woche Urlaub genommen. Schon am zweiten Tag ist für sie klar: „Ich möchte so etwas später auch bei uns in Ungarn etablieren. Bei uns gibt es zwar sehr viele Naturschutzgebiete, aber bei den Jungen spielt der Umweltschutz leider kaum eine Rolle. Das ist eher eine Sache von Senioren.“

In Pfaffstätten haben ja auch Ältere den Grundstein gelegt. Nun aber sind die Jungen dran. Und die haben nach den sieben Tagen Umweltbaustelle einen halben Hektar neuen alten Trockenrasen geschaffen. Der soll nun dauerhaft offen bleiben, zum Wohle der Artenvielfalt.


Infos und Quellen

Genese

WZ-Redakteur Mathias Ziegler war schon als Kind in den Bergen unterwegs, insbesondere in den Hohen Tauern. Am Konzept der Umweltbaustelle hat ihn der Zugang fasziniert, die Natur durch aktives Eingreifen zu schützen, statt sie sich selbst zu überlassen. Und dass Trockenrasen, anders als ihr Name vermuten lässt, offenbar eine Oase für Pflanzen und Insekten sind.

Gesprächspartner:innen

  • Irene Drozdowski, Biologin, Obfrau des Landschaftspflegevereins Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken und Leiterin der Umweltbaustelle in Pfaffstätten

  • Rima Fischer, Studentin, Teilnehmerin der Umweltbaustelle in Pfaffstätten

  • Felix Hohn, Mitarbeiter des Landschaftspflegevereins Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken und Teilnehmer der Umweltbaustelle in Pfaffstätten

  • Monika Kriechbaum, Professorin am Institut für Integrative Naturschutzforschung an der Universität für Bodenkultur Wien

  • Nora Petermair, Studentin, Praktikantin beim Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken und Teilnehmerin der Umweltbaustelle in Pfaffstätten

  • Charlotte Toth, Mitarbeiterin eines ungarischen Informatikunternehmens, Teilnehmerin der Umweltbaustelle in Pfaffstätten

Daten und Fakten

  • Die ersten Umweltbaustellen wurden Anfang der 1980er Jahre von der Alpenvereinsjugend eingerichtet. Deren damaliger Leiter Luis Töchterle wollte beweisen, dass es den Jungen nicht bloß ums Bergsteigen ging, sondern auch um die Natur. Daraus entstanden zwei Umweltbaustellen auf Grundeigentum des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV): eine an der Gamsgrube, im Kärntner Teil des heutigen Nationalparks Hohe Tauern, und die andere am Schlatenkees im Innergschlöss in Osttirol. Das Grundeigentum in Kärnten erwarb der ÖAV mit einer doppelten Widmung: Zum einen sollte er die Begehbarkeit und damit die Besteigbarkeit des Großglockners sichern, zum anderen aber auch den Naturschutz. Folgerichtig wurde im Rahmen dieser ersten Umweltbaustelle ein Weg, der quer durch das Sonderschutzgebiet Gamsgrube führte, zurückgebaut. Zu den Umweltbaustellen kamen im Jahr 2001 Bergwaldprojekte nach einem Schweizer Vorbild dazu. So wurde jüngst im Bergsteigerdorf Innervillgraten von einigen Freiwilligen ein Schutzwald saniert, dem Borkenkäfer und Schneedruck zu schaffen gemacht hatten. Die Zielgruppe für diese Projekte sind jene, die den Umweltbaustellen vom Alter her „entwachsen“ sind, wobei es aber auch Familienbergwaldprojekte mit Kindern gibt. Zwischen Mai und Oktober laufen mittlerweile jedes Jahr 35 und beziehungsweise 40 Projektwochen des Österreichischen Alpenvereins im Rahmen der Umweltbaustellen und Bergwaldprojekte. Die Teilnehmer:innen bekommen dabei freie Kost und Logis und sind gemeinsam je nach Örtlichkeit in einer Berghütte oder eben wie in Pfaffstätten in einem Jugendhotel untergebracht.

  • Der Alpenverein verfolgt laut eigener Aussage einen anthropozentrischen Naturschutz – im Mittelpunkt steht also der Mensch. In der Praxis bedeutet das, die Natur zu schützen, aber eben auch zu nutzen. Das war auch das Leitmotiv von Albert Wirth, einem der Gründerväter des Nationalparks Hohe Tauern. Der ÖAV hat durch seinen Status als Naturschutzorganisation auch oft eine Parteienstellung bei Umweltverträglichkeitsprüfungen und hat unter anderem mehrere Skigebietserweiterungen mitverhindert. Vor drei Jahren wurde das langfristige Projekt „RespektAmBerg“ ausgerollt, um den Menschen „den respektvollen Umgang mit einem Lebensraum näherzubringen, der uns nicht alleine gehört“, wie es heißt.

Quellen

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