Zum Hauptinhalt springen

USA – Land der alten Kaiser und neuen Könige

4 Min
WZ-Redakteur Michael Schmölzer blickt alle zwei Wochen zurück und zeigt auf, warum Historisches auch heute relevant ist.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Wiki Commons.

Donald Trump gefällt sich in der Rolle eines Monarchen. Schon vor ihm gab es schillernde Persönlichkeiten, die die Vereinigten Staaten von Amerika in ein Königreich umwandeln wollten.


Donald Trump zu Besuch bei King Charles III: Der US-Präsident war letzten September sichtlich in seinem Element, denn die britischen Royals zogen alle Register. Es gab einen pompösen Empfang in Windsor, eine Militärparade mit 120 Pferden, 1.300 Soldaten und Kutschenfahrt inklusive. Am Abend stand ein Staatsbankett auf dem Programm, Trump durfte sogar neben Prinzessin Kate sitzen. Es wurden milliardenschwere Wirtschaftsabkommen zwischen den USA und Großbritannien unterzeichnet, denn Trump liebt nicht nur autoritäre Machthaber, sondern auch die, die sich mit royalem Pomp umgeben.

Seine Hoheit, Donald I.

Biograf:innen attestieren dem amtierenden US-Präsidenten stark narzisstische Charakterzüge und es liegt nahe, dass Trump sich in gewisser Weise selbst für eine Art König hält. Er lässt zu seinem Geburtstag in Washington im großen Stil Militär paradieren, einen Teil des Weißen Hauses niederreißen und einen üppigen Ballsaal errichten, wo er offenbar fürstlich zu feiern gedenkt. Und er spielt zumindest mit der Idee, nach zwei Amtszeiten nicht abzudanken, wie es in der US-Verfassung vorgesehen ist. Wahlen, die er nicht gewinnt, gelten für ihn nicht.

Trumps Attitüden sind zutiefst unamerikanisch, schließlich war der Grundgedanke der Staatsgründung im späten 18. Jahrhundert ein demokratischer. Die in Europa von Adel, anderen Potentat:innen und Klerikern Geknechteten flohen über den Ozean ins Land der Freiheit und der gleichen Chancen für alle. Blaues Blut galt hier traditionell nichts.

Exzentriker mit Tradition

Doch das stimmt nicht: Trump ist keineswegs der erste US-Amerikaner, der sich als König inszeniert. Er ist nur der erste Möchtegern-Cäsar, der vom Volk, also in dem Fall den Untertanen, zum Präsidenten gewählt wurde. In den Geschichtsbüchern sind eine ganze Reihe von „US-Königen“ vermerkt, Exzentriker, die die Vereinigten Staaten in eine Monarchie umwandeln wollten. Der Auffälligste unter ihnen war ein gewisser Joshua A. Norton, geboren Anfang des 19. Jahrhunderts, der in San Francisco zunächst ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann war, bis er durch einen missglückten Deal alles verlor und darüber wahnsinnig wurde. Er hielt sich hinfort für einen König, kleidete und benahm sich entsprechend und die Amerikaner:innen nahmen das dankbar an. Sie hofierten ihn, salutierten, wenn sie ihn auf der Straße trafen und schrieben Huldigungsbriefe im Namen europäischer Könige. Nortons „kaiserlichen Erlasse“ wurden von den Zeitungen abgedruckt und waren sehr populär. Unter anderem verfügte er die Auflösung des US-Kongresses und den Bau einer riesigen Brücke über die San Francisco Bay. Als Norton der I, König der USA, 1880 starb, versammelten sich 10.000 Menschen in San Francisco zu seinem Begräbnis.

Von Lucky Luke überwältigt

Die Schöpfer des beliebten Comichelden Lucky Luke, Morris und Goscinny, setzten Joshua A. Norton 1976 mit dem Band „Der Kaiser von Amerika“ ein Denkmal. Darin geht es um Dean Smith, einen steinreichen Viehzüchter, der sich für den Kaiser von Amerika hält und an sich harmlos ist. Die Bürger:innen des Wildwest-Kaffs Grass Town lieben ihn, bis er unter dem Einfluss des Ganoven Buck Ritchie beginnt, einen angeblichen Aufstand gegen seine Person mit seiner Privatarmee niederschlagen zu lassen. Morris und Goscinny konnten damals nicht wissen, dass 2025 ein gewisser Trump tatsächlich die Nationalgarde mobilmachen würde, um „den Feind im Inneren“ zu bekämpfen.

Smith nimmt, wie sein großes Vorbild Napoleon, ein schlechtes Ende. Letzterer stürzte nach der Schlacht von Waterloo, ersterer wird von Lucky Luke überwältigt. Dean Smith geht, von seinen Getreuen verlassen, ins Exil nach Mexiko. Auch für Trump fände sich sicherlich irgendwo ein Land, das ihn als Ex-König gerne aufnähme.


Dir hat dieser Beitrag besonders gut gefallen, dir ist ein Fehler aufgefallen oder du hast Hinweise für uns - sag uns deine Meinung unter feedback@wienerzeitung.at. Willst du uns helfen, unser gesamtes Produkt besser zu machen? Dann melde dich hier an.


Infos und Quellen

Daten&Fakten

  • Wie es einem regierenden Kaiser entspricht, erließ Joshua A. Norton Weisungen in Staatsangelegenheiten, die in den Tageszeitungen von San Francisco erschienen. Er erklärte beispielsweise, dass nach der Machtübernahme durch einen Monarchen eine andere gesetzgebende Gewalt, also der US-Kongress, überflüssig sei, und erließ am 12. Oktober 1859 einen Erlass zu seiner Auflösung. Auch die republikanische und demokratische Partei verbot er in der Folge.
  • Die „Amtsausübung“ Nortons verlief nach einer gut dokumentierten Routine: Oft inspizierte er seinen Regierungssitz, also die Straßen von San Francisco, in einer kunstvollen blauen Uniform mit goldenen Schulterstücken, welche er von Offizieren eines nahen Armeestützpunkts erhalten hatte. Er wurde von Zeitgenossen als höflicher und gutmütiger Mann beschrieben.

Quellen

  • Lucky Luke, Band 57 „Der Kaiser von Amerika“, 1976 erschienen unter den französischen Titel „L’empereur Smith“, Morris und Goscinny
  • Wikipedia: Joshua A. Norton

Das Thema in anderen Medien

Ähnliche Inhalte