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Volle Mistkübel

3 Min
Ein Foto eines überfüllten Mistplatzes der Stadt Wien mit illegalen Müllablagerungen.
Richtiges Mülltrennen ist offenbar schwierig.
© Klaus Titzer / picturedesk.com

Seit 1. Jänner werden alle Plastik- und Metallverpackungen in der gelben Tonne gesammelt. Seither gehen die Tonnen über. Woran liegt das?


Sandra W. steht vor einer gelben Tonne in Wien und schnaubt. In der Hand hält sie einen großen Sack mit Metalldosen, Joghurtbechern, Fetzen alter Frischhaltefolie. Vor ihr eine gelbe Tonne. Sie quillt über. Da geht nichts mehr hinein. Was tun? Zurücktragen? Daneben stellen? Eine andere Tonne suchen? Sandra macht kurzen Prozess – ab in den Restmüll. 

Seit 1. Jänner werden alle Plastik- und Metallverpackungen in der gelben Tonne gesammelt. Nicht mehr nur Plastikflaschen und Metalldosen, sondern auch Butterpapier und Obstnetze. Vieles, was früher im Restmüll landete, muss jetzt in die gelbe Tonne, was eine Vervielfachung dieser Müllsorte zur Folge hat. Der Restmüll ist dagegen weniger geworden – außer vollen Windeln, alten Zahnbürsten und Schwämmen bleibt wenig übrig. Die Menschen haben ihre Mistkübel unter der Abwasch längst getauscht: für den Restmüll den kleinen, für die Verpackungen den großen. 

Die MA 48, die für die Abfallwirtschaft der Stadt Wien zuständig ist, hat das nicht getan. Die Restmüll-Tonnen sind weiter in der Überzahl. In jedem Innenhof und Müllraum stehen sie. Rund 220.000 gibt es in der Stadt. Gelbe Tonnen sind hingegen in der Minderheit. Mit rund 18.000 müssen die Wiener:innen auskommen. Knapp die Hälfte steht an sogenannten Altstoffsammelpunkten im öffentlichen Raum – also dort, wo auch Glas entsorgt wird. 

Die Löcher sind viel zu klein"

Ein Rundgang der WZ Anfang Juni zeigte, dass sie oft überfüllt sind. Aus den Einwurflöchern schauen Flaschen heraus, an den Tonnen lehnen Müllsäcke. Die Löcher der Tonnen sind viel zu klein. Ein gefüllter Müllsack geht da nicht hinein“, sagt eine Passantin im 16. Bezirk. Sie wirft ihren Mist nur in gelbe Tonnen mit offenem Deckel. In einer Wohnhausanlage im 3. Bezirk stehen gar zehn Restmülltonnen nur einer gelben Tonne gegenüber. Ein Vater dreier Kinder schüttelt den Kopf: „Das geht sich nicht aus.“ Tatsächlich werden aber auch Tonnen dazugestellt. Im 14. Bezirk wurde an einem Sammelpunkt die Anzahl auf vier verdoppelt. „Damit ihr euch leichter tut’s“, ruft der MA-48-Mitarbeiter freundlich, während er den Gehsteig kehrt. Zwei Wochen später sind auch diese voll. 

Die MA 48 gibt an, dass aktuell keine Erhöhung der Anzahl der Tonnen in Wien geplant sei. Grund dafür ist das mit 1. Jänner 2025 in Kraft tretende Pfandsystem in Österreich. Ab dann gibt es für alle Einweggetränkeflaschen und -dosen einen kleinen Betrag, wenn man sie zurückgibt. Dadurch sollte der Inhalt für die gelbe Tonne wieder weniger werden. Doch was passiert bis dahin?

Sammelfahrzeuge am Limit

„Überfüllte oder volle gelbe Tonnen bitte an uns melden“, heißt es auf Anfrage. Die MA 48 weist auf die Nummer des Misttelefons hin, die auf jeder Tonne zu lesen ist: 01 546 48. Bei Bedarf würde die Anzahl erhöht, sollten die bestehenden Behälter überfüllt sein. Auch die Entleer-Intervalle haben sich seit Jänner verkürzt. „Seit der Umstellung verzeichnen wir um 17 Prozent mehr Entleerungen der gelben Tonne. Es sind ein Sammelfahrzeug mehr pro Tag unter der Woche und zusätzliche drei Sammelfahrzeuge am Samstag im Einsatz. Bis Jänner waren samstags keine Sammelfahrzeuge für die gelbe Tonne unterwegs“, heißt es seitens der Müllabfuhr. Nur reicht das?

In den betroffenen Bundesländern wurden zusätzliche gelbe Säcke verteilt, also in Wien, Niederösterreich, Salzburg und Kärnten. In der Steiermark, Tirol, Vorarlberg und dem Burgenland ist es 2023 zu keiner Änderung gekommen. Diese Bundesländer sammeln bis 2025 Leicht- und Metallverpackungen noch getrennt. In Oberösterreich kommen je nach Region beide Systeme zum Einsatz.

„Es geht sich aus“, so der allgemeine Tenor seitens der Stadtverwaltung, MA 48 und Altstoff Recycling Austria (ARA), dem österreichischen Sammel- und Verwertungsunternehmen für Verpackungen. Ob mit dem gesammelten Volumen auch die geforderte Plastikverpackungs-Recyclingquote von 50 Prozent bis 2025 erreicht werden kann, ist allerdings offen.