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Die globalen Butterpreise haben ein Allzeithoch erreicht. Der Milchmarkt befindet sich im Wandel und Käse ist für die Produzenten das lukrativere Geschäft.
Wer in letzter Zeit ein Schnittlauchbrot in einem Wiener Hipster-Café konsumiert hat, fragt sich vielleicht, ob Brot, Schnittlauch oder Butter zu Luxusgütern geworden sind. Bis zu 8,90 Euro werden dafür schon mal verlangt, wie ein Preisvergleich im Standard kürzlich zeigte.
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Tatsächlich verzeichnete zumindest eine Zutat in den vergangenen Monaten eine massive Preissteigerung: Butter. So erreichte der globale Butterpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Juni 2025 mit 225 Punkten einen neuen Rekordwert. Im Vergleich zum Juni des Vorjahres stieg der Wert um 17,2 Prozent.
Doch was bedeutet das in konkreten Zahlen? Laut der Marktbeobachtungsstelle der EU-Kommission kosteten 100 Kilogramm Butter in der EU Anfang Januar 2024 549 Euro, Anfang Juli 2025 739 Euro. Im österreichischen Lebensmittelhandel kostet eine Teebutter laut dem Preismonitoring der Arbeiterkammer Wien 22 Prozent mehr als vor einem Jahr und sogar 64 Prozent mehr als im September 2021. Bei den großen Supermarktketten gibt es 250-Gramm-Packungen derzeit ab 2,39 Euro, was einem Kilopreis von 9,56 Euro entspricht und somit höher ist als der EU-Durchschnittspreis.
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Eingebremste Milchproduktion
In unseren Einkaufskörben sind mehrere globale Entwicklungen spürbar: Die FAO führt das Rekordhoch des Butterpreises unter anderem darauf zurück, dass die Milchverarbeiter in den vergangenen Jahren die Produktion von Käse priorisiert haben, da sich damit höhere Gewinne erzielen lassen. Bei den größten Butterexporteuren Neuseeland und der EU herrscht Versorgungsknappheit. In der EU wurde die Milchproduktion durch neue Umweltvorschriften gedrosselt, Milchbäuer:innen müssen ihre Herden verkleinern. Auch der Ausbruch der Blauzungenkrankheit, einer Viruserkrankung bei Rindern, Schafen und Ziegen, erschwerte di erschwerte die Milchproduktion im vergangenen Jahr.
Der Milchmarkt ist also vor allem in Europa in Bewegung. Die EU ist neben Neuseeland der größte Butterexporteur. Obwohl der globale Handel mit Butter laut FAO dieses Jahr um knapp 1 Prozent wachsen wird, rechnet die Organisation mit einem Einbruch der EU-Exporte um 15 Prozent – wohl auch wegen des hohen Preisniveaus. Auch die EU-Kommission meldete schon für die ersten zwei Monate des aktuellen Jahres einen Exportrückgang von 11 Prozent. Dafür steigt die Butterproduktion wieder: Von Januar bis April wurde in der EU 1 Prozent mehr Butter hergestellt als im Vergleichszeitraum 2024
Preisniveau steigt weiter
Ein Ende des Preisanstieges sieht die FAO noch nicht, Milchprodukte werden den Prognosen zufolge immer teurer. Die Hitzewellen könnten die Milchproduktion ebenfalls negativ beeinflussen, und der globale Handelskonflikt könnte den Handel mit Butter weiter verändern. Doch auch wenn es sich beim Wochenendbrunch oder beim Wocheneinkauf nicht so anfühlt – nicht alles wird teurer. Die globalen Preise für Zucker und Getreide sind laut dem FAO-Preisindex derzeit rückläufig.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Der globale Butterpreisindex der Vereinten Nationen erreichte im Juni 2025 mit 225 Punkten sein Allzeithoch.
- 100 Kilogramm Butter kosten in der EU derzeit 739 Euro, 34,6 Prozent mehr als Anfang 2024.
- Die EU zählt zu den größten Butterexporteuren, die Exporte könnten in diesem Jahr allerdings um 15 Prozent zurückgehen.
Quellen
- fao.org: FAO Food Price Index
- fao.org: FAO Food Outlook Juni 2025
- ec.europa.eu: European Milk Market Observatory Dashboard der EU-Kommission
- agriculture.ec.europa.eu: Historische Daten des European Milk Market Observatory
- wien.arbeiterkammer.at: AK Wien Preismonitor
- Der Standard: Was ein Schnittlauchbrot in Wien kostet
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