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Wir kaufen wieder mehr Autos, aber weniger Benziner und Diesel. Die deutschen Autobauer hoffen trotzdem auf eine Zukunft mit Verbrennungsmotoren.
Es war eine Entscheidung, die bekämpft wurde, sobald sie getroffen wurde. Im Oktober 2022 verkündete die Europäische Union das Aus für Verbrennungsmotoren bis zum Jahr 2035. Danach dürften nur mehr Gebrauchtwagen mit Benzin- oder Dieselmotor verkauft werden. Drei Jahre und viel Widerstand später steht das Aus des Verbrenner-Aus bevor – und das, obwohl die EU ambitionierte Klimaziele hat. Wie kam es so weit?
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Deutschlands Autobranche übt Druck aus
Seit dem Beschluss des Verbrenner-Verbots arbeiten Vertreter:innen der Automobilbranche und von Ländern, deren Wirtschaft stark davon abhängig ist, daran, es zu kippen. So sprach sich beispielsweise der damalige österreichische Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) im Jahr 2023 für eine Zukunft mit Verbrenner-Autos aus. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist wohl der einflussreichste Unterstützer des Verbrennungsmotors: Nach einem Strategiedialog mit der Automobilindustrie Ende November forderte er die EU-Kommission auf, den Verbrennungsmotor auch nach 2035 noch zuzulassen, um der Branche den Umstieg zu erleichtern.
Keine zwei Wochen später dürfte der Ruf aus der Autonation Deutschland Wirkung gezeigt haben. In der zweiten Dezemberwoche behauptete Manfred Weber, Vorsitzender der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament, die EU-Kommission werde einen konkreten Vorschlag zur Abschaffung des Verbrenner-Verbots vorlegen. Dem folgte die EU-Kommission diese Woche und gab die Abkehr von den ursprünglichen Zielen bekannt. Während Merz und andere Politiker:innen diesen Kurswechsel bereits begrüßen, gibt es laut Berichten aus anderen Ländern Widerstand: Spanien etwa bat die EU-Kommission, am Verbot der Verbrennungsmotoren festzuhalten.
EU-Klimaziele mit Kompromissen
Der Streit findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem die EU weitere Klimaziele festlegt: Bis zum Jahr 2040 will die Union ihre Treibhausgas-Emissionen um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Der entsprechende Beschluss im Rahmen des Klimagesetzes soll sicherstellen, dass die Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 erreicht wird. Das Verbrenner-Aus wäre eine der Maßnahmen für dieses ambitionierte Ziel. Abschwächungen und Kompromisse werden nicht nur in der Automobilbranche, sondern auch in anderen treibhausgasintensiven Branchen erwartet.
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WZ Weekly
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Der Druck aus Deutschland ist nachvollziehbar, wenn man sich die Geschäftsentwicklung der Autokonzerne ansieht. Alle melden Gewinnrückgänge, Volkswagen macht sogar Milliardenverluste. Die Gründe dafür liegen jedoch nicht nur in der Transformation zu alternativen Antriebsformen, sondern auch im Zollstreit mit den USA sowie in der steigenden Konkurrenz aus anderen Märkten. So ist der Marktanteil chinesischer Autohersteller im dritten Quartal laut einer Analyse des Beratungsunternehmens EY um 11,4 Prozent gestiegen, während die deutschen Autobauer im Vergleich zum Vorjahresquartal 0,4 Prozent Marktanteil verloren haben.
Verbraucher:innen setzen auf Hybrid und E-Autos
Zumindest auf Verbraucher:innenseite gibt es einen Aufschwung für den Automarkt. In Österreich gab es bis November 2025 um 13,1 Prozent mehr Pkw-Neuzulassungen als im Vorjahreszeitraum. Es findet jedoch ein Umdenken statt: Hybrid-Fahrzeuge sind mit einem Plus von 49,5 Prozent die größten Gewinner, gefolgt von E-Autos mit 38,8 Prozent. Zeitgleich gingen die Neuzulassungen von Diesel-Pkws um 24,2 Prozent zurück, bei Benzinern um 4,2 Prozent.
Eine spekulierte Abschwächung des Verbrenner-Verbots wäre es, Hybridfahrzeuge weiter zu genehmigen. Doch selbst wenn wieder mehr Pkw verkauft werden und das Auto noch lange nicht von der Straße verschwinden wird, hätten die Hersteller in einer Zukunft mit Verbrennungsmotoren immer noch genug Probleme. Um mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können, ist vor allem Innovation notwendig.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Nach Druck aus Deutschland scheint die EU bereit für Kompromisse beim Verbrenner-Verbot ab 2035 zu sein.
- Deutsche Autohersteller haben im dritten Quartal leicht Marktanteile verloren, während chinesische Hersteller den größten Zuwachs verbuchen konnten.
- In Österreich wurden von Januar bis November 13,1 Prozent mehr Pkw zugelassen als im Vorjahreszeitraum.
- Bei den Neuzulassungen von Benzinern ging es um 4,2 Prozent nach unten, bei Dieselautos sogar um 24,2 Prozent.
Quellen
- Politico: Political battles swirl over the fate of Europe’s car industry
- EU-Parlament: 2040 climate target: deal on a 90% emissions reduction in EU climate law
- Deutsche Bundesregierung: Die Weichen für eine wettbewerbsfähige Autoindustrie stellen
- Statistik Austria: Kfz-Neuzulassungen November 2025
- Handelsblatt: Deutsche Autobauer mit niedrigstem Quartalsgewinn seit 2009
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