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Warum du lieber noch kein E-Auto kaufen solltest

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Mit dem geplanten Verbrenner-Verbot ab 2035 sollte die EU für die notwendige Infrastruktur zum Ausbau der Elektromobilität sorgen.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Adobe Stock

Der erste E-Auto-Boom ist vorbei, die Neuzulassungen sinken. Für die leichte Krise bei der Elektromobilität gibt es mehrere Faktoren, unter anderem die Kritik am Verbrenner-Aus.


Tesla verliert: Lange war die Automarke Vorreiter und Marktführer bei der Elektromobilität.Doch vor einigen Monaten hat sich das Blatt gewendet. Im ersten Quartal verkaufte Tesla um 13 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Das erste Mal seit vier Jahren sinken die Verkaufszahlen. Es ist eine Entwicklung, die nicht nur den US-Hersteller betrifft, auch bei Volkswagen brach der Verkauf von E-Autos in Europa um 24 Prozent ein. Haben wir den Zenit bei Elektromobilität erreicht?

Rückgang bei Neuzulassungen

Ein Blick auf die Neuzulassungen bei Pkws in Österreich spiegelt die Absatzflaute jedenfalls wider: 17,1 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge waren laut Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEO) im ersten Quartal E-Autos – um 3,9 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. E-Autos machen hierzulande laut Statistik Austria nur drei Prozent des gesamten Autobestandes aus. Ähnlich sieht der Trend in Deutschland aus, hier haben 18,2 Prozent der Neuwagen im ersten Quartal einen Elektroantrieb und somit um 4,5 Prozent weniger als im ersten Quartal 2023.

Dabei werden insgesamt nicht weniger Pkws zugelassen, in Österreich stagnieren die Neuzulassungen. Noch mehr als E-Autos sanken immerhin reine benzinbetriebene Pkws. Bei sogenannten Hybrid-Autos, die Verbrenner und Akku kombinieren, gab es hingegen ein Plus von 19,5 Prozent.

Mangelnde Lade-Infrastruktur

Der Hybrid-Boom könnte ein Hinweis auf ein Problem sein, warum heimische Autofahrer:innen momentan beim reinen E-Motor zögern: die fehlende Infrastruktur zum Aufladen der Akkus. In Österreich fahren laut dem Bundesverband Elektromobilität Österreich (BEÖ) aktuell rund 160.000 E-Autos. Für sie stehen rund 22.100 öffentliche E-Ladepunkte (Stand Ende 2023) zur Verfügung. Die meisten davon, 4.854 Ladestationen, befinden sich in Niederösterreich, die Stadt Wien verfügt über knapp 3.000 Ladepunkte. Der Ausbau der Lade-Infrastruktur wird vor allem von Tankstellenbetreibern vorangetrieben: Die Zahl der Stromladesäulen stieg laut der Branchenvertretung der Wirtschaftskammer im vergangenen Jahr um 57 Prozent.

Der europäische Branchenverband European Automobile Manufacturers’ Association (ACEA) warnte jedoch Ende April, dass der Ausbau der Ladesäulen zu langsam vorangehe. Die E-Auto-Verkäufe seien zwischen 2017 und 2023 dreimal schneller gewachsen als die Installationen von Ladepunkten. Derzeit gibt es laut ACEA insgesamt rund 630.000 öffentliche Ladestationen in der EU, es brauche bis 2030 aber 8,8 Millionen.

Ungewisse Verbrenner-Zukunft

Mit dem geplanten Verbrenner-Verbot ab 2035 sollte die EU für die notwendige Infrastruktur zum Ausbau der Elektromobilität sorgen. Doch die im Frühling 2023 beschlossene Verordnung steht kurz vor der EU-Parlamentswahl im Juni jetzt wieder zur Diskussion. Gegner:innen des Verbots für neue Pkws mit Benzin und Dieselmotoren machten zuletzt Stimmung für eine Aufweichung. Reinhold Lopatka, EU-Spitzenkandidat der ÖVP, stellt das Thema sogar ins Zentrum seines Wahlkampfes: Europas Autoindustrie solle zum Weltmarktführer bei Verbrennungsmotoren werden, fordert der Politiker.

Mit dem Kampf gegen das Verbrenner-Aus dürfte Lopatka einen Nerv treffen: Nur 24 Prozent halten in einer aktuellen Umfrage der Wiener Städtischen Versicherung unter 1.000 Personen das Verbot für sinnvoll, mehr als die Hälfte spricht sich dagegen aus. Der Preis ist für 70 Prozent der Befragten ein Hindernis beim Kauf eines E-Autos. Auch der EU-Rechnungshof kritisierte in einem Prüfungsbericht im April, dass die Preise für Endverbraucher:innen zu hoch seien, trotz der öffentlichen Förderungen. In Österreich wird der Kauf eines privaten E-Autos aktuell mit bis zu 5.000 Euro gefördert, Zuschüsse gibt es außerdem für private und öffentliche Ladeanlagen.

Hohe Anschaffungskosten in Zeiten hoher Inflation, zu langsamer Ausbau der Ladeinfrastruktur und ein Festhalten am Verbrenner: Diese Faktoren haben den E-Auto-Boom geschwächt, zumindest in Europa. In Asien und den USA sind Elektroantriebe einer Strategy&-Analyse noch immer Wachstumsmärkte. Die Autohersteller haben jedenfalls bereits reagiert, sowohl Tesla als auch Volkswagen haben die Preise für einige ihrer Modelle in den vergangenen Monaten reduziert. Dass sich internationale Mitbewerber wie die chinesische Marke BYD in den europäischen Markt wagen, dürfte zu noch mehr Wettbewerb bei der Preispolitik führen. Dann könnte zumindest die Kostenfrage bald keine Barriere für den Umstieg auf Elektromobilität mehr sein.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • 2023 wurden um 39,4 Prozent mehr E-Autos neu zugelassen als im Vorjahr, im ersten Quartal 2024 waren die Neuzulassungen jedoch rückläufig.

  • Pkws mit Elektroantrieb machen in Österreich drei Prozent des gesamten Autobestandes aus.

  • Mehrere Hersteller haben ihre Preise für E-Modelle aufgrund des sinkenden Absatzes bereits reduziert.

Quellen

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