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Warum Humor gesünder macht

4 Min
"Wissen wissen" ist eine Kolumne von Eva Stanzl. Darin ordnet sie aktuelle Themen aus Wissenschaft und Gesundheit ein.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Adobe Stock

Lachen fördert die mentale Gesundheit, besonders wenn man früh damit beginnt: Schon als Kind steigert der Humor in der Entwicklung die Stressresistenz. Und die ist insbesondere für junge Menschen wichtig.


    • Humor kann Gehirnwachstum, emotionales Wohlbefinden und Stressresistenz fördern.
    • Lachen senkt Stresshormone, stärkt das Immunsystem und verbessert das Gedächtnis.
    • Gemeinsames Lachen und Spielen fördert Bindungen.
    • Lachen erhöht Spiegel der Glückshormone Dopamin und Serotonin.
    • Humor stärkt das Immunsystem und verbessert das Gedächtnis.
    • Stress beeinträchtigt die Verknüpfung von Erfahrungen und Lernen.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Humor, Freude und Hoffnung sind nicht nur die Würze des Lebens, sondern offenbar auch grundlegende Zutaten für eine gesunde Entwicklung. Zu dieser Erkenntnis kommt die britische Neurowissenschaftlerin Jacqueline Harding. Sie erforscht, wie Lachen und Spielen zu einem gesunden Gehirnwachstum, emotionalem Wohlbefinden und der Fähigkeit, soziale Bindungen einzugehen, beitragen. Die Erkenntnis: Lachen kann schon Kindern helfen, Herausforderungen des Lebens zu bewältigen und besser mit Stress umzugehen.

„Wenn wir Kinder lachen sehen, erleben wir die Genialität des Gehirns in Aktion: Es lernt, verbindet sich und wächst“, schreibt Harding in einem Buch zum Thema. Die Basis ihrer Forschungsarbeiten sind Neuroimaging-Studien, Messungen von Herzfrequzenz und Atmung sowie Messungen des Hormonspiegels. Sie alle zeigen, wie komplex das Lachen in Wirklichkeit ist.

Babys lachen, bevor sie sprechen können

Babys lachen bereits, bevor sie sprechen können. Dabei aktiviert sich ein weit verzweigtes Netzwerk von Hirnregionen. Zu ihnen zählen das Zentrum für Motorik und der präfrontale Kortex, der als der Sitz der Persönlichkeit und als Steuerungszentrale für logisches Denken, Handlungsplanung, Impulskontrolle und Gefühlsregulation gilt. Lachen beeinflusst außerdem die Herzfrequenz, die Atmung und die Produktion von Antikörpern. Es senkt die Stresshormone Cortisol und Adrenalin und erhöht die Glückshormone Dopamin und Serotonin. Und es kann das Immunsystem stärken und das Gedächtnis verbessern, wie in dem Forschungsbuch erklärt wird.

Nehmen wir im Gegenzug die Auswirkungen von Stress. Laut einer Studie beeinträchtigen akute Stresssituationen die Fähigkeit, Erfahrungen und Erinnerungen mit neuem Input zu verknüpfen. Das Gehirn verbindet nämlich neue und alte Informationen miteinander, um Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Das Beispiel der US-Forscher:innen der University of Oregon: Wenn die beste Freundin eine leuchtend grüne Jacke besitzt und man an der Straße jemanden mit einer solchen Jacke sieht, könnte man daraus schließen, dass die Person die Freundin ist. In einer Stresssituation kann es jedoch passieren, dass man die beiden Informationen nicht verknüpft, weil das Gehirn anderweitig beschäftigt ist. Man bemerkt zwar die leuchtende Jacke auf der Straße, verbindet sie aber nicht mit der Freundin. Sollte sie es doch sein, wäre man völlig überrascht, wenn sie doch in ihr steckt und vor einem steht.

Stress blockiert Geistesblitze

Laut den Wissenschaftler:innen haben Menschen unter Druck eher mehr Schwierigkeiten, Einsichten oder Geistesblitze zu entwickeln, weil sie Informationen nicht zu logischen Schlussfolgerungen verknüpfen und das Gesamtbild nicht sehen. Anhaltender Stress wiederum wirkt sich bekanntermaßen negativ auf die körperliche und geistige Entwicklung aus. Er kann das Lernen beeinträchtigen, das Risiko für Stress im Erwachsenenalter erhöhen, die Immunfunktion unterdrücken und Krankheiten begünstigen.

Wie gut tut daher die Entspannung, die das Lachen bringt, könnte man sagen. Freilich sei das leichter gesagt als getan, räumt Harding ein. Denn manche Kinder müssen schon früh schwere Traumata verkraften. Doch selbst bei ihnen könne ein behutsames Einbringen von Spaß an einer Sache Freude und Hoffnung hervorrufen und dabei helfen, zumindest ein bisschen das Gefühl von Sicherheit zu entwickeln und offen für neue Erfahrungen zu werden. Ein Mittel dazu sei, mit den Kindern zu spielen. „Das Spielen ist ein Gegenmittel gegen Stress, weil es die Ausschüttung von Endorphinen im Gehirn erhöht. Es entfaltet seine größte Wirkung auf molekularer Ebene – besonders im frühen Leben, wenn das menschliche Gehirn besonders empfänglich ist“, hebt Harding hervor.

Humor als mentales Training

In jedem Fall kann gesagt werden, dass das Lachen eine wichtige Rolle für die Gehirnaktivität spielt, da es kognitiv anspruchsvoll ist, humorvolle Äußerungen richtig zu verstehen. Und das wiederum fördert die Anpassungsfähigkeit des Gehirns. Denn Humor erfordert, dass das Denkorgan Spannungen zwischen widersprüchlichen Ideen vorhersagen und auflösen kann. Neuroforscherin Harding sieht darin ein mentales Training, das kreatives Denken stärkt und das Arbeitsgedächtnis aktiviert.

Bei Eltern und Kindern kann Lachen außerdem die Ausschüttung des Glückshormons Oxytocin steigern und emotionale Bindungen stärken. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Eltern ununterbrochen Witze erzählen müssen – im Gegenteil: Es geht um Lachen mit Blickkontakt, Lächeln, körperliche Nähe und gemeinsame Aufmerksamkeit für eine Aufgabe, die die Verbindung fördern, was wiederum die Entstehung von Humor begünstigt und jungen Menschen ein Gefühl von Sicherheit gibt, Und dieses Gefühl macht wiederum mental resilienter und letztlich resistenter gegen Stress, heißt es.

Hoffen wir also, dass wir im Leben etwa zu Lachen haben. Denn insbesondere in schwierigen Situationen hilft es, so weit wie möglich weder die Welt noch sich selbst allzu ernst zu nehmen. Nicht ohne Grund soll beispielsweise auch Lachyoga das Immunsystem und die psychische Gesundheit fördern.



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Infos und Quellen

Daten und Fakten

Auch andere Tiere können Freude am Spaß haben. Etwa kitzeln Schimpansen-Eltern ihren Nachwuchs, der dabei kichert. Forscher:innen haben herausgefunden, dass bei den lachenden Affenkindern die gleichen Gehirnareale aktiv sind wie bei lachenden Menschen.

Quellen

  • The Brain that Loves to Laugh: A Visual Guide to Humour and Human Connection in the Early Years, von Jacqueline Harding, Routledge, 2026
  • Nature: Stress impairs your brain’s ability to link memories

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