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Der IT-Konzern hat als erstes börsennotiertes Unternehmen einen Marktwert von vier Billionen US-Dollar erreicht und damit andere große Tech-Brands überholt. Verantwortlich dafür ist die Strategie des CEOs und dessen Beziehung zu US-Präsident Trump.
Apple, Microsoft oder Amazon: Die meisten Menschen kennen die wertvollsten Unternehmen der Welt aus dem Alltag, ihre Produkte stehen auf unseren Schreibtischen oder wir nutzen sie zumindest regelmäßig. In den vergangenen Monaten stritten sich Apple und Microsoft um Platz eins, doch seit Anfang Juli hat Nvidia den höchsten Marktwert. Der IT-Konzern war – zumindest vor dem KI-Hype – im Gegensatz zu den anderen Playern nur tech-affinen Konsument:innen und Gamer:innen bekannt. Jetzt ist Nvidia das erste Unternehmen, das einen Marktwert von vier Billionen US-Dollar erreicht hat.
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Was der Börsenwert aussagt
Die Marktkapitalisierung ist die Kennzahl, mit der der Wert eines Unternehmens beschrieben wird. Im Englischen wird sie als „Market Cap” abgekürzt und beschreibt den aktuellen Börsenwert eines börsennotierten Unternehmens. Sie ergibt sich aus dem aktuellen Aktienpreis und der Anzahl der sich im Umlauf befindlichen Aktien.
Nvidia hat aktuell rund 24,44 Milliarden Aktien. Der Preis pro Aktie betrug am 11. Juli 2025 164,92 US-Dollar (142,16 Euro). Das ergibt eine Marktkapitalisierung bzw. einen Marktwert in Höhe von vier Billionen US-Dollar (3,45 Billionen Euro). Keine der Unternehmen, die in der Vergangenheit die höchste Marktkapitalisierung hatten, haben diese Schwelle bisher überschritten.
Vom Gaming- zum KI-Pionier
Warum hat ein Technologieanbieter die größten Marken der Welt überholt? Die kurze Antwort: Künstliche Intelligenz. Nvidia hat sich in den vergangenen Jahren als Infrastruktur für die Transformation zu einer KI-gestützten Welt positioniert, und das hat auch Investor:innen auf das Unternehmen aufmerksam gemacht.
Betrachtet man die Geschichte von Nvidia, ist der Aufstieg nicht so plötzlich passiert. Nvidia wurde 1993 von Jensen Huang gegründet, er ist auch heute noch Geschäftsführer. In den 1990er-Jahren war Nvidia vor allem für Grafikkarten bekannt, die speziell für PC-Spiele entwickelt wurden – und brachte 1999 den ersten Grafikprozessor auf den Markt. Ein Prozessor lässt sich einfach als die Rechenzentrale eines Computers erklären, und Nvidia konzentrierte sich damals auf besonders leistungsfähige Chips für die grafische Datenverarbeitung.
Zentraler Player bei internationalen KI-Rechenzentren
Der Name Nvidia ist vielleicht nicht so präsent wie der anderer Tech-Marken. Sehr wahrscheinlich hat jedoch jeder von uns schon einmal ein Gerät benutzt, in dem Nvidia-Technologie verbaut war. Zwar ist der Konzern noch immer stark im Gaming- und Grafikbereich vertreten, er kommuniziert heute aber besonders seine KI-Expertise nach außen und bezeichnet sich selbst als „Motor der weltweiten KI-Infrastruktur“. Mehr als 40.000 Unternehmen nutzen eigenen Angaben zufolge die KI-Lösungen des Konzerns für ihre Produktionsstätten. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im Januar endete, machte Nvidia einen Umsatz von 130,5 Milliarden US-Dollar. Der Großteil davon kam aus dem Geschäft mit KI-Datenzentren.
Zu den Kund:innen des in Kalifornien ansässigen Konzerns zählen nicht nur Tech-Riesen, sondern auch Autohersteller wie Volkswagen und Mercedes-Benz. In Deutschland baut Nvidia mit Unterstützung der Regierung und der Deutschen Telekom eine KI-Cloud für Industrieunternehmen. Die AI-Factory soll 2026 in Betrieb gehen.
Nvidia-Chef pflegt gute Beziehungen in die Politik
Im Vergleich zu anderen Projekten wirkt die deutsche KI-Cloud wie ein Nebenschauplatz: In den USA ist Nvidia beim Projekt „Stargate" beteiligt, bei dem in den nächsten Jahren 500 Milliarden US-Dollar in die KI-Infrastruktur investiert werden. Ein Vorhaben in derselben Größenordnung unterstützt die US-Regierung in den Vereinigten Arabischen Emiraten, auch hier ist Nvidia beteiligt. CEO Huang begleitete US-Präsident Donald Trump im Mai bei seiner Reise in den Nahen Osten – und diese Begleitung machte sich offenbar bezahlt. Der Nvidia-Chef pflegt seine Beziehung zur Staatsspitze weiterhin. So soll Huang vergangene Woche vor einer Geschäftsreise nach China Trump im Weißen Haus getroffen haben. Ein zentraler Punkt im Handelskonflikt zwischen den beiden Nationen ist nicht zuletzt der Einsatz von US-Chips in China.
Den richtigen Zeitpunkt beim KI-Boom erwischen, diesen offensiv nach außen kommunizieren und keine Berührungsängste mit kontroversen Märkten haben: Mit dieser Strategie ist Jensen Huang offenbar erfolgreich und hat Nvidia zum aktuell wertvollsten Unternehmen gemacht. Huang selbst ist laut dem Bloomberg Billionaires Index 144 Milliarden US-Dollar wert. Zu den Auswirkungen von KI sagte der CEO in einem CNN-Interview im Juli: „Alle Arbeitsplätze werden betroffen sein. Einige Arbeitsplätze werden verloren gehen, viele Arbeitsplätze werden geschaffen werden. Und ich hoffe, dass die Produktivitätssteigerungen, die wir in allen Branchen sehen, die Gesellschaft beleben werden.“
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Nvidia hat im Juli einen Marktwert von vier Billionen US-Dollar erreicht und ist das erste börsennotierte Unternehmen, das diese Schwelle überschreitet.
- Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Nvidia einen Umsatz von 130,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 114 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Der Konzern setzt aktuell KI-Projekte in Milliardenhöhe in den USA, Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten um.
Quellen
NASDAQ: Aktuelle Marktdaten der Nvidia-Aktie
Handelsblatt: Telekom und Nvidia planen Gigafactory für Firmen
Reuters: Nvidia CEO Huang to meet Trump before China trip, source says
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