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Warum jede:r Vierte Ende 20 noch bei den Eltern lebt

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Österreich liegt beim durchschnittlichen Auszugsalter unter dem EU-Schnitt. Doch die steigenden Wohnkosten und die Inflation könnten dazu führen, dass mehr junge Menschen im Haushalt der Eltern bleiben.


    • 26 Prozent der unter 30-Jährigen in Österreich lebten 2025 noch bei den Eltern, Männer bleiben länger als Frauen.
    • Junge Menschen sind stärker von Wohnkostenüberbelastung betroffen, besonders 20- bis 29-Jährige im Vergleich zur Gesamtbevölkerung.
    • Steigende Mieten und Inflation könnten das Auszugsalter in den nächsten Jahren weiter erhöhen.
    • 62,5 % der 20- bis 24-Jährigen lebten 2025 bei Eltern in Österreich
    • Durchschnittliches Auszugsalter in Österreich: 25,1 Jahre (EU: 26,2 Jahre)
    • Miete pro m² inkl. Betriebskosten: Q1 2025: 9,9 €, Q4 2025: 10,4 €
    • Überbelastungsrate Wohnkosten 2024: 6,7 % (20-24 J.), 9,9 % (25-29 J.)
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Du bist Mitte 20 und wohnst noch im Elternhaus? Dann bist du nicht allein, sondern gehörst zur Mehrheit. Im Jahr 2025 lebten laut einer Auswertung der Statistik Austria 62,5 Prozent der 20- bis 24-Jährigen in österreichischen Privathaushalten bei einem oder beiden Elternteilen. Bei den 25- bis 29-Jährigen waren es noch 23,7 Prozent. Das heißt, 26 Prozent der jungen Menschen unter 30 Jahren lebten im vergangenen Jahr noch zu Hause.

Männer bleiben länger im Elternhaushalt

Das durchschnittliche Auszugsalter liegt in Österreich laut Eurostat-Erhebung bei 25,1 Jahren. Damit ziehen Österreicher:innen früher aus dem Elternhaus aus als der EU-Durchschnitt, der bei 26,2 Jahren liegt. Innerhalb Europas werden große geografische Unterschiede deutlich: In Finnland ziehen Menschen im Durchschnitt mit 21,7 Jahren aus, in Kroatien mit 31,3 Jahren.

Auch wenn die Entwicklung der Lebenshaltungskosten in den vergangenen Jahren darauf hindeutet, dass junge Menschen später ausziehen, leben heute weniger junge Menschen bei den Eltern als noch vor 20 Jahren: Im Jahr 2005 lebten noch 29,4 Prozent der unter 30-Jährigen im Haushalt der Eltern. Während 71,6 Prozent der 20- bis 24-jährigen Männer damals noch bei den Eltern wohnten, waren es 2005 nur noch 67 Prozent. Bei den Frauen ist dieser Trend umgekehrt: Hier stieg die Zahl in der Altersgruppe von 52,1 auf 57,8 Prozent. In der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen leben 29,8 Prozent der Männer, aber nur 17,4 Prozent der Frauen noch bei den Eltern. Dieser Geschlechterunterschied lässt sich europaweit beobachten: In keinem Land ziehen Frauen im Durchschnitt später aus als Männer.

Junge Menschen mehr durch Wohnkosten belastet

Die Gründe, warum Menschen noch bei den Eltern wohnen, obwohl sie vermutlich schon ihre Ausbildung abgeschlossen haben, gehen zwar nicht aus den Zahlen für Österreich, aber aus der Eurostat-Auswertung hervor. So beeinflussen der Beziehungsstatus und darüber hinaus die Situation am Arbeitsmarkt und berufliche Perspektiven, ob Menschen noch im Haushalt der Eltern wohnen. Neben den kulturellen Gewohnheiten spielt nicht zuletzt das Geld eine Rolle, insbesondere die Wohnkosten.

Denn die Unabhängigkeit hat ihren Preis: Mit 11,7 Prozent sind die 20- bis 24-Jährigen innerhalb der EU stärker von einer finanziellen Überbelastung durch Wohnkosten betroffen als die Gesamtbevölkerung mit 8,2 Prozent. Von einer Überbelastung spricht man, wenn die Wohnkosten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens ausmachen. In Österreich lag die Überbelastungsrate in der Gesamtbevölkerung im Jahr 2024 bei 6,3 Prozent, bei den 20- bis 24-Jährigen bei 6,7 Prozent und bei den 25- bis 29-Jährigen bei 9,9 Prozent. Somit spüren auch hier junge Haushalte die Belastung durch Wohnkosten eher als ältere Erwachsene.

Mieten und Inflation steigen

Dieser Wert könnte künftig steigen, wenn man beachtet, dass die Inflation aktuell wieder steigt. Außerdem sind die Mieten spürbar gestiegen. So betrug die durchschnittliche Miete inklusive Betriebskosten pro Quadratmeter im ersten Quartal 2025 noch 9,9 Euro, im vierten Quartal waren es bereits 10,4 Euro. Angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten, die Kaufkraft und Haushaltseinkommen belasten, wäre es also nicht verwunderlich, wenn das Auszugsalter in den nächsten Jahren ansteigt.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die Zahl der Menschen, die noch – oder wieder – bei den Eltern leben, ist in den vergangenen 20 Jahren von 29,4 Prozent auf 26,0 Prozent zurückgegangen.
  • Bei den 25- bis 29-Jährigen in Österreich leben noch 29,8 Prozent der Männer und 17,4 Prozent der Frauen zu Hause.
  • 6,3 Prozent der Gesamtbevölkerung in Österreich sind von finanzieller Überbelastung durch Wohnkosten betroffen, bei den 25- bis 29-Jährigen sind es 9,9 Prozent.

Quellen

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