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Warum Wissenschaft uns das Leben rettet

4 Min
"Wissen wissen" ist eine Kolumne von Eva Stanzl. Darin ordnet sie aktuelle Themen aus Wissenschaft und Gesundheit ein.
© Illustration: WZ, Bildquellen: Adobe Stock

Vom Handy über frisches Essen bis zur Medizin: Fast jeder Aspekt des modernen Lebens ist den Wissenschaften zu verdanken. Nun soll bei Forschung gespart werden, was die ökonomische Zukunft gefährden könnte.


    • Wissenschaft prägt unseren Alltag und ermöglicht viele moderne Annehmlichkeiten sowie längere Lebenserwartung.
    • Öffentliche Investitionen in Forschung schaffen einen wirtschaftlichen Mehrwert und machen Österreich zu einem führenden Forschungsland.
    • Geplante Budgetkürzungen gefährden zukünftige Innovationen und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.
    • Österreich zählt zu den führenden Forschungsländern Europas.
    • Jeder Euro in der Forschung bringt ein Vielfaches an Wertschöpfung.
    • Öffentliche Forschungsgelder sollen zur Budgetsanierung nicht an die Inflation angepasst werden.
    • Es droht ein reales Budgetminus für die Wissenschaften.
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Denke für einen Moment an deinen Alltag. Der Wecker läutet am Handy. Du wirfst eine Kapsel in die Espressomaschine, nimmst die Hafermilch aus dem Kühlschrank, duschst dich, ziehst dich an, lässt die Tür ins Schloss fallen, fährst mit den Öffis zur Arbeit.

Das Besondere daran? Nichts. Bis auf die Dinge, die du nicht bedenkst. Ohne Wissenschaft wäre dein Alltag ganz anders. Das Handy könnte dich nicht wecken, weil es das Gerät nicht gäbe. Der Espresso käme weder aus der Kapsel noch aus der Kaffeemaschine und gekühlte Hafermilch wäre nicht einmal eine Idee. Zum Duschen müsstest du Wasser über dem offenen Feuer wärmen und zum Anziehen hättest du vielleicht ein Bärenfell. Mit den Öffis zur Arbeit? Dazu müsste jemand das Rad erfinden, Antriebe entwickeln und Schienen legen.

Wissenschaft ist in unser aller Tun. Kaum ein Komfort im modernen Leben, den wir nicht den Wissenschaften zu verdanken haben. Frische Brötchen den ganzen Tag? Jemand hat Teig entwickelt, der weltweit geliefert und überall frisch gebacken werden kann. Globale Warenlogistik? Hängt von der Rechenleistung riesiger Computernetzwerke ab. Grüne Technologien? Ohne Forschung nicht machbar. GPS? Wäre ohne Einsteins Relativitätstheorie innerhalb weniger Wochen komplett unbrauchbar, weil Zeit bei weniger Schwerkraft im All (wo die Satelliten sind) schneller vergeht. Und die KI, die unser aller Leben umkrempelt? War über Jahrzehnte eine Vision, von der man fix annahm, dass sie nie vom Fleck kommen würde. Bis plötzlich ein entscheidender Schritt im Maschinenlernen vollzogen war und Chatbots die Welt eroberten. Heureka!

Ohne Forschung würden wir kürzer leben

Ohne die Errungenschaften der Forschung würden wir außerdem kürzer leben, da wir Infektionskrankheiten weder diagnostizieren noch heilen könnten. Im Notfall kämen wir auch nicht rechtzeitig ins Spital, da es keine Rettungswägen gäbe. All dies haben wir Menschen zu verdanken, die auf neue Ideen kommen und erforschen, ob sie funktionieren und wie sie am besten umgesetzt werden können. Unser Wissensreichtum entwickelt sich ununterbrochen weiter.

Die Grundlagen für neue Erkenntnisse zu legen, erfordert allerdings Zeit, Fokus und Ausdauer. Um eine These mithilfe von Experimenten zu prüfen, braucht die Wissenschaft außerdem Geld. Viel Geld. Mit einem Return on Investment ist, wenn überhaupt, erst Jahre später zu rechnen.

Tausende Selbstverständlichkeiten

Zu viel Geld? Tausende Selbstverständlichkeiten – Elektrizität, Telefon, Funk, Batterien, Ladegeräte, Text Messages – mussten erfunden werden, damit das Smartphone möglich wurde. Zusammengenommen hat die Forschung daran Milliarden gekostet. Und nun bringt die Gamechanger-Technologie noch viel höhere Beträge nicht nur für ihre Erzeuger:innen ein, sondern ermöglicht auch Zuliefer:innen aus aller Welt und nicht zuletzt Arbeitnehmer:innen Existenzen.

In der Regel fördert die öffentliche Hand die nötige Grundlagenforschung, da es nicht dem Markt überlassen sein soll, woran geforscht wird. Auch in Österreich wird intensiv in die Wissenschaften investiert, sodass unser Land zu den führenden Forschungsländern Europas zählt. Dadurch ist Österreich auch eines der reichsten Länder der Welt. Jeder Euro, der in die Forschung fließt, bringt ein Vielfaches an Wertschöpfung (siehe Infos und Quellen).

Reales Budgetminus

Doch es gibt Sparmaßnahmen in den Wissenschaften. Wegen der Sanierung des Staatshaushalts wurden die Mittel der zuständigen Ministerien im Doppelbudget 2025-2027 nicht mehr an die Inflation angepasst. Das bedeutet ein reales Minus bei den Forschungsmitteln ab dem kommenden Jahr. Weiters gilt das im Regierungsprogramm verankerte Ziel, die Forschungsquote bis 2030 auf über 4 Prozent des BIP zu erhöhen, als gefährdet. Bis Dezember soll entschieden werden, ob man an der im Forschungsfinanzierungsgesetz festgeschriebenen Budgeterhöhung, die nötig wäre, um die Innovationsfähigkeit zu steigern, für die Jahre 2027 bis 2029 festhält.

Sollte weiter gespart werden, dann könnten Personalabbau und ein Verzicht auf neue Forschungsbereich die Folge sein. Somit gäbe es weniger wissenschaftliches Arbeiten – und weniger Treibstoff für die Zukunftsfähigkeit des Landes.

Die Regierung würde dann einen wirtschaftlichen Knick riskieren. Denn was wir heute erfinden, bringt uns in einigen Jahren Vorteile. Und was wir heute nicht erfinden können, weil wir das nötige Umfeld nicht schaffen, bringt uns in Zukunft nichts. Ohne Wissenschaft würden wir immer noch Beeren sammeln.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Finanzierung von Forschung in Österreich: Eine wichtige Kennzahl für die Einschätzung der Innovationskraft ist jährliche Forschungsquote ermittelt, also der Anteil der Mittel für Forschung und Entwicklung (F&E) am Bruttoinlandsprodukt (BIP). 2024 betrugen die F&E-Ausgaben in Österreich insgesamt 16,13 Milliarden Euro oder 3,35 Prozent des BIP. Laut Regierungsprogramm sollen bis 2030 insegesamt 4 Prozent erreicht sein.
  • Im EU-Vergleich führen Schweden und Belgien 2023 bei der Forschungsquote mit 3,57 bzw. 3,32 Prozent. Platz 3 nahm im Jahr 2023 sogleich Österreich mit einer Forschungsquote von 3,23 Prozent ein. Zum Vergleich: Vor dem EU-Beitritt 1995 lag die Forschungsquote noch bei rund 1,5 Prozent.
  • Die Finanzierung dieser Forschungsausgaben erfolgte zu 41,87 Prozent durch heimische Unternehmen. 28,64 Prozent entfielen auf den Bund, 16,20 Prozent kamen aus dem Ausland, und zwar größtenteils von ausländischen Unternehmen, aber auch von der EU und ausländischen Organisationen.
  • Zu den strategischen Schlüsseltechnologien, die Österreichs Wirtschaft Innovationsimpulse geben, zählen laut dem Forschungs- und Technologiebericht 2025 künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Quantentechnologien, fortschrittliche Mikroelektronik/Halbleiter, nachhaltige Technologien und fortschrittliche Materialien.
  • Internationales Umfeld für Forschung: Europa und damit auch der Wirtschafts- und FTI-Standort Österreich geraten zusehends unter Wettbewerbsdruck angesichts der sich rasch verändernden globalen Entwicklungen, vor allem bestimmt durch die US-Außenhandelspolitik und die Wissens- und Wirtschaftspolitik Chinas. Forschung, Entwicklung und Innovation nehmen damit einen noch höheren Stellenwert ein als je zuvor, da ökosoziale und wirtschaftliche Herausforderungen laut Expert:innen am ehesten mittels Innovationen gelöst werden können.

Quellen

Das Thema in der WZ

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