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Was braucht man und wo kauft man es?

4 Min
Nunu Kaller schreibt zweimal im Monat eine Kolumne für die WZ.
© Illustration: WZ

Warum ich den Black Friday nicht mehr vom Tisch wischen kann.


Wir haben‘s hinter uns gebracht: Die Black Week. Am Freitag war der inzwischen schon berühmte Black Friday, der von unzähligen Ketten zur Black Week ausgedehnt wurde. Überall Angebote, Amazon, Zalando und all die üblichen Verdächtigen. Entstanden ist der Black Friday als Einkaufsfreitag vor Thanksgiving, dem größten Feiertagswochenende in den USA. Und wieder ist ein Jahr vergangen, an dem wir hier in Österreich zwar auch wie wild black-fridayen, aber Thanksgiving, also das Erntedankfest feiern? Puh, wie altmodisch.

In den vergangenen Jahren habe ich mir die Finger wund geschrieben im Kampf gegen diese Kommerzangebote. Habe erklärt, dass Firmen oft Produkte vorher teurer machen, um sie dann zum eigentlichen Preis als Sonderangebot auf den Markt zu werfen. Dass man dazu verführt wird, Geld für Dinge auszugeben, die man definitiv nicht braucht. Letztes Jahr habe ich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass wir uns durch diesen Konsum selbst abschaffen.

Doch dieses Jahr ist alles irgendwie anders

Die Stimmung ist gefühlt noch schlechter als in den letzten Jahren. Die Energiepreise sind immer noch hoch, die Einkommen zwar gestiegen, aber dennoch hinken sie der Inflation hinterher. Erst diese Woche gab es eine Einigung in den Kollektivvertragsverhandlungen für den Handel – die Gehälter steigen um 2,55 Prozent, die Jahresinflation liegt jedoch bei 3 Prozent. Und die unweigerliche Folge daraus ist: Die Inflation frisst die Kaufkraft der Menschen wieder auf.

Es ist eine Theorie von mir, die rein auf persönlichen Beobachtungen beruht, aber: Ich glaube, dass es immer mehr Menschen gibt, die auf die Black-Friday-Angebote warten müssen, um sich wichtige Teile leisten zu können. Ein neues Handy, weil das alte kaputt ist. Ein neuer Laptop, weil der alte echt nur noch abstürzt, eine Waschmaschine, ein Tablet, das man für die Uni braucht. All das kostet in der Black Week oft 20-50 Prozent weniger – WENN man drauf schaut, dass man auf kein „vorher-teurer-gemacht“-Angebot reinfällt. Und ganz ehrlich: Wer bin ich, das zu kritisieren? Wenn man keine Kohle hat, aber Dinge dringend braucht, und diese Dinge nur jetzt leistbar waren – dann ist das eben so.

Was braucht man? Und braucht man den Black Friday?

Natürlich könnten wir jetzt diskutieren, was man eigentlich wirklich braucht. Eine Waschmaschine, weil die alte hinüber ist, ja, die braucht man. Ein Handy halt blöderweise auch, so ganz grundsätzlich. Aber einen neuen Apple Pencil, einen neuen Airfryer, weil der grad soo günstig ist und man das mal ausprobieren möchte, oder neue Kleidung: Da stell ich das „dringend brauchen“ dann doch eher in Frage.

Aber: Diese Entwicklung macht es mir schwer, guten Gewissens den Black Friday vom Tisch zu wischen. Ich hoffe inständig auf eine baldige Konjunktur, damit auch insgesamt die Stimmung wieder eine bessere wird. Das ist doch alles nicht mehr lustig, wie grad allen die Kohle ausgeht.

Die Opfer sind auch die Händler:innen

Apropos Kohle ausgehen: Auch immer drängender wird die Tatsache, dass die Opfer des Black Friday in Österreich die kleinen Händler:innen und Produzent:innen sind. Diejenigen, die von vornherein knapp kalkulieren, damit sie mit ihren fair und ökologisch hergestellten Produkten mit den Kampfangeboten der international agierenden Ketten mithalten können, die können sich einen Black Friday schlicht nicht leisten. Denn manchmal ist es gescheiter, ein Produkt gar nicht zu verkaufen, als es unter dem Produktionspreis anbieten zu müssen. Doch auf Dauer ist das kein haltbares Geschäftsmodell, logisch.

Es ist egal, mit wem aus dem Handel ich gerade spreche, alle sagen: Es wird weniger gekauft, wir wissen nicht, ob es uns in fünf Jahren noch gibt, das geht sich alles nicht mehr aus. Und deshalb plädiere ich doch auch dieses Jahr wieder inständig an euch alle: Kauft, was ihr braucht, dort, wo es gut und transparent hergestellt wird, zu einem fairen Preis. Und zwar egal, wann. Apple Pencils, Airfryer und sonstige so eher semiwichtige Dinge werden euch spätestens nach Weihnachten auf Willhaben sowieso noch günstiger nachgeschmissen.

Nunu Kaller schreibt alle zwei Wochen eine Kolumne zum Thema Nachhaltigkeit. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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