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Die Europäische Zentralbank erhöht erstmals seit 2023 den Leitzins wieder. Das hat Folgen für die Wirtschaft und den Konsum, die wir erst zeitverzögert spüren werden.
Steht die Inflationsrate bei 2 Prozent, ist die Welt in Ordnung. So könnte man die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank kurz zusammenfassen. So einfach ist es natürlich nicht, aber wie wir schon an anderer Stelle erklärt haben, ist dieses Niveau der Teuerung eines, das laut den Ökonom:innen die Kaufkraft des Euros und die Preise stabil hält. Auch wenn die Inflationsrate in Österreich überdurchschnittlich hoch blieb, war sie in der Euro-Zone diesem Wert in den vergangenen zwei Jahren sehr nahe. Doch jetzt steigt die Inflation wieder, und damit schließlich auch die Zinsen.
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Zinswende aufgrund von Unsicherheiten
Die Leitzinsen der EZB sind ein Instrument zur Steuerung der Inflation. Seit 2023 wurden die Zinsen nicht mehr erhöht. Die Wirtschaft hat sich von den Folgen der Pandemie und geopolitischen Verwerfungen erholt. Die Eskalation im Nahen Osten sorgt jedoch für steigende Energiepreise, die sich besonders negativ auf die Inflationsrate auswirken. Deshalb rechneten Analyst:innen bereits damit, dass die Zentralbank im Laufe des Jahres die Zinsen wieder anheben wird. Vergangene war es dann so weit: Die drei Leitzinsen wurden um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht, sodass der Einlagenzins nun bei 2,25 Prozent liegt. „Die Aussichten sind nach wie vor von Unsicherheit geprägt, und es bestehen Aufwärtsrisiken für die Inflation sowie Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum“, so die Begründung der EZB für diesen Schritt.
Die sogenannte Zinswende bewirkt jedoch nicht sofort eine Trendwende in der Wirtschaft. Es dauert, bis die Maßnahmen greifen und deshalb werden auch für Bürger:innen und Konsument:innen die Folgen erst mittelfristig spürbar sein. Denn Banken geben zum Beispiel Zinserhöhungen meist zeitverzögert weiter. . Die durchschnittlichen Sparzinsen bei digitalen Produkten lagen im Dezember 2023 laut der Transparenzdatenbank der Oesterreichischen Nationalbank bei 1,3 Prozent, der Leitzins stand damals bei 4,5 Prozent. Heute bekommt man beim Onlinesparen durchschnittlich 0,44 Prozent.
Inflation höher als Sparzinsen
Auch wenn die Banken die Zinsen für ihre Kund:innen in den nächsten Monaten erhöhen, schützen klassische Finanzprodukte wie das Sparbuch nicht vor Geldentwertung. Denn die Inflation lag in Österreich im Mai bei 3,7 Prozent, Zinsen in dieser Höhe werden nur vereinzelt von Finanzinstituten angeboten, um Neukund:innen anzuziehen. Auch für jene, die Immobilien- oder Konsumkredite benötigen, könnte die neue Geldpolitik die Finanzierungssuche erschweren.
Die Nachfrage nach Wohnbaukrediten steigt laut der Bank Lending Survey in Österreich seit 2024. Die Nationalbank führt diese Entwicklung auf die Leitzinssenkungen der vergangenen Jahre zurück. Auch im ersten Quartal 2026 entwickelte sich sowohl die Nachfrage nach Wohnbau- als auch Konsumkrediten noch positiv. 2022 war die Nachfrage aufgrund der hohen Zinsen eingebrochen – je nachdem, wie die EZB weiter vorgeht, könnte sich der Trend von damals wiederholen.
Wie es mit dem Leitzins weitergehen könnte
Auf einen bestimmten Zinspfad für die kommenden Monate will man sich jedoch noch nicht festlegen, hielt die EZB bei der Zinserhöhung am 11. Juni fest. Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als würden sich die Energiepreise und die daraus resultierende Teuerung beruhigen. Zudem werden die Prognosen für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr nach unten korrigiert. Höhere Kreditzinsen bremsen auch die Investitionen bei Unternehmen, was auch die Wirtschaftsleistung beeinträchtigen könnte.
Diese Zinswende zeigt vor allem, wie schwierig die Gratwanderung der Geldpolitik der EZB ist. Einerseits sollen Verbraucher:innen entlastet und vor Preisschocks bewahrt werden, andererseits dämpfen höhere Zinsen private und wirtschaftliche Ausgaben. Die Zentralbank kann jedoch nicht das Weltgeschehen steuern: So stiegen die Energiepreise zumindest Mitte Juni weiter. Selbst wenn sich die Inflationsrate langfristig auch in Österreich wieder dem angestrebten Ziel annähern sollte, ist das Ersparte auf dem Konto oder Sparbuch nicht gesichert, da die Kaufkraft mit steigender Teuerung abnimmt. Das bedeutet: Das Geld auf dem Konto bleibt zwar nominell gleich, aber der Wert sinkt.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten
- Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen im Juni um 0,25 Prozentpunkte erhöht.
- Zuletzt erhöhte die EZB den Leitzins im September 2023.
- Die Zinssenkungen brachten in den vergangenen zwei Jahren eine stärkere Nachfrage nach Krediten.
- Die Inflationsrate in der Eurozone lag im Mai bei 3,2 Prozent, in Österreich bei 3,7 Prozent.
Quellen
- Europäische Nationalbank: Geldpolitische Beschlüsse am 11. Juni 2026
- Statistik Austria: Verbraucherpreisindex
- Oesterreichische Nationalbank: Sparzinsen Datenbank
- OeNB Report 2026/2: Kreditnachfrage steigt, während sich Wirtschaft langsam erholt
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