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Was dir die neue Industriestrategie bringt

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Zukunftsorientierte Bildung, Aufwertung der Lehre und Fokus auf MINT-Studien: Was die Regierung bis 2035 plant.


    • Die Regierung investiert bis 2029 rund 2,6 Milliarden Euro in neun industrielle Schlüsseltechnologien.
    • Bis 2035 soll die Zahl der MINT-Absolvent:innen um 20 Prozent steigen, der Frauenanteil um 5 Prozent bis 2030.
    • Geplant sind neue Lehrberufe, Qualifizierungsmaßnahmen und ein Schulfach für Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit.
    • Investitionssumme: 2,6 Milliarden Euro bis 2029 in neun Schlüsseltechnologien
    • Ziel: Österreich bis 2035 unter die Top 10 der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften laut OECD-Index
    • MINT-Studien: 20 % mehr Absolvent:innen bis 2035, 5 % mehr Frauenanteil bis 2030
    • Start des Standortfonds: Geplant für das Jahr 2027 zur Förderung von Spin-offs und Scale-ups
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Österreichs Industrie geht es mittelmäßig, wie Georg Renner in seinem WZ-Newsletter vergangene Woche dargestellt hat: Der steigende Kostendruck, die Konkurrenz aus Asien und die sinkende Produktivität bereiten den Wirtschaftsforscher:innen des Landes Sorgen. Mit der „Industriestrategie 2035“ hat die Regierung am Freitag Maßnahmen vorgestellt, die diesem Trend entgegenwirken sollen. Das Paket sieht vor allem Entlastungen und Förderungen für die heimischen Betriebe vor. Doch der Fokus auf Technologie und Innovation soll auch die Aus- und Weiterbildung verändern.

Das sind die Schlüsseltechnologien

Die Regierung hat neun Schlüsseltechnologien identifiziert. Wer einen zukunftssicheren Arbeitsplatz in der Industrie haben möchte, sollte sich auf einen dieser Bereiche spezialisieren: Künstliche Intelligenz, Chips und elektronische Komponenten, Robotik, Quantentechnologie, Fortgeschrittene Werkstoffe, Life-Sciences und Biotech, Energie- und Umwelttechnologien, Mobilitätstechnologien sowie Weltraum- und Luftfahrtstechnologien. In diese Sektoren will die Regierung bis 2029 durch neue Förderprogramme und Ausbildungsmaßnahmen 2,6 Milliarden Euro investieren. Dadurch sollen die Transformation der Industrie vorangetrieben und „hochwertige“ Arbeitsplätze und Ausbildung geschaffen werden.

Für diese Bereiche hat die Regierung konkrete Pläne: Die Lehre soll aufgewertet werden und für jede Schlüsseltechnologie ein neuer Lehrberuf etabliert werden. Für Beschäftigte ohne Ausbildung sind Qualifizierungsmaßnahmen vorgesehen, beispielsweise das Nachholen einer Ausbildung. Auch an den Hochschulen sollen Fachkräfte der Zukunft ausgebildet werden. Bis 2035 soll die Zahl der Absolvent:innen in Studien der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik um 20 Prozent steigen, der Frauenanteil in diesen sogenannten MINT-Studien soll bis 2030 um 5 Prozent ansteigen.

Von der Uni zur Industrie

Damit akademisches Wissen schneller in der Industrie Anwendung findet, sollen Hochschulen den Schwerpunkt auf Unternehmertum legen. Wer ein Start-up in den Schlüsselbereichen gründen möchte, könnte finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten. Das Instrument dafür ist der „Rot-weiß-rote Standortfonds“, dessen Planung bereits seit Jahren läuft. Laut dem Strategiepapier soll der Fonds im Jahr 2027 seine Tätigkeit aufnehmen und öffentliches sowie privates Kapital für universitäre Spin-offs und Scale-ups, also Start-ups in der Wachstumsphase, bereitstellen.

Die Regierung will Technologiefachkräfte und Unternehmer:innen der Zukunft in den Schulen vorbereiten. Geplant sind unter anderem ein neues Unterrichtsfach für Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit, ein Fokus auf Künstliche Intelligenz in den Lehrplänen aller Schulstufen sowie der Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Laborausstattung.

Niedrigere Strompreise und bessere Infrastruktur

Ansonsten sieht die Industriestrategie 2035 vor allem Entlastungen für Unternehmen durch sinkende Energiepreise und Entbürokratisierung vor. Die vergünstigten Konditionen beim Stromnetzausbau sollen an die Verbraucher:innen weitergegeben werden, halten die Regierungsparteien fest. Zudem könnten Bürger:innen vom Ausbau der Breitbandinfrastruktur sowie von Investitionen in nachhaltige Mobilität profitieren.

Die Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, Österreich bis 2035 zu einer der zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften zu machen. Als Basis dafür dient der Industrieproduktionsindex der OECD, für Österreich liegen dazu aktuell keine Daten vor.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Die österreichische Bundesregierung hat Mitte Jänner ihr neues Industriepaket vorgestellt.
  • Darin haben die Regierungspartner neun Schlüsseltechnologien identifiziert, in die bis 2029 2,6 Milliarden Euro fließen sollen.
  • Geplant sind unter anderem neue Lehrberufe in diesen Fachbereichen sowie eine Steigerung der MINT-Absolvent:innen um 20 Prozent bis 2035.

Quellen

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