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Was Google in Oberösterreich plant

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Nach fast zwei Jahrzehnten Planung startet Google mit der Errichtung eines Rechenzentrums im oberösterreichischen Kronstorf. Das Projekt soll zwar neue Arbeitsplätze schaffen, aber auch viel Energie verbrauchen.


    • Google baut nach langer Planung ein Rechenzentrum in Kronstorf, Oberösterreich, mit 100 direkten Arbeitsplätzen.
    • Der Stromverbrauch des Zentrums könnte so hoch sein wie jener von 900.000 Haushalten, was Kritik hervorruft.
    • Google plant Umweltmaßnahmen wie Photovoltaik, Abwärmenutzung und Kooperationen zum Schutz des Gewässerökosystems.
    • Baubeginn Rechenzentrum in Kronstorf: April
    • Grundstücksgröße: 70 Hektar, davon 20 Hektar abgegeben
    • Geplante direkte Arbeitsplätze: 100
    • Strombedarf: bis zu 150 Megawatt, entspricht 900.000 Haushalten
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Internationale Tech-Konzerne investieren derzeit Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur in Deutschland. Österreich blieb von den Expansionstätigkeiten lange Zeit ausgeschlossen, doch das ändert sich jetzt. Nach fast zwei Jahrzehnten Planung beginnt Google jetzt in Oberösterreich mit dem Bau eines Rechenzentrums.

100 direkte Arbeitsplätze

Den Grund dafür – rund 70 Hektar in der Gemeinde Kronstorf – hatte sich das Unternehmen schon 2008 gekauft, wie damals Medien berichteten und auch Google später selbst bestätigte. Seither ist wenig passiert, außer dass Google 20 Hektar wieder abgab, damit andere Betriebe das Gelände nutzen konnten. ÖVP-Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte im Jahr 2018, dass der Suchmaschinenbetreiber nach wie vor am Standort interessiert sei. Einen Bauplan reichte Google jedoch erst im vergangenen Jahr ein und Mitte April begann der Bau schließlich. Stelzer sprach vor acht Jahren von einer Investitionssumme in Höhe von 300 Millionen Euro. Wie viel Google tatsächlich für den neuen Standort ausgibt oder vor 18 Jahren für den Grund gezahlt hat, kommuniziert man allerdings nicht öffentlich.

Die wirtschaftlichen Effekte dürften für Oberösterreich jedoch nicht so hoch sein, wie man sich vor knapp zwei Jahrzehnten erwartet hatte. Nach Fertigstellung werde die Anlage hundert direkte Arbeitsplätze schaffen, kündigt Google an. „Tausende“ weitere Jobs sollen indirekt entstehen, etwa im Bau oder durch Zulieferfirmen. Darüber, was in dem Rechenzentrum passieren wird, gibt es ebenfalls noch wenige Informationen: Google will „der wachsenden Nachfrage nach digitalen Diensten und KI-Angeboten gerecht“ werden. In Kooperation mit der Fachhochschule Oberösterreich möchte der Technologieanbieter außerdem Zertifizierungen und Weiterbildungen im Bereich KI entwickeln.

Strom- und Wasserfresser

Kritik an dem Bauvorhaben des Alphabet-Konzerns gibt es vor allem wegen des Energieverbrauchs, den der Standort haben könnte. Die SPÖ Oberösterreich warnt vor einem drohenden „Energiechaos“ durch das Rechenzentrum. Der Netzbetreiber Austrian Power Grid schätzt, dass die Anlage so viel Strom verbrauchen könnte wie etwa 900.000 Privathaushalte. Google informiert, dass man sich eine Kapazität in Höhe von 150 Megawatt vom Betreiber Netz OÖ hat zusichern lassen, eine Erweiterung sei möglich.

Dass der Betrieb der Anlage energieintensiv werden könnte, darauf deuten die von Google veröffentlichten Informationen aber hin: Ein begrüntes Dach mit Photovoltaikanlage soll Strom beisteuern. Die produzierte Abwärme soll lokalen Abnehmern zur Verfügung gestellt werden. Für die Kühlung des Rechenzentrums wird Wasser benötigt, weshalb das Unternehmen einen Fonds aufsetzt, um das Gewässerökosystem der anliegenden Enns zu verbessern. Zu diesem Zweck geht Google eine Partnerschaft mit dem oberösterreichischen Fischereiverband ein. Mit diesen Initiativen will Google offenbar bereits zu Baubeginn den Umweltbedenken vorgreifen.

Im Vergleich zu anderen Investitionsprojekten klingt Kronstorf wie ein kleiner Nebenschauplatz für Google. In Deutschland investiert das Unternehmen bis 2029 insgesamt 5,5 Milliarden Euro an mehreren Standorten und sichert jährlich rund 9.000 Arbeitsplätze. Auch hier steht der Technologieriese unter der Beobachtung von Umweltschutzverbänden und arbeitet mit lokalen Unternehmen an nachhaltigen Energielösungen.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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