Die ausgetrockneten Flächen setzen die österreichischen Landwirt:innen unter Druck – nicht nur bei den Ernten, sondern auch bei der Fleischproduktion.
Die gute Nachricht: Die Lebensmittelpreise sind im Juli gesunken, die Inflation lag laut der Schnellschätzung der Statistik Austria bei 3,2 Prozent und damit 0,5 Prozentpunkte unter dem Juni. Das Preisniveau der Nahrungsmittel lag 0,1 Prozent niedriger als im Vergleich zum Juli 2025. Grund für die Stabilisierung ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel. Das bringt uns zur schlechten Nachricht: Langfristig müssen wir wieder mit steigenden Preisen im Supermarkt rechnen, und das liegt unter anderem an der Situation in der heimischen Landwirtschaft.
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Massive Ernteausfälle und weniger Futter
Das Phänomen der Heatflation, also der Auswirkung der Klimakrise auf die Inflation, haben wir vor Kurzem schon erklärt: Die Hitzewelle treibt die Energie- und Lebensmittelpreise in die Höhe. Das betrifft nicht nur importierte Nahrungsmittel, sondern auch die in Österreich produzierten. Welche Folgen die Extremhitze und Trockenphasen bereits haben, zeigen neue Informationen des Landwirtschaftsministeriums: Das erste Halbjahr war für die Landwirtschaft in Österreich das zweittrockenste seit Beginn der Messungen. In Oberösterreich, Salzburg und Niederösterreich war es sogar das trockenste. Im Grünland, wo vor allem Futter angebaut wird, drohen demnach Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent.
Das heißt, die Futterversorgung wird knapp und die Landwirt:innen müssen auf ihre Reserven zurückgreifen oder zu drastischeren Mitteln wie Notschlachtungen greifen. Das bedeutet, dass Rinder aufgrund des drohenden Futtermangels früher als geplant zur Schlachtung verkauft werden. Die Zahl der Schlachtkühe hat sich laut der ARGE Rind, dem Dachverband der österreichischen Rindererzeugung, in den vergangenen Wochen verdreifacht. Weil dieses Problem nicht nur die österreichische, sondern auch die Landwirtschaft in anderen europäischen Ländern betrifft, kommt es zu einem Preisdruck auf dem Rindermarkt. Durch die früheren Schlachtungen gelangt mehr Fleisch auf den Markt, das entsprechend verkauft oder gelagert werden muss.
Ein Fünftel weniger Weizen
Der Getreidemarkt stehe wiederum vor einem anderen Problem, heißt es vom Branchenverband Agrarmarkt Austria (AMA). Demnach liegt die Produktion ohne Mais aktuell 19 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Die prognostizierte Gesamtproduktion inklusive Mais könnte 18,4 Prozent darunter liegen. Beim Weichweizen, der unter anderem für die Herstellung von Gebäck verwendet wird, fiel die Ernte um 22,4 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Beim Hartweizen, der vor allem zur Herstellung von Teigwaren verwendet wird, fiel die Ernte um 26 Prozent geringer aus. Trotzdem sei die Versorgung mit Brot, Mehl und Backwaren gesichert, betont die Agrarmarkt Austria. Der Bestand aus der Ernte des Vorjahres dämpfe außerdem derzeit noch die Getreidepreise.
Maßnahmenpaket für die Landwirtschaft
Das steigende Fleischangebot und die sinkende Getreideernte wirken sich auch auf die internationale Preisentwicklung aus: Der Fleischpreisindex der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) war im Juli 2,8 Prozent niedriger als im Juni, das ist das erste Minus des Jahres für diesen Wert. Der Getreidepreisindex stieg im Vergleich zum Vormonat um 3,4 Prozent und im Vergleich zum Juli 2025 sogar um 6,9 Prozent. Der Zuckerpreisindex stieg von Juni auf Juli um 5,6 Prozent. All diese Preissteigerungen führt die Organisation auf die Folgen der Hitzewelle zurück.
Um die heimische Landwirtschaft zu unterstützen, wird die Regierung ein Maßnahmenpaket erarbeiten, hat der zuständige Minister Norbert Totschnig (ÖVP) nun angekündigt. Dabei sollen besonders betroffene Betriebe Liquiditätshilfen erhalten, die aus dem Katastrophenfonds kommen könnten.
Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.
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Infos und Quellen
Quellen:
- Landwirtschaftsministerium: Trockenheit als Herausforderung für Wasserversorgung, Landwirtschaft und Wälder
- Statistik Austria: Inflation Juli 2026
- AgrarMarkt Austria: Trockenheit setzt Getreideernte stark zu
- ARGE Rind Marktbericht
- FAO Price Index July 2026
Das Thema in anderen Medien
- Standard: Hitzewelle trocknet wichtiges Futtermittel aus
- ORF: Viehbauern ringen mit „historischer Dürre“
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