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Georg Renner hat sich die Umfrage-Ergebnisse des Verteidigungsministerium zur Landesverteidigungsbereitschaft näher angesehen.
Zuerst einmal danke für die vielen Fragen zur Sozialhilfe-Statistik, die auf den Newsletter von vergangener Woche bei mir eingelangt sind. Ich werde sie in einer der kommenden Wochen aufgreifen. Zuerst müssen wir aber die Republik verteidigen.
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Oder zumindest: Wir werden uns heute damit beschäftigen, wer denn die Republik im Ernstfall mit der Waffe verteidigen würde. Das ist nämlich eines der Ergebnisse des heurigen „Sicherheitspolitischen Meinungsbilds“ – einer Umfrage, die das Verteidigungsministerium jährlich in Auftrag gibt, um die Standpunkte der Bevölkerung zu Heer, Landesverteidigung und unserer Stellung in der Welt zu erheben.
Das Ganze ist für eine Meinungsumfrage relativ breit aufgestellt: Bei einer Zahl von rund 1.500 repräsentativ ausgewählten Befragten kommt eine durchschnittliche Schwankungsbreite von plus/minus 2,5 Prozent heraus – das ist schon recht präzise. Du findest die ganzen Ergebnisse – etwa die Einstellung der Österreicher:innen zur Neutralität, zu Russland, China oder den USA – hier auf der Website des Verteidigungsministeriums.
Ich greife mir aber, weil es schon bei den vergangenen Durchgängen des „Meinungsbilds“ – ich habe z.B. hier schon einmal darüber geschrieben – den vielleicht interessantesten Aspekt heraus: Wer eigentlich bereit wäre, Österreich mit der Waffe zu verteidigen. WZ-Kollegin Chiara Swaton hat auch schon darüber berichtet.
Hier sehen wir das Ergebnis über alle Befragten hinweg: Gerade einmal ein Drittel wäre bereit, sich im Falle eines militärischen Angriffs mit der Waffe zu verteidigen (bzw., wichtige Unterscheidung: sagt, dass er oder sie dazu bereit wäre). Dagegen stehen zwei Drittel mit „nein/eher nein“ oder „weiß nicht“-Ansagen.
Ein Drittel, das klingt eher nach wenig, oder? Nun, dieser Fatalismus ist das Erste, was auch mir durch den Kopf gegangen ist, als ich die entsprechenden Schlagzeilen über die Umfrage gelesen habe. Aber wenn wir ein bisschen tiefer in die Daten gehen, bekommen wir ein differenzierteres Bild:
Ist das ein deutlich anderes Bild? Nun, ich finde: Genau in jener Gruppe, die historisch und mit Blick auf Konflikte in der ganzen Welt am ehesten mit der Landesverteidigung befasst ist – Männer mittleren Alters – sind die Werte dann doch deutlich höher. Mit zunehmendem Alter sinkt die Wehrbereitschaft dann wieder – was einem gewissen Realismus geschuldet sein mag.
Gründe gegen Bereitschaft
Aber wir müssen uns nicht mit der bloßen Frage danach, wer bereit wäre, sein Land zu verteidigen, begnügen. Denn das Ministerium hat diesmal auch nach den Gründen gefragt, warum jene, die das nicht tun wollen, sich so entscheiden:
Wir sehen: Der Hauptgrund, nicht für die Republik zur Waffe greifen zu wollen, lautet: „Ich bin zu alt/krank/untauglich“. Erst danach kommen ideologische Gründe wie Pazifismus oder „sicher nicht für diese Regierung“.
Jetzt ist das kein Ergebnis, mit dem man als jemand zufrieden sein kann, der will, dass sich das Land umfassend verteidigen kann, wie das unsere Verfassung vorsieht – zum Beispiel als Regierungskoalition, die sich in ihrem Programm einen eigenen Unterpunkt „Wehrhafte Demokratie“ vorgenommen hat.
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Einfach Politik.
Innenpolitik-Journalist Georg Renner über Österreichs Politiklandschaft.
Aber es ist auch kein Ergebnis zum Verzweifeln; ein beträchtlicher Teil jener Bevölkerungsgruppe, die realistischerweise dazu herangezogen würde, das Land zu verteidigen (was hoffentlich nie nötig sein wird), ist durchaus bereit, das im Ernstfall zu tun – 40 Prozent und aufwärts der Männer im wehrfähigen Alter.
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Infos und Quellen
Genese
Innenpolitik-Journalist Georg Renner erklärt einmal in der Woche in seinem Newsletter die Zusammenhänge der österreichischen Politik. Gründlich, verständlich und bis ins Detail. Der Newsletter erscheint immer am Donnerstag, ihr könnt ihn hier abonnieren. Renner liebt Statistiken und Studien, parlamentarische Anfragebeantwortungen und Ministerratsvorträge, Gesetzes- und Verordnungstexte.
Quellen
- bmlv.gv.at: Österreichische Sicherheitspolitik im Trend
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