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Mojtaba Chamenei ist das neue Oberhaupt Irans. Was er alles entscheiden darf und warum seine Ernennung eigentlich ein Widerspruch in sich ist.
Mojtaba Chamenei wurde 1969 im iranischen Mashhad geboren und ist der zweitälteste Sohn des langjährigen iranischen Staatsoberhaupts Ali Chamenei. Chamenei regierte diktatorisch und hielt während seiner jahrzehntelangen Herrschaft gewaltsam ein totalitäres System aufrecht, in dem es zu einer Vielzahl schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen kam. Er wurde gleich zu Beginn der israelisch-US-amerikanischen Angriffe 2026 getötet. Am Sonntag wurde nun sein Sohn Mojtaba Chamenei zum neuen Machthaber Irans ernannt. Er ist ein Geistlicher von mittlerem Rang und trägt nicht den höchsten religiösen Titel im schiitischen Islam, Ayatollah.
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Er hat schiitische Theologie studiert und hat sich schon früh im inneren Machtkreis rund um seinen Vater Ali Chamenei bewegt.
Lange Zeit trat Mojtaba Chamenei kaum öffentlich auf, galt aber als eine der einflussreichsten Figuren hinter den Kulissen der iranischen Politik. Ihm werden enge Beziehungen zu den Revolutionsgarden und zum konservativen Machtapparat zugeschrieben. Er trägt keine nennenswerten schiitisch-geistlichen Titel, die ihn laut Verfassung der Islamischen Republik für das Amt vorsehen würden. Interessant ist auch, dass mit der Wahl von Mojtaba Chamenei zum obersten Führer erstmals seit der iranischen Revolution von 1979 die Macht vom Vater auf den Sohn übergeht. Das iranische Regime, das 1979 die Monarchie des Schahs gestürzt hat, hat erbliche Herrschaftssysteme bisher immer abgelehnt und betonte, dass religiöse Qualifikation und nicht Blutsverwandtschaft entscheidend sei.
International sorgte Mojtaba Chamenei immer wieder auch abseits der iranischen Politik für Schlagzeilen – etwa wegen Berichten über Kontakte zu wohlhabenden Kreisen in Europa. In diesem Zusammenhang tauchte sein Umfeld auch im Zusammenhang mit Aufenthalten in Kitzbühel auf, wo Mitglieder der iranischen Elite und ihres Umfelds Immobilien besitzen oder Zeit verbringen sollen.
Er wird auch mit einem Netzwerk aus Luxusimmobilien in Europa in Verbindung gebracht. Über Geschäftspartner und Firmenkonstruktionen sollen Investitionen in mehrere Hotels gelaufen sein – darunter auch ein Luxushotel in Kitzbühel. Mojtaba Chamenei taucht in den offiziellen Eigentümerstrukturen meist nicht direkt auf, weshalb vermutet wird, dass Beteiligungen über Mittelsmänner organisiert wurden. Die Beteiligten bestreiten allerdings, dass das Geld direkt aus dem Umfeld der iranischen Führung stammt.
Am Sonntag wurde Mojtaba Chamenei schließlich vom Expertenrat zum neuen "Obersten Führer" gewählt. Dieses Amt ist die mächtigste Position im iranischen Staat: Der Oberste Führer kontrolliert unter anderem Militär und Sicherheitsapparate und hat entscheidenden Einfluss auf Außenpolitik sowie zentrale politische Entscheidungen. A propos Außenpolitik: "Wenn er nicht unsere Zustimmung erhält, wird er nicht lange im Amt bleiben “, sagte US-Präsident Trump dem Sender ABC News.
Worüber hat er nun Entscheidungsmacht?
1. Militär und Sicherheit
Er ist der Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Dazu gehören auch die sogenannten Revolutionsgarden und die Geheimdienste.
2. Außenpolitik
Er hat großen Einfluss darauf, wie sich Iran international verhält – z. B. bei Konflikten, Beziehungen zu anderen Staaten oder bei Atomverhandlungen.
3. Wichtige Personalentscheidungen
Er ernennt zentrale Positionen im Staat, etwa
- den Chef der Justiz
- die militärische Führung
- wichtige Mitglieder des Wächterrats.
4. Politische Grundrichtung
Der Oberste Führer legt die grundsätzliche Linie der Politik fest. Präsident und Regierung müssen sich daran orientieren.
5. Einfluss auf Medien und Religion
Er hat auch Einfluss auf staatliche Medien und die religiösen Institutionen des Landes.
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Infos und Quellen
Daten und Fakten:
Seit dem 28. Februar 2026 greifen Israel und die USA den Iran an. Hunderte Ziele im Iran wurden angegriffen; dazu zählen militärische Infrastruktur, wie Raketenabschussrampen, Anlagen des Atomprogramms, Hauptquartiere der Militärführung sowie Vertreter der politischen Führung. Unter anderem wurde der 86-jährige Revolutionsführer Ali Chamenei getötet, der als zweiter Revolutionsführer nach Ayatollah Ruhollah Khomeini seit 1989 die oberste Autorität des Landes war. Außerdem sollen nach Angaben des Roten Halbmonds insgesamt mindestens 787 Menschen ums Leben gekommen sein. Mehr als 100.000 Rettungskräfte seien im Einsatz, hieß es in einer Mitteilung der humanitären Organisation im Iran.
Der Iran reagiert mit Gegenangriffen auf Israel und auf US-Militärstützpunkte in den Golfstaaten, die bis zuletzt versucht haben, sich aus dem Konflikt herauszuhalten, und gar im Vorfeld verkündeten, dass die USA ihren Luftraum für einen Angriff nicht nutzen dürfen. Außerdem hat die iranische Führung die Sperre der Meerenge von Hormus bekanntgegeben. Durch sie verläuft etwa ein Fünftel des weltweiten Erdöltransits, wodurch der Ölpreis in die Höhe geschossen ist.
Die Informationslage ist im Iran sehr schwierig, da das Internet wieder abgedreht wurde, wodurch die Kommunikation für Angehörige im In- und Ausland nicht gewährleistet werden kann. Viele Iraner:innen flüchten aus den Ballungsräumen in den Norden des Landes.
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