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Olympia als Nebenjob: Wer kann vom Wintersport leben?

5 Min
Gold wert? Wie Österreichs Wintersportler:innen abgesichert sind
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Die Olympischen Winterspiele in Italien beginnen in Kürze. Während Topstars wie Marco Odermatt oder Mikaela Shiffrin als Millionär:innen an- und abreisen, sieht die Welt für Athlet:innen aus den weniger bekannten Sportarten ganz anders aus.


    • Der professionelle Wintersport hat im Vergleich zu anderen Sportarten, die von globaler Bekanntheit sind, nur einen eingeschränkten Markt an Publikum und ist stark von den Wetterbedingungen abhängig. Daher sind auch die Sponsorenverträge und Preisgelder nicht annähernd so hoch wie beispielsweise im Tennis oder Golf. In Österreich sind abgesehen vom Skiverband viele Athlet:innen neben dem Sport in anderen Berufen tätig. Geld verdienen kann man auch mit Sponsorverträgen und/oder Selbstvermarktung, etwa durch Fernsehwerbung. Ohne den Heeres- und Polizeisport hätten die meisten Wintersportler:innen in Österreich wenig bis gar keine soziale Absicherung.
    • FIS-Preisgelder: Ein Weltcupsieg bei den Herren bringt diese Saison knapp 60.000 Euro. Die Bewerbe in Kitzbühel haben jedoch nicht nur sportlich einen besonderen Status, sondern auch finanziell. So erhielt der Hahnenkamm-Sieger Giovanni Franzoni allein dort für seinen ersten Weltcupsieg überhaupt gleich 110.000 Euro.
    • Bei den Damen ist die Siegprämie für ein Weltcup-Rennen gleich hoch. Dort fehlt jedoch ein saftiges Preisgeld-Extra wie bei den Herren in Kitzbühel. Bei den Damen ist Mikaela Shiffrin mit heuer bisher sieben Weltcupsiegen die unangefochtene Nummer eins, sowohl nach Punkten als auch im Preisgeld-Ranking mit 492.189 Euro. Marco Odermatt (acht Siege) kommt als Weltcup-Führender sogar auf fast 700.000 Euro. Die Topstars im Ski Alpin dürfen sich also auf ein Jahreseinkommen von mehreren hunderttausend Euro brutto freuen.
    • Der professionelle Wintersport hat im Vergleich zu anderen Sportarten, die von globaler Bekanntheit sind, nur einen eingeschränkten Markt an Publikum und ist stark von den Wetterbedingungen abhängig. Daher sind auch die Sponsorenverträge und Preisgelder nicht annähernd so hoch wie beispielsweise im Tennis oder Golf. In Österreich sind abgesehen vom Skiverband viele Athlet:innen neben dem Sport in anderen Berufen tätig. Geld verdienen kann man auch mit Sponsorverträgen und/oder Selbstvermarktung, etwa durch Fernsehwerbung. Ohne den Heeres- und Polizeisport hätten die meisten Wintersportler:innen in Österreich wenig bis gar keine soziale Absicherung.
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Bald gehen in Italien die Olympischen Winterspiele los. Doch wie rentabel ist der Profi-Wintersport für die österreichischen Teilnehmer:innen?

Im Februar matchen sich bei Olympia wieder zahlreiche Profisportler:innen in Mailand und Cortina um die heißbegehrten Medaillen.

Österreich als Wintersportnation geht – wie immer – mit großen Hoffnungen und Erwartungen ins Rennen. 63 Männer und 52 Frauen kämpfen in Italien um Edelmetall.

Während die Topstars im Ski Alpin wie Marco Odermatt oder Mikaela Shiffrin als Millionär:innen an- und abreisen, reicht für die Sportler:innen in weniger bekannten Sportarten das Preisgeld kaum zum Leben. Das Internationale Olympische Komitee zahlt seit Beginn der Spiele in der Antike prinzipiell keine Preisgelder.


Bobfahren und Skeleton garantieren keine großen Geldsummen im Erfolgsfall.
ÖBSV-Generalsekretär Manfred Maier

In Österreich sind die meisten Spitzensportler:innen beim Bundesheer als Heeressportler:innen, oder bei der Polizei als Polizeisportler:innen angestellt, womit auch ein Dienstverhältnis mit Sozialversicherung zustande kommt. Spezielle Unfallversicherungen im Wintersport werden von Ski Austria angeboten. Die Prämien erhalten die einzelnen Gewinner:innen von ihren jeweiligen nationalen Verbänden – und das erst seit 1986. Davor waren nur Amateursportler:innen für Olympia zugelassen.

Vergleicht man etwa Ski Alpin und Skeleton, merkt man, wie unterschiedlich die Realität im Spitzensport sein kann: Ski Alpin (Abfahrt, Super G, Riesentorlauf, Slalom) lockt in Österreich hunderttausende Zuseher:innen vor die Bildschirme, Skeleton (man rast auf dem Bauch liegend und Kopf voraus einen Rennschlitten die Strecke hinab) ist wenig bis gar nicht im TV präsent. Beide sind gefährliche Sportarten – die Aufmerksamkeit und die Entlohnung unterscheiden sich jedoch gravierend.

Knapp 300.000 Euro für Scheib, 500 Euro für Auer

Österreichs derzeit erfolgreichste Skirennläuferin ist die 27-jährige Julia Scheib. Die Steirerin gewann allein in der laufenden Saison bei bisher vier Weltcupsiegen insgesamt 294.237 Euro brutto an Preisgeld. Das bedeutet Rang sieben im Weltcup und Platz drei im Preisgeld-Ranking. Mikaela Shiffrin führt das Geld-Ranking mit 492.189 Euro an. Bei den Herren kassierte der Schweizer Marco Odermatt mit 646.707 Euro am meisten. Pro Weltcupsieg erhalten die Ski-Damen und -Herren 57.000 Euro.

Abseits von Spitzenplätzen im Ski Alpin oder Skispringen lohnt sich der Sport finanziell für viele andere aktive Wintersportler:innen kaum.


Die Österreicherin Julia Scheib rast während eines Weltcup-Riesenslaloms der Frauen in Spindleruv Mlyn, Tschechische Republik, am Samstag, 24. Januar 2026, die Piste hinunter.
Julia Scheib geht als Favoritin in den Riesentorlauf. Die Steirerin ist als Polizeisportlerin am Start.
© Illustration: WZ, Bild: APA-Images / AP / Pier Marco Tacca

Außerhalb der staatlichen Einrichtungen bewegt sich auch Florian Auer. Der 31-jährige Tiroler arbeitet neben dem Sport im elterlichen Dachdecker-Betrieb in Innsbruck. Dem Skeleton war er schon seit seiner Kindheit verbunden. Kein Wunder, denn sein Großvater und Vater waren auch schon am Schlitten unterwegs. Trotzdem musste sich Auer zu Beginn das gesamte Skeleton-Material selbst besorgen und finanzieren. „Ein Schlitten allein kostet beispielsweise schon an die 10 000 Euro“, rechnet der Olympia-Starter vor. „Hinzu kommen dann noch weitere Ausrüstungen wie Kufen“, erzählt er. Nach der abgeschlossenen Lehre war Auer zwar im Heeressport, wurde aber nach ein paar Jahren wieder aus dem Programm herausgenommen. Seitdem ist er abseits des Sports wieder auf den Dächern im Berufsleben tätig.


Bob und Skeleton – IBSF-Weltmeisterschaften – Olympia-Bobbahn St. Moritz-Celerina, St. Moritz, Schweiz – 9. Januar 2026 Der Österreicher Florian Auer in Aktion während des ersten Laufs im Skeleton der Männer
Skeleton-Pilot Florian Auer arbeitet in Tirol als Dachdecker.
© Illustration: WZ, Bild: APA-Images / REUTERS / Denis Balibouse

Sport und Job in einem

„Im Hochsommer bin ich am Dach mit extremen Temperaturen konfrontiert, daher gehe ich dort oft vor der Arbeit ganz in der Früh zum Training. Danach arbeite ich bis zum Abend, und dann kommt erst die Freizeit“, erzählt Auer der WZ. Vom Skeleton allein gut leben kann niemand: Selbst Teilnehmer:innen am größten Wintersport-Ereignis der Welt sind auf externe Geldquellen angewiesen, um ihre Profilaufbahn halbwegs abgesichert bestreiten zu können. Für Skeleton-Pilot:innen schaut die Welt also im Vergleich zu den Skifahrer:innen noch einmal ganz anders aus. Der Bob-und Skeletonverband führt keine offizielle Liste mit Preisgeldern, von Aktiven hört man aber, dass es oft wenig bis gar kein Preisgeld zu gewinnen gibt: „Als ich im Gesamtweltcup Zehnter wurde, bekam ich 500 Euro. Für ein Weltcuprennen gibt es gar nichts“, erklärt Skeleton-Starter Florian Auer der WZ.


Polizei- und Heeressport als Absicherung für später

Riesentorläuferin Scheib etwa ist Polizistin in ihrem Heimatbezirk Deutschlandsberg. Als Mitglied des Sportkaders des Innenministeriums macht sie aber keinen Exekutivdienst, sondern ist offiziell als Spitzensportlerin für das Innenministerium unterwegs. Durch Sonderurlaub ist es möglich, die Anstellung bei der Polizei mit der professionellen Skikarriere zu verbinden – und dank dieser ist auch für die Zeit nach der Karriere gesorgt.

Auch die österreichische Justiz unterstützt heimische Sportler:innen mit einer Anstellung. Das Projekt „Justiz Athleta“ bietet den Profis neben dem Ausüben ihrer sportlichen Tätigkeit eine duale Berufsausbildung in der Justizwache.

Kleine Verbände haben es schwer

Österreichs Olympia-Starter:innen sind nicht nur für den Verband Ski Austria (bis 2023 ÖSV) auf Skipisten oder Sprungschanzen aktiv. Sportarten mit weniger Bekanntheit müssen mit weniger finanziellen Mitteln auskommen. Der Österreichische Bob- und Skeletonverband (ÖBSV) versucht, rund um die Strecke ein so professionelles Umfeld wie möglich zu bieten.

„Als Verband können wir auch keine Athlet:innen nach dem Gesetz anstellen, aber wir versuchen ihnen mit dem bestmöglichen Material und unterstützen sie in vielen organisatorischen Aufgaben“, erzählt der ÖBSV-Generalsekretär Manfred Maier. Durch den „Eiskanal“ brettern auch viele Schüler:innen und Studierende, die noch bei den Eltern mitversichert sind.

Verbände unterstützen bestmöglich

Im Eiskunstlauf wiederum erhalten Läufer:innen durch den Österreichischen Eiskunstlaufverband finanzielle Unterstützung beim Trainingsaufwand. Die Kosten deckt das jedoch nicht vollständig, weiß die Sportliche Leiterin Miriam Ziegler, die in ihrer aktiven Zeit auf dem Eis selbst Heeressportlerin war: „Dem Eiskunstlaufverband stehen dafür nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung.“ Preisgelder gibt es im Eiskunstlauf erst ab sehr hohem Niveau, etwa bei Welt- oder Europameisterschaften für die ersten drei Platzierungen. „Das ist aber für unsere Starter:innen derzeit nicht realistisch“, so Ziegler. Ohne familiäre Unterstützung oder Sponsoren könnten sich österreichische Eiskunstläufer:innen finanziell nicht selbst erhalten.


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Infos und Quellen

Daten und Fakten

  • Der professionelle Wintersport hat im Vergleich zu anderen Sportarten, die von globaler Bekanntheit sind, nur einen eingeschränkten Markt an Publikum und ist stark von den Wetterbedingungen abhängig. Daher sind auch die Sponsorenverträge und Preisgelder nicht annähernd so hoch wie beispielsweise im Tennis oder Golf. In Österreich sind abgesehen vom Skiverband viele Athlet:innen neben dem Sport in anderen Berufen tätig. Geld verdienen kann man auch mit Sponsorverträgen und/oder Selbstvermarktung, etwa durch Fernsehwerbung. Ohne den Heeres- und Polizeisport hätten die meisten Wintersportler:innen in Österreich wenig bis gar keine soziale Absicherung.
  • FIS-Preisgelder: Ein Weltcupsieg bei den Herren bringt diese Saison knapp 60.000 Euro. Die Bewerbe in Kitzbühel haben jedoch nicht nur sportlich einen besonderen Status, sondern auch finanziell. So erhielt der Hahnenkamm-Sieger Giovanni Franzoni allein dort für seinen ersten Weltcupsieg überhaupt gleich 110.000 Euro.
  • Bei den Damen ist die Siegprämie für ein Weltcup-Rennen gleich hoch. Dort fehlt jedoch ein saftiges Preisgeld-Extra wie bei den Herren in Kitzbühel. Bei den Damen ist Mikaela Shiffrin mit heuer bisher sieben Weltcupsiegen die unangefochtene Nummer eins, sowohl nach Punkten als auch im Preisgeld-Ranking mit 492.189 Euro. Marco Odermatt (acht Siege) kommt als Weltcup-Führender sogar auf fast 700.000 Euro. Die Topstars im Ski Alpin dürfen sich also auf ein Jahreseinkommen von mehreren hunderttausend Euro brutto freuen.

    Infos und Quellen

Quellen

Gesprächspartner

  • Manfred Maier (Generalsekretär Bob-Skeleton Austria)
  • Florian Auer (Skeleton-Pilot)
  • Mirjam Ziegler (Sportliche Leiterin Österreichischer. Eiskunstlaufverband)
  • Julia Scheib (Ski-Rennläuferin; bei Pressekonferenz)

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