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Wie die Landwirtschaft von der Sojabohne profitiert

3 Min
Böden müssen abwechslungsreich bewirtschaftet werden, damit sie nicht an Fruchtbarkeit verlieren. Dabei spielt auch Soja eine Rolle.
© Collage: WZ, Bildquelle: Getty Images

Der stetig wachsende Bedarf an Sojabohnen in Österreich muss mittlerweile nicht mehr nur durch Importe gedeckt werden: Wegen des Klimawandels und steigender Temperaturen fühlt sich die Pflanze längst auch hierzulande wohl.


Auf dem lockeren Ackerboden sprießen die ersten Pflänzchen. „Für uns Biobauern ist die Sojabohne eine Superpflanze. Sie ist wärmeliebend und ein guter Ausgleich zu den anderen Kulturen wie Weizen, Gerste und Mais“, erzählt Bio-Landwirt Bernhard Schindler. Er betreibt in zweiter Generation eine 150 Hektar große Landwirtschaft in Münchendorf im Süden Niederösterreichs. Die verschiedenen Äcker bewirtschaftet der Bio-Bauer jede Saison aufs Neue mit einer anderen Pflanzenkultur. Abwechslungsreich muss es sein, da ansonsten der Boden an Fruchtbarkeit verliert. Neben Gerste, Bohnen und Kichererbsen kultiviert er heuer wieder die Sojapflanze auf seinen Feldern.

Schindlers Vater begann vor rund 30 Jahren, die südostasiatische Pflanze in Niederösterreich anzubauen. Ursprünglich, um ein eiweißreiches Futtermittel für die hauseigene Schweinezucht zu produzieren. Aber die Familie blieb dabei, Bernhard Schindler übernahm vor drei Jahren den Hof und baute den Familienbetrieb aus. Er ist einer von mehr als 14.000 Landwirt:innen, die Soja anbauen. In seinen Silos lagert nicht nur die eigene Ernte. Bis zu 70 Biohöfe aus der Region beliefern Schindler inzwischen mit Sojabohnen, die nach einer strengen Qualitätskontrolle vom Landwirten in der hauseigenen Sortieranlage gereinigt und für die Lebensmittelproduktion abgepackt werden. Die meisten Bohnen werden danach von Tofu- und Sojamilchproduzent:innen abgenommen.

Klimawandel verändert die Landwirtschaft

„Wenn man sich das letzte Jahr ansieht, hat man die Dürre am eigenen Boden gesehen. Man schaut zu, wie die Kulturen vertrocknen“, sagt Schindler über den Klimawandel. Für den Landwirt ist es über die Jahre schwieriger geworden, mit den neuen Wetterverhältnissen zu kalkulieren. Um das wirtschaftliche Risiko eines Ernteausfalls zu minimieren, versucht er daher, sein Feld-Portfolio zu diversifizieren. „Ich muss mit einer vielfältigen Fruchtfolge reagieren. Getreide, Sojabohnen oder Hackfrüchte wie Mais und Sonnenblumen sind wärmeliebender.“

Bedingt durch die Erderwärmung nehmen Extremwettereignisse zu: Niederschläge werden unregelmäßiger oder entladen sich als Starkregen, der die Böden wegschwemmt, gleichzeitig nimmt die Zahl der Hitzetage zu; diese wiederum trocknen die Ackerböden übermäßig aus. Die Konsequenzen sind längst spürbar: In Gebieten wie dem Weinviertel oder dem Burgenland verzeichneten laut Landwirtschaftskammer die Agrarbetriebe in den letzten Jahren Ernteeinbußen von 30 bis 50 Prozent.

Klimawandel als Herausforderung für Landwirt:innen

Für die Landwirt:innen ist das eine große Herausforderung. Sie müssen nicht nur überlegen, welche neuen Pflanzensorten künftig kultiviert werden können, sondern auch, wie sie ihre Ackerböden vor Austrocknung oder Abtragung schützen können. Die Sojabohne hat sich als idealer Kandidat entpuppt: Sie ist hitzeresistent, kann Stickstoff aus der Luft binden und diesen über ihre Wurzeln an den Boden abgeben. Sie kann somit von selbst den Acker düngen. Für die Landwirtschaft profitabel, da der Einsatz chemischer Düngemittel eingespart werden kann, und nachhaltig, weil Kunstdünger auf lange Sicht den Boden unfruchtbar macht und ins Grundwasser sickert.

Soja ist eine ambivalente Pflanze. Sie ist Klimakiller und Hoffnungsträger.
Johann Vollmann, BOKU Wien

„Die Sojabohne ist eine ambivalente Pflanze. Sie ist Klimakiller und Hoffnungsträger zugleich. Als einer der Gründe für die Abholzung des Regenwaldes ist sie Täter. Als Nahrungsmittel ist sie Teil der Lösung und ein Schlüssel zur Ernährungswende", sagt Johann Vollmann, Professor für Pflanzenzucht an der BOKU Wien. Weltweit fließen fast 80 Prozent der Sojaernte in die Futtertröge von Schweinen und Rindern. In Österreich sind es lediglich 50 Prozent. Für den Forscher liegt die Lösung darin, Soja nicht zu verfüttern und damit den Fleischkonsum weiter voranzutreiben. Vielmehr sollte die eiweißreiche Bohne direkt verzehrt werden.

Geschmack von Soja besser geworden

„Schlüsselfaktoren sind Geschmack und Akzeptanz. Vor 30 Jahren haben mir die meisten Sojaprodukte nicht geschmeckt. Das ist viel besser geworden", so der Forscher. Durch Züchtungen kann der natürliche Zuckergehalt der Sojabohne erhöht werden, was etwa die Edamame-Bohne zu einem attraktiven Lebensmittel gemacht hat.

Biobauer Schindler hat den ökologischen Trend erkannt und weiß, welche Vorteile er seinem Feld bietet. „Es gibt Feldfrüchte, die heute echte Gewinner sind. Dazu gehören Linsen, rote Bohnen und eben auch die Sojabohne“, so der Landwirt.


Infos und Quellen

Genese

Den Autor fasziniert, dass Soja-Produkte wie Tofu oder Edamame ihren Ausgangsrohstoff auf heimischen Feldern finden. Die Landwirtschaft, die inzwischen besonders unter den Folgen des Klimawandels leidet, hat die Vorteile und das Potenzial der Sojapflanze erkannt, denn in Zukunft müssen sich die heimischen Landwirt:innen an die neuen Klimabedingungen anpassen. Für die Konsument:innen hat dies den Vorteil, dass der Speiseplan künftig exotischer wird.

Gesprächspartner:innen

  • Bernhard Schindler ist überzeugter Bio-Landwirt in zweiter Generation und betreibt einen eigenen Hof in Münchendorf in Niederösterreich. Neben dem Sojaanbau verarbeitet er Bio-Bohnen aus der Region und beliefert Tofu- und Sojamilchproduzent:innen.

  • Karl Fischer ist Obmann des Vereins „Soja aus Österreich”. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, über den Anbau von gentechnikfreien Bio-Soja in Österreich aufzuklären.

Daten und Fakten

  • 2022 wurden 92.962 Hektar Soja angebaut. 2008 waren es noch 18.416 Hektar.

Eine Grafik, die den Anstieg der Sojaproduktion in Österreich zeigt. Die Soja-Produktion ist zwischen 2008 und 2022 von 54.095 Tonnen auf 243.811 Tonnen angestiegen. Die Anbaufläche ist zwischen 2008 und 2021 von 18.416 Hektar um 505 Prozent auf 92.962 Hektar gewachsen. Quelle für die Grafik sind AMA, Grüner Bericht und der Verein Soja aus Österreich.
© Verein Soja aus Österreich
  • Soja-Anbau in den einzelnen Bundesländern: 2022 gab es 14.763 Sojabäuer:innen mit 22 Prozent Bio-Anteil

Eine Österreich-Karte, die den Anbau von Soja in den einzelnen Bundesländern zeigt: In Österreich werden auf 92.962 Hektar Soja angebaut, davon 35 Prozent in Bio.
© Verein Soja aus Österreich

Quellen

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