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Wie du dich finanziell für das neue Jahr aufstellen kannst

4 Min
Eine Illustration eines Männchens und einem Münzstapel.
Überblick über die eigenen Finanzen zu haben und sie richtig einzuteilen, ist wichtig.
© Illustration: WZ

Sparziele setzen, Einkommen aufteilen und die richtige Anlagestrategie finden: Ein Finanzexperte erklärt, welche Schritte man jetzt setzen sollte, um Ordnung in den eigenen Finanzen zu schaffen.


Geld ist ein emotionales Thema, bei dem wir uns gern in Realitätsverweigerung verstecken. Deshalb finden sich bei vielen Neujahrsvorsätzen auch die persönlichen Finanzen auf der Liste. Aber wo fängt man an, Ordnung zu schaffen und sich strukturiert mit dem eigenen Kapital zu beschäftigen?

Gehalt aufteilen mit 50-30-20-Regel

„Worauf möchte ich sparen?”, sollte laut Andreas Fellner, Vorstand der Partner Bank, die erste Frage lauten. Damit könne man sich für das kommende Jahr finanzielle Ziele setzen. Wichtig dabei ist auch die Frage, wie viel zu sparen man sich leisten kann. Um das herauszufinden, rät Finanzexperte Fellner, einen Budgetplan zu erstellen und Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen. Dadurch wird sichtbar, wo Einsparungen möglich sind.

Bei der Einteilung des Einkommens empfiehlt Fellner die 50-30-20-Regel: 50 Prozent des Gehalts sollten die Fixkosten abdecken, 30 Prozent sollten für Freizeit eingeplant werden und 20 Prozent für Sparen, Investments und Rücklagen. Zudem sollte man Reserven bilden: „Für unvorhergesehene Fälle empfiehlt sich eine Geldreserve von zwei bis drei Monatsgehältern.“

Aktien und Anleihen werden attraktiver

Wer schon so weit ist, kann laut Fellner eine Geldanlagestrategie durchdenken, wofür man auch eine Finanzberatung in Anspruch nehmen kann. Kleinanleger:innen hatten es beim Investieren in den vergangenen Jahren nicht leicht: Nach dem Börsen-Crash und dem anschließenden Boom im Jahr 2020 entwickelten sich die Aktienmärkte durchwachsen, die Zinsen auf konservative Anlageformen wie Sparkonten stiegen nur langsam und die hohe Inflation sorgte für Geldentwertung am Sparbuch.

Fellner sieht für das neue Jahr ein besseres Umfeld: „2024 sollte aus heutiger Sicht eine deutliche Entspannung bei der Inflation bringen, was unter Umständen in der zweiten Jahreshälfte zu leicht sinkenden Leitzinsen führen könnte.“ Zu sehen ist diese Entwicklung bereits in den USA: Nachdem die Notenbank vor einigen Wochen signalisierte, den Leitzins 2024 nach zwei Jahren der Erhöhungen wieder zu senken, reagierten die Leitwerte der US-Börsen, Dow Jones und S&P 500, mit Höchstständen.

Sparpläne gleichen Schwankungen aus

Abgesehen von geopolitischen Umständen stuft der Vorsorgebankchef deshalb den Aktienbereich in den kommenden Monaten als günstig ein: „Ähnliches gilt auch für die Anleihenmärkte, die angesichts des starken Kursverfalls in den letzten 18 Monaten und den aktuell hohen Zinsen wieder in den Fokus der Investor:innen gerückt sind.“ Diese sogenannten festverzinslichen Wertpapiere gelten in der Regel als weniger riskant als Einzelaktien.

Auch bei Edelmetallen für die Geldanlage sieht Fellner Bewegung: „Gold tendiert aktuell sehr deutlich im Bereich oberhalb der 2.000-US-Dollar-Marke und könnte vor allem bei fallendem Dollar einen weiteren Kursanstieg sehen.“ Angesichts der hohen Schwankungen empfiehlt der Finanzexperte für diese Anlageform einen Sparplan, um die Preisveränderungen langfristig auszugleichen.

Investieren in sich selbst

Nicht alle wollen sich mit ihren eigenen Finanzen im Detail beschäftigen, und das ist auch in Ordnung: „Die Letztverantwortung für das eigene Geld obliegt immer dem Anleger selbst. Das beinhaltet auch die Einschätzung, ob der Wille, das notwendige Wissen und die erforderliche Zeit zur Verfügung stehen, um selbst Anlageentscheidungen zu treffen”, erklärt Fellner. Sei das nicht der Fall, sollte man dies an Berater:innen abgeben oder an eine Vermögensverwaltung auslagern.

Jedenfalls sollte man Bewusstsein für das Thema haben: „Geld am Sparbuch zu haben, mag angesichts der gestiegenen Zinsen attraktiv erscheinen. Aber langfristig ist eine reale Rendite und folglich ein effektiver Vermögensaufbau schwierig.“ Um Pensionslücken zu decken, seien rechtzeitig notwendige Schritte zu treffen – je früher, desto besser. Investieren sollte man deshalb nicht nur in Sparprodukte, sondern auch in sich selbst, rät Andreas Fellner: „Um sich Wissen aneignen und damit gute finanzielle Entscheidungen für die Vorsorge treffen zu können.“


Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.