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Wie gefährlich das Hantavirus wirklich ist

4 Min
Der Andes-Typ des Hantavirus kann sich von Mensch zu Mensch übertragen.
© Illustration: WZ, Bildquelle: Getty Images

Ein seltener Typ des Hantavirus ist auf einem Kreuzfahrtschiff ausgebrochen. Warum der Erreger als gefährlich gilt, wie er übertragen wird und warum dennoch nicht mit einer neuen Pandemie zu rechnen ist.


    • Auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius gab es einen Ausbruch des Andes-Hantavirus mit hoher Sterblichkeit und Mensch-zu-Mensch-Übertragung.
    • Es existieren weder Impfstoff noch spezifische Therapie, Infektionen werden durch PCR-Test nachgewiesen, Erkrankte werden isoliert.
    • Andere Hantaviren werden nicht von Mensch-zu-Mensch weitergegeben.
    • Laut Roland Schwarzer und WHO ist keine neue Pandemie zu erwarten, da das Virus nicht effizient über Alltagskontakte übertragen wird.
    • 6 bestätigte Hantavirus-Fälle, 3 Tote auf Kreuzfahrtschiff MV Hondius
    • Mortalitätsrate des Andes-Typs: 30–40 %, Übertragung von Mensch-zu-Mensch möglich
    • Inkubationszeit: 2–4 Wochen, maximal 60 Tage
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

Auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff, das vor einigen Wochen von Argentinien auslief und Richtung Kapverde-Inseln im Atlantik unterwegs war, ist ein Typ des Hantavirus ausgebrochen. Wie gefährlich ist der Erreger?

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO gab es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle mit dem so genannten Andes-Typ auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff MV Hondius. Drei dieser acht Personen sind seit dem Ausbruch auf dem Schiff gestorben, somit verlief die Infektion für etwa 40 Prozent der Betroffenen tödlich.

Wie wird der Erreger übertragen und welche Symptome haben Betroffene?

Hantaviren sind weltweit verbreitet; die Wirtstiere sind in erster Linie Mäuse und Ratten. Die meisten Hantaviren werden vor allem durch Kontakt mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen, zum Beispiel über kontaminierten Stäube oder Aerosole aus dem Urin, Kot oder Speichel.

In Europa treten vor allem sogenannte Alte-Welt-Hantaviren auf, insbesondere Puumala- und Dobrava-Belgrad-Viren, die nicht von Mensch zu Mensch weitergeben werden. Ein Großteil der Infektionen verläuft symptomlos. Bei den Varianten, die in Österreich und Deutschland vorkommen, liegt die Mortalitätsrate bei 0,3 bis 0,5 Prozent, bei der Version in Kroatien hingegen bei 10 Prozent.

Amerikanische Varianten greifen die Lunge und das Herzkreislaufsystem, eurasische Typen die Nieren an. Beide beginnen wie ein grippaler Infekt mit Abgeschlagenheit, Gliederschmerzen und Fieber. Im Verlauf kann es zu inneren Blutungen und letztlich Multiorganversagen kommen.

Auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius ist eine spezielle Unterart des Hantavirus aufgetreten, das eine Sonderstellung einnimmt. Dieser sogenannte Andes-Typ kann sich in seltenen Fällen von Mensch zu Mensch verbreiten, allerdings nur bei engem Kontakt aus geringer Entfernung, etwa innerhalb der Familie oder bei Pflegediensten. Dieses sogenannte Andes-Virus führt zu Übelkeit, Erbrechen, Husten, Lungenerkrankung und in 30 bis 40 Prozent der Fälle zum Tod.

Wie kam der Andes-Erreger auf das Schiff?

Da der Andes-Typ in einem bestimmten Nagetier in Argentinien vorkommt, gehen Mediziner:innen davon aus, dass jemand sich dort infiziert und die Krankheit anschließend mit an Bord genommen hat. Eine andere Möglichkeit ist, dass alle Betroffenen sich die Infektion am gleichen Ort zu Land holten und sie mit an Bord nahmen.

Wie infektiös ist der Erreger?

Expert:innen gehen davon aus, dass die Krankheit erst weitergegeben wird, wenn erste Symptome auftreten.

Gibt es Medikamente dagegen?

Es gibt keinen zugelassenen Impfstoff und noch keine eigens entwickelten Therapien. Aber man kann die Krankheit im PCR-Test nachweisen.

Und was passiert jetzt mit den 150 Schiffpassagieren?

Das Schiff wurde vor der spanischen Insel Teneriffa evakuiert und die Passagiere werden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimatländer ausgeflogen, wo sie 42 Tage lang unter Quarantäne gestellt werden. Erkrankte kommen in Isolierstationen in eigens ausgerüsteten Spitälern. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und den ersten Symptomen, beträgt zwei bis vier Wochen und in Ausnahmefällen bis zu 60 Tage.

Steht uns eine neue Pandemie bevor?

Nach derzeitigem Wissensstand nicht. „Nach aktuellem Fachwissen ist das Andes-Hantavirus kein Erreger, der sich effizient über Alltagskontakte oder über weite Distanzen durch die Luft verbreitet wie klassische respiratorische Erreger, wie etwa Masern”, sagt Roland Schwarzer, Forschungsgruppenleiter am Institut für die Erforschung von HIV und AIDS-assoziierten Erkrankungen am Universitätsklinikum Essen in Deutschland. Es handle sich im Fall des Ausbruchs auf dem Schiff ,,Hondius” nicht um ein Anzeichen für eine neue globale Bedrohung, sondern vielmehr um einen seltenen und lokal begrenzten Vorfall.

Laut WHO ist der jetzige Typ des Andes-Virus auch kein mit Corona vergleichbarer Erreger, unter anderem weil die Infektion anders als im Fall von Covid-19 erst dann ansteckend ist, wenn Symptome eintreten. Aus jetziger Sicht droht keine mit Covid-19 vergleichbare Pandemie.


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Infos und Quellen

Quellen

Das Thema in anderen Medien

  • news.orf.at: Virologe zu Hantavirus-Ausbruch auf Schiff
  • Berliner Morgenpost: Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: „Verhält sich nicht wie Sars-Cov-2“
  • ZDF Heute: RKI: „Keine Pandemiegefahr“ durch Hantavirus
  • Watson: Die Timeline zum Hantavirus-Ausbruch auf der ,,Hondius"

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