In England kommt es zu einer vermehrten Ansteckung mit einer gefährlichen Form der Gehirnhautentzündung. Was bedeutet das für Österreich? Müssen wir bald alle wieder Masken tragen? Wir beantworten hier einige der wichtigsten Fragen.
Was ist Meningitis?
Die Hirnhaut schützt das Gehirn vor Krankheitserregern und Erschütterungen. In der Fachsprache heißen die Hirn- und Rückenmarkshäute Meningen, eine Entzündung dieser schützenden Gewebe nennt sich Meningitis.
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Welche Symptome hat die Krankheit?
Der Verlauf ist oft schwer. Abhängig von der Art des Erregers zählen bei Erwachsenen Fieber, starke Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Lichtempfindlichkeit, Muskel- und Gelenksschmerzen, Durchfall und Erbrechen ebenso zu den Symptomen wie Verwirrung, schnelle Atmung, Hautausschlag, Krampfanfälle.
Zu den akuten Komplikationen zählen Gehirnschwellungen, epileptische Anfälle oder Schlaganfälle, Blutvergiftung und Gerinnungsstörungen. Zu den Langzeitfolgen gehören Hörschäden, Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten.
Wie gefährlich ist die Infektion?
Wer Verdacht auf Meningitis hat, sollte umgehend einen Arzt / eine Ärztin aufsuchen. Unbehandelt endet fast die Hälfte der Meningitis-Fälle tödlich, weil die Erkrankung im äußersten Fall zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führt.
Welche Formen gibt es?
Die häufigste Form ist die virale Meningitis, die von Enteroviren, dem Herpes Simplex-Virus und dem Mumps-Erreger verursacht wird. Sie kann schwerwiegend sein, aber die Symptome sind oft milder als bei der bakteriellen Meningitis.
Die bakterielle Meningitis kommt zwar nicht so häufig vor wie die virale Form, ist aber gefährlicher und erfordert sofortige ärztliche Hilfe. Bakterielle Meningitis wird von Meningokokken, Pneumokokken und dem Erreger Haemophilus influenzae verursacht.
Weiters gibt es die Pilz-Meningitis, bei der sich die Symptome langsamer entwickeln, und die Parasiten- Meningitis, die über verunreinigtes Wasser, Lebensmittel oder Insektenstiche in den Körper gelangt.
Welche Form verbreitet sich derzeit in Großbritannien?
Ausgehend von einer Diskothek im englischen Bundesland Kent, verbreitet sich aktuell die gefährliche bakterielle Form eines Typs Neisseria meningitidis Gruppe B (MenB) in England. Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA korrigierte die Zahl der bestätigten Infektionsfälle und der Verdachtsfälle am 22. März von 34 auf 29 nach unten, wobei die meisten Betroffenen die Diskothek besucht hatten.
Wie steckt man sich an?
Meningokokken kommen bei etwa 10 Prozent der Bevölkerung im Nasen-Rachen-Raum vor, ohne jemals Schwierigkeiten zu bereiten. Sie werden durch Tröpfcheninfektion, also beim Husten, Niesen, bei engem Kontakt, beim Küssen oder durch das gemeinsame Benutzen von Gläsern, übertragen. Die Ansteckungsgefahr ist dort am größten, wo viele Menschen sehr engen Kontakt haben, also in Kindergärten, Schulen, Diskotheken oder auf Partys.
Auch Schmierinfektionen sind möglich, etwa wenn jemand das Nasensekret berührt und danach eine Türklinke anfasst.
Aber wenn wir die Mikroben ohnehin im Körper haben, warum wird das dann für manche Menschen zum Problem?
Eine Meningokokken-Besiedelung ist Teil der Nasen-Rachen-Flora, was an sich nicht schlimm ist. In seltenen Fällen gelangen diese Bakterien jedoch ins Blut und können dann jene schwere Hirnhautentzündung auslösen, die bis zur Blutvergiftung gehen kann. Solche invasiven Meningokokken-Infektionen werden durch sogenannte hypervirulente Stämme verursacht, die besonders aktiv, aber sehr selten sind.
Wie ansteckend ist die Erkrankung?
Meningitis ist weniger ansteckend als die Masern und Covid-19, welche keinen engen Kontakt erfordern und sich über die Luft verbreiten.
Gibt es eine Impfung?
Zur Vorbeugung von Meningokokken-Erkrankungen gibt verschiedene Impfstoffe, die vor den gängigen Typen schützen. Die Impfung gegen die (derzeit in England ausgebrochene) Gruppe B ist ab dem vollendeten 2. Lebensmonat für alle Kinder und Jugendlichen empfohlen, aber in Österreich kein Teil des kostenfreien Kinderimpfprogramms. Eine Kombinationsimpfung gegen Meningokokken A, C, W135 und Y wird ab dem vollendeten 10. Lebensjahr für Jugendliche empfohlen, wobei sie nur bis zum Ende des 13. Lebensjahres gratis ist. Für die anderen Altersgruppen fallen Kosten von zwischen 85 und 110 Euro pro Teilimpfung an.
Welche Therapien gibt es?
Die Therapie hängt vom Erreger ab. Personen mit Verdacht auf bakterielle Meningitis erhalten im Krankenhaus Antibiotika über die Vene und bekommen zusätzlich oft ein Kortison-Präparat. Virale Hirnhautentzündungen werden mit fiebersenkenden, schmerzlindernden oder antiviralen Medikamenten behandelt.
Wie ist die Lage in Österreich?
Meningokokken-Erkrankungen sind in Österreich meldepflichtig. Personen, bei denen der Verdacht einer Infektion besteht, müssen sofort in ein Krankenhaus eingewiesen und dort bis 24 Stunden nach Therapieeinleitung isoliert werden. Im Jahr 2024 wurden an der Nationalen Referenzzentrale für Meningokokken 15 laborbestätigte Fälle invasiver Meningokokken-Erkrankungen und davon ein Todesfall registriert.
„Insgesamt haben wir eine eher schlechte Durchimpfung gegen Meningokokken-Erkrankungen“, sagt Rudolph Schmitzberger, Leiter des Referats Impfungen der Österreichischen Ärztekammer: Weil die Impfungen nicht durchgehend im kostenfreien nationalen Impfprogramm enthalten seien, gebe es aber keine verlässlichen Gesamtzahlen
Welche Altersgruppen sind am meisten gefährdet?
Jugendliche und junge Erwachsene weisen ein höheres Infektionsrisiko auf, da sie häufiger zu Konzerten und anderen Massenveranstaltungen gehen als Ältere.
Müssen Erwachsene, die sich einmal geimpft haben, die Impfung auffrischen?
Eine klare Antwort gibt es nicht. „Die Frage, wann eine Auffrischungsimpfung notwendig ist, ist im Impfplan nicht festgehalten, damit beschäftigt sich derzeit die Wissenschaft“, sagt Schmitzberger. Vorbeugend wird aber für junge Menschen, die als Jugendliche bereits einmal geimpft wurden, eine Nachholimpfung empfohlen, ebenso wie für Personen, die in Gebiete verreisen, in denen die Krankheit verbreitet ist. „Für normale Touristen wird das Risiko eher gering eingeschätzt, solange man sich nicht intensiv in der lokalen Community aufhält“, zitiert Schmitzberger dazu die deutsche Ständige Impfkommission.
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Infos und Quellen
Gesprächspartner
Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats Impfungen der Österreichischen Ärztekammer und Kinderarzt in Wien.
Quellen
- Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Meningokokken
- Impfplan Österreich
- AGES-Referenzzentrale Meningokokken
- Apotheken Umschau: Gehirnhautentzündung (Meningitis)
- Gesundheit.gv.at: Impfung gegen Meningokokken
Das Thema in anderen Medien
- Pharmazeutische Zeitung: Lehren aus dem Ausbruch in England
- SRF: Was steckt hinter der Krankheit Meningitis?
- BBC-Schwerpunkt Meningitis
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