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Wie KI unser Reiseverhalten verändert

6 Min
Reisen mit KI: So verändert künstliche Intelligenz den Tourismus.
© Illustration: WZ / Paul Kremsleithner. Bildquelle: Adobe Stock

Von der Reiseplanung bis zur Restaurantempfehlung: Künstliche Intelligenz begleitet Tourist:innen heute auf Schritt und Tritt. Doch wie verändert diese permanente digitale Begleitung das Reisen?


    • Künstliche Intelligenz verändert die Reiseplanung durch personalisierte Empfehlungen und digitale Stadtführer.
    • Trotz wachsender Nutzung bleibt die Skepsis gegenüber KI bestehen, insbesondere wegen Datenschutz und möglicher Fehlinformationen.
    • Stefan Kreppel betont, dass KI das persönliche Reiseerlebnis ergänzt, aber nicht ersetzen kann.
    • 20 Prozent der Gen Z nutzen KI wie ChatGPT zur Urlaubsplanung
    • Tampere wurde 2026 zur "European Capital of Smart Tourism" gekürt
    • 79 Prozent der 37.000 Befragten weltweit sind mit KI vertraut
    • In Österreich nutzen 23 Prozent KI für Urlaubsreisen, 38 Prozent lehnen sie ab
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Ich bin von Montag bis Freitag in der Stadt Tampere in Finnland. Welche Restaurants sollte ich ausprobieren? Welche Sehenswürdigkeiten darf ich nicht verpassen? Gibt es Veranstaltungen in dieser Woche? Und wofür ist die Stadt überhaupt bekannt?“

Noch bevor ich meinen Koffer gepackt habe, sitzt mein persönlicher Reiseberater direkt neben mir. Nicht in einem Reisebüro, sondern in meinem Smartphone: Innerhalb weniger Sekunden liefert mir ChatGPT Restaurantempfehlungen, Veranstaltungstipps und eine mögliche Route durch Finnlands drittgrößte Stadt. Was ich noch vor wenigen Jahren in Reiseführern, Blogs und dutzenden geöffneten Browser-Tabs suchen musste, fasst mir heute künstliche Intelligenz (KI) in einem einzigen Gespräch zusammen.

Damit bin ich längst nicht allein. Laut Österreich Werbung nutzen bereits 20 Prozent der reiseplanenden Gen Z ChatGPT oder ähnliche Anwendungen als Inspirationsquelle für ihren Urlaub. Bei den über 30-Jährigen sind es derzeit 8 Prozent. Für Tourismusorganisationen bedeutet das eine grundlegende Veränderung.

Der digitale Stadtführer

Tampere, durch das ich einige Tage später spaziere, ist diesbezüglich Vorreiter: 2026 wurde die Stadt zur „European Capital of Smart Tourism“ gekürt. Für den Titel werden Städte nach Kriterien wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit, kulturellem Erbe, Kreativität sowie innovativen Tourismusmaßnahmen bewertet. Tampere habe mit smarten Lösungen überzeugt, heißt es auf der Website der Europäischen Kommission, die den Titel seit 2018 jährlich vergibt. Konkret habe die Stadt digitale Technologien gezielt genutzt, um Kultur- und Naturerlebnisse für Besucher:innen einfacher, nachhaltiger und attraktiver zugänglich zu machen.

Die KI begleitet einen laufend durch die Stadt und gibt Orientierung.
Teppo Rantanen, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der Stadt Tampere

Gemeinsam mit Microsoft entwickelte die Stadt zuletzt „VIP Tampere“: einen KI-gestützten Assistenten, der Menschen in Echtzeit durch die Stadt begleitet. Er kombiniert künstliche Intelligenz, Standortdaten und Digital Twins (digitale Abbilder der Stadt) und liefert personalisierte Empfehlungen direkt auf das Smartphone oder über die Kopfhörer.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Die KI weiß, wo ich mich befinde, welche Interessen ich habe und welche Informationen gerade relevant sind. „Es ist eine Art virtueller Besuch der Stadt“, erklärt Teppo Rantanen, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der Stadt Tampere. „Wenn man durch die Stadt geht, begleitet einen die KI laufend und gibt Orientierung.“ Aktuell befindet sich die App noch in der Testphase, doch schon bald soll sie „ein persönlicher Guide oder virtueller Freund sein“.

Zwischen Natur und Technologie

Dass ausgerechnet eine Stadt, die von Seen, Wäldern und Natur umgeben ist, als Vorreiter digitaler Tourismuslösungen gilt, erscheint zunächst widersprüchlich. Auch Johanna Kirjavainen, Vizebürgermeisterin von Tampere, kennt diesen Einwand: „Es gibt oft eine Trennung zwischen Natur und Technologie. Aber ich glaube, dass wir von Technologie profitieren können. Entscheidend ist, wie wir sie nutzen.“

In Tampere soll Digitalisierung vor allem den Zugang zur Natur erleichtern. Über digitale Plattformen finden Besucher:innen Wanderwege, Fahrradrouten, Badestellen und Ausflugsziele, inklusive Karten, Routenplanung und Informationen zur Anreise. Auch barrierefreie Naturpfade werden online aufbereitet. Technologie soll Menschen also nicht von der Natur entfernen, sondern ihnen helfen, sie einfacher zu erreichen.

Finnland ist kein Einzelfall

Auch Österreich experimentiert bereits mit neuen Formen der KI-Begleitung. Die Österreich Werbung entwickelte einen mehrsprachigen AI-Avatar, der auf Messen und Veranstaltungen Fragen rund um Urlaub in Österreich beantwortet. Parallel dazu unterstützt der AI-Assistent Besucher:innen bei der Reiseplanung.

Für uns ist das eine Chance, sichtbar und relevant zu bleiben.
Stefan Kreppel von der Österreich Werbung

„Personalisierung wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor“, sagt dazu Stefan Kreppel, Leiter der Stabsstelle Digitalisierung, Innovation und Strategie bei der Österreich Werbung. Denn wer weiß, wo sich Gäste aufhalten, wie das Wetter wird oder wie stark bestimmte Attraktionen ausgelastet sind, kann individuellere Empfehlungen geben. Regnet es? Die KI schlägt ein Museum vor. Ist ein Ausflugsziel überlaufen? Sie empfiehlt eine Alternative. Statt allgemeiner Tipps entstehen persönliche Reiseerlebnisse. „KI kann Gäste vor und während ihrer Reise begleiten“, sagt Kreppel. „Für uns ist das eine Chance, dort sichtbar und relevant zu bleiben, wo sich die Gäste ohnehin bewegen.“

Dass KI im Tourismus zunehmend an Bedeutung gewinnt, zeigt auch der „Global AI Sentiment Report“ von Booking.com. Demnach sind 79 Prozent der weltweit mehr als 37.000 Befragten mit der Technologie vertraut. Gleichzeitig verlassen sich nur 6 Prozent voll und ganz auf KI. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Offenheit gegenüber KI wächst, viele Menschen ihrem Einsatz aber weiterhin mit Vorsicht begegnen.

Diese Zurückhaltung zeigt sich auch im deutschsprachigen Raum. Laut Daten von Austria Tourism haben bereits 23 Prozent der Österreicher:innen, 21 Prozent der Deutschen und 32 Prozent der Schweizer:innen KI-Anwendungen für Urlaubsreisen genutzt. Gleichzeitig gaben 38 Prozent der Befragten in Österreich an, KI bei der Reiseplanung nicht zu nutzen und dies auch künftig nicht zu wollen.

Geht dabei etwas verloren?

So hilfreich KI bei der Reiseplanung auch sein kann, ihre Grenzen bleiben sichtbar: Falsche Informationen und offene Datenschutzfragen zeigen, dass digitale Assistenten menschliche Recherche nicht ersetzen können. Auf der Website Onlinesicherheit.at des Bundeskanzleramtes wird daher empfohlen, KI-generierte Vorschläge kritisch zu prüfen und sensible Daten nicht preiszugeben. Auch die OECD, die Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit, weist darauf hin, dass der Schutz persönlicher Daten eine zentrale Voraussetzung für den verantwortungsvollen Einsatz von KI im Tourismus ist.

Wir sollten Technologie nicht in alles integrieren.
Tamperes Vizebürgermeisterin Johanna Kirjavainen

Trotz dieser Herausforderungen überwiegen für Tourismusforscher Stefan Kreppel die Einsatzmöglichkeiten: „KI ergänzt. Sie ersetzt weder das persönliche Erlebnis noch die Gastfreundschaft.“ Im Idealfall nehme sie Routinearbeit ab und schaffe mehr Raum für echte Begegnungen. „Natur, Kultur, Kulinarik und Gastfreundschaft bleiben der Kern des Tourismus“, sagt Kreppel.

Tamperes Vizebürgermeisterin Kirjavainen zieht ebenfalls eine klare Grenze: „Wir sollten Technologie nicht in alles integrieren.“ Dieser Satz bleibt hängen. Denn genau hier liegt die eigentliche Frage des Smart Tourism: Wann unterstützt Technologie das Reiseerlebnis, und wann beginnt sie, es zu steuern? Wenn eine KI weiß, welche Restaurants ich mag, welche Aktivitäten mich interessieren und wie lange ich vor einer Sehenswürdigkeit stehen bleibe, reise ich dann noch selbst durch eine Stadt – oder eine algorithmisch optimierte Version meiner selbst?

All das wird mir auf meiner Reise durch Tampere bewusst: KI kann Wege zeigen, Empfehlungen liefern und bei der Planung helfen. Die wertvollsten Reiseerlebnisse entstehen aber dort, wo der Algorithmus endet und die Begegnung mit Menschen beginnt.

Dieser Beitrag ist im Rahmen von „eurotours 2026“ entstanden, einem Projekt des Bundeskanzleramtes, finanziert aus Bundesmitteln.


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Infos und Quellen

Gesprächspartner:innen

  • Teppo Rantanen, Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik, Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der Stadt Tampere
  • Johanna Kirjavainen, Politikerin der Partei Vihreä liitto (Der Grüne Bund)
  • Stefan Kreppel, Leiter der Stabsstelle Digitalisierung, Innovation und Strategie (Austria Tourism)

Daten und Fakten

Bereits heute prägen intelligente Technologien zahlreiche Aspekte des Reisens, von der ersten Inspiration bis zur Rückkehr nach Hause. Chatbots und hochentwickelte virtuelle Assistenten haben sich als unverzichtbare Werkzeuge in der Kundenkommunikation etabliert. (OECD-Studie untersucht KI im Tourismus)

Intelligente Algorithmen optimieren Routen für Transportunternehmen, verbessern das Gepäckmanagement an Flughäfen und ermöglichen eine vorausschauende Wartung von Infrastrukturen. Im Hotelwesen können KI-gesteuerte Systeme die Zimmerreinigung koordinieren, den Energieverbrauch optimieren und sogar personalisierte Menüs für Gäste erstellen. (OECD-Studie untersucht KI im Tourismus)

91 Prozent der weltweit Befragten geben an, KI positiv gegenüberzustehen, doch nur 12 Prozent der Konsument:innen fühlen sich wohl dabei, wenn KI eigenständig Entscheidungen trifft. Für die meisten bleibt die menschliche Kontrolle wichtig. (theglobalaisentimentreport2025)

Bei der Reiseplanung nutzen Reisende KI am häufigsten, um sich über Reiseziele und die beste Reisezeit zu informieren (38 Prozent), lokale Erlebnisse oder kulturelle Aktivitäten zu finden (37 Prozent) sowie Restaurantempfehlungen zu erhalten (36 Prozent). Auffällig ist zudem, dass KI-Assistenten inzwischen von 24 Prozent der Befragten als vertrauenswürdigere Quelle für die Reiseplanung eingestuft werden als Influencer:innen in sozialen Medien (14 Prozent). (theglobalaisentimentreport2025)

Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

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