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Wie Social Media Antisemitismus Vorschub leisten

Genese

Für Recherchen zu der in der WZ erschienenen Geschichte „Antisemitismus: Nie wieder ist jetzt" besuchte die Autorin ein Hintergrundgespräch der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) der Reihe Science Update zum Thema Antisemitismus in Österreich. Dabei präsentierte die Kulturwissenschaftlerin Ariane Sadjed ihren Forschungsschwerpunkt zum Thema Antisemitismus auf Social Media.

Gesprächspartnerin

Ariane Sadjed ist Kulturwissenschaftlerin an den Instituten für Iranistik und für Kulturwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Am Institut für Iranistik arbeitet sie zur Geschichte der Juden im Iran, in Zentralasien und Afghanistan, wofür ihr eine hochdotierte Förderung des Europäischen Forschungsrats (ERC-Grant) zuerkannt wurde. Am Institut für Kulturwissenschaften erforscht sie neue Formen von Antisemitismus, auch im Internet. Ariane Sadjed hat Psychologie und Kulturwissenschaften in Wien, Berlin und Seattle studiert.

Daten und Fakten

  • Das Gebiet des heutigen Staates Israel gehörte 1920 zum Osmanischen Reich. Nach der Begründung der zionistischen Bewegung 1897, deren Ziel die Rückkehr der Juden in ihre biblisch überlieferte Heimat war, hatte die jüdische Einwanderung in diese Region stark zugenommen. Während des Ersten Weltkriegs hatte Großbritannien sowohl der arabischen als auch der jüdischen Seite die Überlassung Palästinas zugesichert. 1920 übernahm Großbritannien ein Völkerbundsmandat für Palästina, das somit unter britischer Herrschaft stand. Da jüdische und arabische Gruppierungen gegen die Briten und gegeneinander um die Vorherrschaft im Land kämpften, übergab die britische Regierung die Verantwortung für das Territorium den Vereinten Nationen (UN).

  • Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Shoa, die in Europa sechs Millionen jüdische Opfer forderte, wuchs die internationale Unterstützung für die zionistische Bewegung. Am 29. November 1947 stimmte die UN-Generalversammlung für die Errichtung zweier Staaten – einen jüdischen und einen arabischen. Der Teilungsplan wurde von großen Teilen der jüdischen Seite begrüßt, von der arabischen Bevölkerung aber abgelehnt. Die Folge waren schwere bewaffnete Auseinandersetzungen.

  • Am 14. Mai 1948 – dem Tag der Niederlegung des britischen Mandats – rief der Führer der zionistisch-sozialistischen Arbeiterpartei Israels, David Ben-Gurion, den Staat Israel aus. Die arabischen Nachbarländer reagierten mit einem Angriff auf den neugegründeten Staat. Israel konnte seine Existenz in diesem ersten Nahostkrieg behaupten, der 1949 mit seinem militärischen Sieg endete. Unter der Federführung der Vereinten Nationen wurden 1949 auf Rhodos vier Waffenstillstandserklärungen zwischen Israel und Ägypten, Jordanien, dem Libanon und Syrien unterzeichnet, mit der Grünen Linie als Grenze zwischen den Staaten.

  • Laut dem Jahresbericht der Antisemitismus-Meldestelle 2023 der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien hat sich die Zahl der gemeldeten antisemitischen Vorfälle pro Tag seit dem Angriff der Hamas auf Israel verfünffacht. Wurden in Österreich bis zum 7. Oktober 2023 im Schnitt 1,55 Vorfälle gemeldet, waren es danach 8,31. Die Gesamtzahl der gemeldeten Vorfälle lag im Vorjahr bei 1.147 und stellt damit einen Negativrekord dar.

  • Damit stellt das Jahr 2023 laut IKG selbst das von der Corona-Pandemie und damit verbundenen Demonstrationen und auch antisemitischen Verschwörungstheorien geprägte Jahr 2021 (965 Vorfälle) in den Schatten. Der heurige Wert ist der höchste seit Beginn der Erfassung. Gestiegen ist auch die Zahl der physischen Angriffe, von 14 auf 18. IKG-Generalsekretär Benjamin Nägele erinnerte hier an den Brandanschlag auf den jüdischen Friedhof in Wien. Leicht zurückgegangen sind die Bedrohungen, von 21 auf 18, gestiegen hingegen die Sachbeschädigungen von 122 auf 149. Den allergrößten Teil der gemeldeten Fälle machten aber Massenzuschriften (536 Fälle), vor allem in Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt, und verletzendes Verhalten (426) aus.

  • Pauschale Judenfeindschaft hat eine rund 2.500 Jahre lange Geschichte, in der Bilder, Gerüchte, Klischees, Vorurteile und Ressentiments Stereotypen von „dem“ oder „den“ Juden bilden. Anders als bei Fremdenfeindlichkeit wird Antisemitismus mit angeblich unveränderlichen Eigenschaften jüdischer Menschen begründet.

Infos und Quellen

Das Thema in der WZ

Das Thema in anderen Medien

  • Die Presse: Entsetzt über den Judenhass

  • NZZ: Rekonstruktion eines IS-inspirierten Anschlags in Zürich