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Wie viel Sparen ist normal?

3 Min
Eine Illustration eines Sparbuches und eines Eurosymbols.
Einen finanziellen Polster zu haben macht Sinn.
© Illustration: WZ

Die Sparquote ist in Österreich seit einigen Jahren rückgängig. Wer finanziell abgesichert sein will, kommt am regelmäßigen Sparen aber nicht vorbei. Doch wie viel sollte man sich wirklich zur Seite legen?


75 Prozent: So viel sparen manche Menschen. Ihr Ziel: finanzielle Unabhängigkeit, früher in den Ruhestand gehen. „Financial Independence, Retire Early”, kurz FIRE, heißt diese Bewegung. Es ist ein extremes Beispiel für ein diszipliniertes Sparverhalten, um finanzielle Ziele zu erreichen. Frugalismus wird dieser Lebensstil bezeichnet, der in der Pandemie von vielen angenommen wurde. Tatsächlich sind die Frugalist:innen jedoch noch eine Randgruppe, denn die durchschnittliche Sparquote in Österreich ist weit niedriger.

Wir sparen wieder weniger

Die Pandemie hat uns laut Zahlen der Statistik Austria aber zu Sparer:innen gemacht: 2019 lag die Sparquote der privaten Haushalte bei 8,5 Prozent, 2020 stieg sie auf den Rekordwert von 14,4 Prozent. 2022 wurden nur mehr 8,8 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens angespart. Die Zahlen für das Gesamtjahr 2023 wurden noch nicht veröffentlicht, in den ersten drei Quartalen des Vorjahres lag die Sparquote zumindest über neun Prozent.

Aber wie viel sollte man eigentlich zur Seite legen können? Hier liegt die österreichische Sparquote stark unter den Empfehlungen der sogenannten 50-30-20-Regel. Dieses Prinzip etablierte die US-Politikerin und Juristin Elizabeth Warren 2006 in ihrem Buch „All Your Worth: The Ultimate Lifetime Money Plan”; mittlerweile wird es auch im deutschsprachigen Raum als Grundregel genutzt.

Laut der 50-30-20-Regel sollen 50 Prozent des Haushaltseinkommens für Fixkosten und laufende Kosten wie Miete, Energie und Lebensmittel budgetiert werden, 30 Prozent für sogenannte „Wants”, also Bedürfnisse wie Hobbys und Freizeitaktivitäten oder Ausgehen. Die restlichen 20 Prozent sollten für das Sparen übrig bleiben – einerseits für kurzfristige Ziele wie den nächsten Urlaub, oder eben auch die Altersvorsorge.

Notgroschen als erstes Sparziel

Von einer Sparquote in Höhe von 20 Prozent ist der durchschnittliche österreichische Haushalt aber weit entfernt. Bevor auf größere Ziele gespart wird, empfehlen Expert:innen, einen sogenannten „Notgroschen” anzusparen: Erspartes, mit dem man überraschende Ausgaben finanziert oder das etwa bei Jobverlust die Lebenshaltungskosten abdeckt. Dieser finanzielle Polster soll laut Empfehlung der Arbeiterkammer zumindest drei Monate lang die Lebenshaltungskosten abdecken. Wer monatlich 2.000 Euro Fixkosten hat, sollte also zumindest 6.000 Euro auf ein Sparkonto legen, das täglich verfügbar und nicht gebunden ist.

Dass die Österreicher:innen nicht mehr so viel sparen wie vor ein paar Jahren, lässt sich mit der Teuerung bei den Energie- und Lebensmittelpreisen sowie den steigenden Mieten erklären. Die Kaufkraft – also das, was Haushalten nach Abzug der Fixkosten für Konsum und Sparen übrig bleibt, soll dieses Jahr wieder steigen. Das klassische Sparen mit einem Sparkonto ist trotz des hohen Leitzinses nach wie vor nicht attraktiv. Denn die Sparzinsen sind im Vergleich zu den Kreditzinsen sehr niedrig. Laut der Transparenzplattform der Oesterreichischen Nationalbank liegt der durchschnittliche Zinssatz Anfang März bei einem täglich fälligen Online-Sparkonto bei 1,38 Prozent, maximal bei drei Prozent. Wer sich über den Notgroschen hinaus langfristig Geld zur Seite legen kann und möchte, sollte sich deshalb mit weiteren Anlageformen befassen.


Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.