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Wirtschaftsstandort All: Was die Eroberung des Mondes bringt

3 Min
In "Ökonowie" schreibt Elisabeth Oberndorfer wöchentlich, was im Wirtschaftsstandort Österreich so vor sich geht.
© Illustration: WZ / Katharina Wieser, Assets: Adobe Stock;

Mit ihrer Artemis-Mission suchen die USA nach den wirtschaftlichen Benefits des Mondes. Auch die EU ist daran interessiert, die Ressourcen des Mondes zu nutzen.


    • Die NASA plant mit Artemis eine dauerhafte Präsenz am Mond, inklusive Bau eines Kernreaktors bis 2030.
    • Mondbergbau („Moon Mining“) gewinnt wirtschaftlich an Bedeutung, da wertvolle Rohstoffe wie Helium-3 und Seltene Erden dort vermutet werden.
    • Unternehmen wie SpaceX, Blue Origin und Airbus profitieren bereits wirtschaftlich von den Mondmissionen und Investitionen.
    • Artemis 2: 9-tägige Mondmission, Rückkehr der Crew am Freitag
    • Bau eines Kernreaktors am Mond bis 2030 geplant
    • 3.800 Unternehmen aus 49 US-Bundesstaaten an Artemis beteiligt
    • ESA plant eigene Mondmission für 2030
    Mehr dazu in den Infos & Quellen

„Mission Accomplished“ hieß es vergangene Woche für die NASA: Die neuntägige Mondmission Artemis 2 endete am Freitag, als die vier Astronaut:innen zurückkehrten. Es handelte sich zwar um eine historische Raumfahrt, jedoch nur um einen Teil des Artemis-Programms, das die US-Luftraumbehörde geplant hat. Ziel ist es, eine physische Präsenz am Mond aufzubauen. Ein wesentlicher Teil davon ist der Bau eines Kernreaktors bis 2030.

Wertvolle Rohstoffe auf dem Mond

Denn das Interesse am Mond ist vor allem wirtschaftlich geprägt. Die Artemis-Missionen werden „es Astronauten ermöglichen, den Mond zu erforschen, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen und wirtschaftliche Vorteile zu erzielen“, beschreibt die NASA das Programm. Hier kommt der Kernreaktor ins Spiel: Er soll die nötige nukleare Energie liefern, um die geplanten Projekte am Mond zu betreiben.

Die langfristige Stromversorgung könnte der Schlüssel für den Aufbau einer Infrastruktur am Mond sein – allerdings nicht, um menschliches Leben am Mond zu ermöglichen. Vielmehr könnte der Satellit zu einem Industriestandort für die Erde werden. Denn dort finden sich Rohstoffe, die für Anwendungen auf unserem Planeten wertvoll sein könnten. Sogenannte Seltene Erden kommen in der Industrie zum Einsatz und werden für die Produktion technologischer Hardware immer wichtiger. Der auf dem Mond befindliche Rohstoff Helium-3 könnte etwa bei Quantencomputern oder Energietechnologien zum Einsatz kommen. Wie einfach der Abbau von Rohstoffen wie Helium-3 wirklich ist, ist derzeit noch unklar und hängt von der Konzentration dieser Materialien in Mondgestein ab.

„Moon Mining“ in den USA und der EU

„Moon Mining“, Mondbergabbau, heißt dieses Bestreben, das sich übrigens nicht auf die USA beschränkt. Auch die Europäische Union hat ein Interesse an den Schätzen am Mond. Im „Strategic Foresight Report 2025“ hält die EU-Kommission fest, dass sich der globale Wettbewerb um kritische Rohstoffe verschärfen werde: „Als Reaktion darauf könnte ein zunehmender Schwerpunkt auf Innovationen bei Praktiken der Kreislaufwirtschaft und fortschrittlichen Bergbautechnologien, einschließlich des Weltraumbergbaus, beginnend mit dem Mond, gelegt werden.“

Die Europäische Weltraumorganisation ESA ist nicht nur an der Artemis-Mission beteiligt, sie arbeitet auch an ihrer eigenen Mondmission, die 2030 starten soll. Ziel ist es, eine dauerhafte Präsenz am Mond vorzubereiten. Sollte die NASA zu diesem Zeitpunkt schon den Kernreaktor errichten, hätten die USA einen maßgeblichen Vorsprung beim Rennen um die Mondressourcen.

Wertschöpfung auf der Erde

Auch wenn die Eroberung des Wirtschaftsstandorts Mond noch dauern wird, haben die Pläne bereits jetzt einen wirtschaftlichen Einfluss auf die Erde. Zu den größten Profiteur:innen der NASA-Projekte zählen das von Elon Musk gegründete Unternehmen SpaceX und der von Jeff Bezos finanzierte Konkurrent Blue Origin. Neben diesen beiden Unternehmen gibt es allerdings noch eine Vielzahl an Zulieferern aus den USA und Europa. Laut NASA sind bei der Artemis-Mission rund 3.800 Unternehmen aus 49 US-Bundesstaaten involviert. Der Luftfahrtkonzern Airbus mit Sitz in den Niederlanden entwickelte in Bremen Komponenten für das Artemis-Raumschiff, das im April zum Mond geschickt wurde. Für das Argonaut-Programm holt sich die ESA unter anderem Unterstützung vom deutschen Raumfahrtzulieferer OHB System.

Die Idee, Rohstoffe vom Mond zu importieren und dort sogar Rechenzentren zu betreiben, mag heute noch ungreifbar erscheinen. Die jüngste Artemis-Mission und die weiteren Pläne der NASA und der ESA zeigen jedoch, dass bereits jetzt zahlreiche Investitionen in den Wirtschaftsstandort im All getätigt werden. Der globale Wettbewerb zwischen den Wirtschaftsmächten wird dann wohl auch außerhalb der Erde fortgesetzt werden.

Elisabeth Oberndorfer schreibt jede Woche eine Kolumne zum Thema Ökonomie. Alle Texte findet ihr auch in ihrem Autor:innenprofil.


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